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Ulrich Brunner

Bildtext: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (l.) und Staatsminister a.D. Helmut Brunner (r.) gratulierten Ulrich Brunner zum Kulturpreis des Bezirks Niederbayern. Foto: Manuela Lang/Bezirk Niederbayern

 

Kulturpreis: Diskussionen erwünscht

Bezirk Niederbayern zeichnet Ulrich Brunner für Schweinezucht und symbiotische Landwirtschaft aus

 

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ Mit diesem Zitat des französischen Schriftstellers Francis Picabia verwies Helmut Brunner, der ehemalige Landwirtschaftsminister, in seiner Laudatio darauf, dass sich der Bezirk Niederbayern für einen eher ungewöhnlichen Kulturpreisträger 2018 entschieden hat. Die Wahl des hauptberuflichen Ofenbauers aus Arnstorf, der auf seinem Privatanwesen eine fast ausgestorbene Schweinerasse züchtet, wurde im Vorfeld kontrovers diskutiert. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der die Preisverleihung am Montagnachmittag im Festsaal des Bezirksklinikums Mainkofen, eröffnete, bewertete diese Diskussion positiv: „Schließlich geht es darum, kulturelle Werte in den Fokus zu rücken.“

Nach Auszeichnungen für den Vorsitzenden des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern e.V. (Hubert Huber) und den Vorsitzenden des Vereins Bairische Sprache e.V. (Sepp Obermeier) führe der diesjährige Kulturpreis zurück zu den Wurzeln des Kulturbegriffs, so Olaf Heinrich. „Denn ‚Kultur‘ meint dem lateinischen Ursprung des Begriffs ‚cultura‘ nach die Bearbeitung, Pflege und Veredelung von Ackerboden.“ Es sei dem Bezirk ein Anliegen, einen „weiten Kulturbegriff“ zu definieren und ihn auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Ulrich Brunner betreibt auch auf seinem Anwesen in der Gemeinde Arnstorf eine sogenannte „symbiotische Landwirtschaft“. Diese, so hob Laudator Helmut Brunner hervor, fuße auf sehr alten, naturgemäßen Formen der Tierhaltung, bei denen verschiedene Tierarten gemeinsam auf einer Weide zusammenleben und sich gegenseitig ergänzen. Brunner nutze dafür auf seinem Hof die aus Norddeutschland stammende, alte und stark gefährdete Rasse der „Bunten Bentheimer Schweine“, die im Zuge veränderter Verbrauchergewohnheiten hin zu fettarmem Fleisch, das sie aufgrund ihres „ungünstigen Fleisch-Fett-Verhältnisses“ nicht liefern konnten, immer seltener wurden. Verschiedene Tierarten leben auf dem Hof das ganze Jahr über im Freien und beschaffen sich das Futter selbst.

„Das, was Herr Brunner macht, wird sicher nicht zum Leitbild für die gesamte Agrarwirtschaft. Doch er geht seinen eigenen Weg, denkt regional und macht etwas Besonderes“, so Helmut Brunner, der genau diese Eigenschaften auch als Merkmale erfolgreicher Landwirtschaft in Bayern insgesamt sieht. Zudem sei die Landwirtschaft hierzulande äußerst vielfältig, worauf der Kulturpreis 2018 nun ebenso hinweist. „Ich gratuliere dem Bezirk zu seinem Mut zu dieser Entscheidung.“ Schließlich brauche eine Gesellschaft immer „Vordenker, Nachdenker und Querdenker“, schloss er seine Laudatio und gratulierte dem Preisträger.

Ulrich Brunner selbst bedankte sich für die Auszeichnung und betonte auch seinerseits, kein hauptberuflicher Schweinebauer, sondern Ofenbauer zu sein. Dennoch liege ihm die Landwirtschaft seit seiner Kindheit am Herzen und finde es bedauerlich, dass immer mehr Lichter auf den Höfen erlöschen. Insofern sei „seine Art, Landwirtschaft zu betreiben“ sein Beitrag, der ihn täglich mit großer Freude erfülle.

Die unkonventionelle Wahl des Bezirks Niederbayern für seinen Kulturpreisträger 2018 wurde auch von den Gästen positiv gewertet. Die niederbayerische Bezirksbäuerin Irene Waas freute sich, dass diesmal mit dem Kulturpreis ein Landwirt ausgezeichnet wurde. „Wir gratulieren dazu ganz herzlich“, so Waas, die aber auch klarmachte, dass der Preisträger keine klassische Landwirtschaft betreibe. Als sehr erfreulich bezeichnete es Roland Spiller, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung, dass mit dieser Auszeichung der Landwirtschaft insgesamt Wert und Bedeutung beigemessen wird. „Nur durch Wertschätzung kann auch Wertschöpfung entstehen“, so Spiller. Und auch der Geschäftsführer des Bayerischen Wald-Vereins, Georg Pletl, fand es gelungen, dass ein Vertreter der Landwirtschaft in diesem Rahmen ausgezeichnet wurde – zumal es den Fokus darauf richte, wie ein erfolgreicher Unternehmer den wertschätzenden Umgang mit der Natur vorlebt.

Die 6000 Euro Preisgeld, die er noch mit Privatmitteln aufstocken will, spendet Ulrich Brunner an den a.s.a.m. Klosterverein in Eggenfelden für soziale Projekte. „Dann ist das eine runde Sache“, meinte er zum Schluss.

 

-ml-

 

Bildtext: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (r.) und Bezirksrat Dr. Thomas Pröckl (2. v. r.) konnten sich bei Ulrich Brunner ein Bild davon machen, wie artgerechte Tierhaltung in der Praxis aussieht.

 

Kulturpreis des Bezirks Niederbayern für Ulrich Brunner

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besucht Kulturpreisträger 2018

 

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besuchte heute gemeinsam mit Bezirksrat Dr. Thomas Pröckl den diesjährigen Kulturpreisträger des Bezirks Niederbayern Ulrich Brunner in Eggenfelden. Der Unternehmer betreibt dort neben seinem Firmengelände sowie auf seinem Privatanwesen in Stadl, Gemeinde Arnstorf, symbiotische Landwirtschaft und hält u. a. mit dem „Bunten Bentheimer Schwein“ eine alte, stark gefährdete Nutztierrasse. Für sein beispielgebendes Engagement  wird er auf Vorschlag von Bezirksrat Pröckl mit dem Kulturpreis 2018 des Bezirks Niederbayern ausgezeichnet. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 30. Juli im Rahmen eines Festakts statt.

 

Der Ausschuss für Kultur-, Jugend- und Sportförderung des Bezirks Niederbayern unter Vorsitz von Bezirkstagsvizepräsident Franz Schedlbauer hatte sich in seiner Sitzung am 21. Juni für diese unkonventionelle Kulturpreisvergabe entschieden. Der Begriff Kultur leitet sich vom lateinischen Wort „cultura“, der „Kultivierung des Bodens“ ab. In diesem kulturhistorischen Sinn stellen also die Landbewirtschaftung ebenso wie die über Jahrhunderte gezüchteten, alten Haus- und Nutztierrassen eine Kulturleistung dar. Diese traditionelle Interpretation von Kultur ist zugleich eine sehr zeitgemäße. Die modernen Kulturwissenschaften propagieren seit langem den sogenannten weiten Kulturbegriff. Dieser enge Kultur nicht auf Hochkultur, Kunst und ästhetische Werte ein, sondern bezeichne das von Menschen Geschaffene und Gestaltete, erläuterte Bezirksheimatpfleger Dr. Maximilian Seefelder während der Sitzung des Ausschusses. Kulturlandschaft, Nahrungs-, Kleidungs-, Sprach-, Bau- und Wohnkultur zähle man ebenso dazu wie Bräuche, Traditionen und Kunst in all ihren Facetten.

 

Dass Kunst Kultur ist, aber Kultur mehr als Kunst umfasst, zeigt der Bezirk Niederbayern mit seinen bisherigen Kulturpreisträgern. 2016 erhielt der Fürstenzeller Künstler Hubert Huber als erster den Bezirkskulturpreis für seine dreißigjährige kulturpolitische Tätigkeit im Berufsverband bildender Künstler. 2017 war es Sepp Obermeier aus Gossersdorf, der für seinen Einsatz um die bairische Sprach- und Mundartpflege ausgezeichnet wurde.

 

Der diesjährige Kulturpreisträger, Ulrich Brunner, engagiert sich für alte Nutztierrassen. Sie sind Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses, von Menschen geschaffenes Kulturgut und prägen die jeweilige Kulturlandschaft. Nicht zuletzt deshalb seien sie schützenswert – ebenso wie Baudenkmäler und Kunstwerke, klärt die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)“ auf, die 1981 im Rottal gegründet wurde. Allein in Deutschland stehen etwa 130 Nutztierrassen auf der Roten Liste. Auch das Bunte Bentheimer Schwein gehört dazu, das sich auf dem Anwesen von Ulrich Brunner tummelt.

 

Zu den Tieren führte er auch Bezirkstagspräsident Heinrich und Bezirksrat Pröckl. Die kleine Delegation konnte live erleben, wie glückliche Schweine aussehen: Eine Herde zwei Monate alter Tiere ließ sich zunächst zutraulich mit Körnern füttern, um anschließend wohlig ein Bad im Matsch zu nehmen. Die älteren Tiere nebenan dösten auf ihrer Weide in der Sonne. „Wenn es den Tieren gut geht, dann geht es den Menschen auch gut“, begeisterte sich Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich bei seinem Besuch. „Wir haben einen würdigen Kulturpreisträger, besonders wenn man Kultur im engsten Sinne des Begriffs, also dem Bestellen von Boden, sieht. Das, was Ulrich Brunner hier geschaffen hat, ist überaus nachahmenswert.“ Dr. Thomas Pröckl ging es darum, das „große persönliche Engagement des Unternehmers“ zu würdigen und zu zeigen: „Auch der Erhalt alter Rassen gehört zur Kultur. Kunst ist Kultur, aber Kultur ist nicht nur Kunst.“

 

„Hinter dem Konzept ,Symbiotische Landwirtschaft‘ steckt altes Wissen, das neu entdeckt und neu durchdacht wurde“, informierte Brunner. „Unsere Schweine leben in Gemeinschaft mit Hühnern. Beide Arten profitieren davon. Die Schweine halten dem Federvieh Fressfeinde wie Marder oder Fuchs vom Leib, im Gegenzug picken die Hühner den Borstentieren lästiges Ungeziefer aus dem Fell. Die Tiere leben das ganze Jahr über im Freien. Sie ernten ihr Futter selbst. Um Bodenverdichtung durch Übernutzung zu vermeiden, sind Ställe und Futtertröge beweglich. Durch das Umwühlen des Ackers, muss dieser für die Aussaat nur mit leichtem Gerät bearbeitet werden. Der Anbau der vielen verschiedenen Pflanzenarten bereichert zudem das Bodenleben. Die Symbiotische Landwirtschaft ermöglicht den Tieren ein freies, artgerechtes Leben“, so Brunner.

 

– eb –

 

Foto: Melanie Bäumel-Schachtner