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Strahlung

Bürger aus der Umgebung des neuen Mobilfunkmasten an der Watzmannstraße haben sich nach der Genehmigung dieser neuen Sender-Vielfalt erkundigt.

Klartext.LA hat nachgeforscht und festgestellt, dass der nicht-öffentlich tagende Runde Tisch Mobilfunk am 26.07.2018 diesen Neubau genehmigt hat. Einstimmig! Auch mit den Stimmen der Mitglieder von ÖDP und der Grünen.

Fotos: Bürger (Namen der Redaktion bekannt)

Pressemitteilung

Innovative Behandlung von Leberkrebs am Klinikum Landshut

Leberkrebs bleibt bei vielen Patienten lange unerkannt, oft wird der Tumor erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Für einen größeren Befall gibt es am Klinikum Landshut eine neue Behandlungsmethode: Dabei fließen Millionen radioaktive Mikro-Kügelchen direkt in die Leber. Die ersten Patienten wurden bereits erfolgreich behandelt.

Gezielte Behandlung von Lebertumoren: Die winzigen radioaktiven Kügelchen werden direkt in die Lebertumore eingebracht.

(v.l.) Dr. Bernhard Scher, Chefarzt der Nuklearmedizin, Eva Schneider, Leitende Medizinisch-Technische Radiologieassistentin, und Dr. Gerhard Oberst, Leitender Oberarzt der Radiologie, überprüfen die Mikrosphären. Fotos: Klinikum Landshut

Bei den ersten vier Patienten ist der Eingriff problemlos verlaufen. Das berichtet Prof. Dr. Dr. Matthias Dollinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik I und Leberspezialist am Klinikum Landshut. Die vier Patienten wurden mit der selektiven internen Radiotherapie, kurz SIRT, behandelt. „Gedacht ist SIRT für Patienten, bei denen der Lebertumor nicht operativ entfernt werden kann“, erklärt Prof. Dollinger. Dabei kann es sich sowohl um primären Leberkrebs als auch um Metastasen handeln. „Das ist ein medizinischer Quantensprung für Landshut“, so Geschäftsführer Dr. Philipp Ostwald. Die selektive interne Radiotherapie ist nur an hepatologischen Zentren an Universitätskliniken angesiedelt.

Das Ziel der Therapie: den Lebertumor möglichst stark zu verkleinern. „Wir wollen die Lebensqualität unserer Patienten steigern und ihre Lebenserwartung verlängern“, so Prof. Dollinger. Das Verfahren bringt ähnlich gute Ergebnisse wie eine Chemotherapie, kommt aber ohne deren Nebenwirkungen aus und ist damit schonender, so Dollinger. „Im Idealfall wird die Chemotherapie unnötig oder wir können sie verzögern.“

Bei dem Verfahren werden Millionen radioaktive Kügelchen direkt in den Lebertumor eingebracht. Der Eingriff dauert etwa 90 Minuten unter lokaler Betäubung – sechs Experten des Klinikums betreuen den Patienten, u.a. ein Radiologe, ein Nuklearmediziner und ein Gastroenterologe. Durch eine kleine Punktion wird ein Katheter durch die Arterie zur Leber geführt – durch diesen kleinen, biegsamen Schlauch fließen die radioaktiven Kugeln in den Tumor. Die Mikrosphären sind klein genug, um durch die Leberarterien zu gelangen, aber zu groß für die Blutgefäße im Tumor, wo sie hängen bleiben. Ihre Wirkung entfalten die Substanzen ausschließlich in der Leber, wo sie die bösartigen Zellen gezielt bestrahlen und schließlich verkleinern. Verschiedene klinische Studien haben gezeigt, dass die selektive interne Radiotherapie Lebertumore stark verkleinern kann. Einige Tumoren schrumpfen so weit, dass sie schließlich operativ entfernt werden können.

Vor der Strahlung müssen die Patienten keine Angst haben: Die radioaktiven Mikrosphären haben eine sehr geringe Reichweite von wenigen Millimetern. „Das gesunde Gewebe wird so wenig wie möglich belastet“, erklärt Dr. Bernhard Scher, Chefarzt der Nuklearmedizin am Klinikum. Im Normalfall werden die Patienten ein bis zwei Tage nach dem Eingriff nach Hause entlassen. Das Behandlungsteam überwacht die Fortschritte. Erforderlich für das neue Therapieangebot SIRT war auch eine neue Angiographie-Anlage, die auf dem neuesten technischen Stand ist.

Etwa ein bis zwei Wochen bevor die eigentliche Behandlung beginnt, muss der Patient einige Voruntersuchungen durchlaufen. Ein sog. Mapping bereitet die Leber auf die radioaktiven Mikrokugeln vor. Mittels Angiographie verödet ein Radiologe die Gefäße im Organ, damit die Mikrosphären ihren Dienst nur im kranken Gewebe tun und nicht außerhalb der Leber gelangen. „In dieser Testphase bekommt der Patient außerdem erste Kügelchen verabreicht“, so Prof. Dollinger. Erst dann steht fest, ob der Patient mit SIRT behandelt werden kann. Außerdem sollte die Leber ausschließlich oder hauptsächlich erkrankt sein. Gleichzeitig muss das Organ einigermaßen gesund sein und zufriedenstellend arbeiten.

Keine Angst vor der Strahlung müssen die Patienten laut Dr. Bernhard Scher, Chefarzt der Nuklearmedizin und Prof. Dr. Dr. Matthias Dollinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, haben.

Drei Fachabteilungen sind an dem rund 90-minütigen Eingriff beteiligt, hier mit (v.l.) Oberarzt Dr. Robert Matzberger (Gastroenterologie), Leitendem Oberarzt Markus Büchner (Nuklearmedizin), Oberarzt Dr. Dominik Quaiser (Radiologie) und Leitendem Oberarzt Dr. Gerhard Oberst (Radiologie).

Wenn Sie diese Empfehlungen berücksichtigen, können Sie sicher sein, dass Sie die Vorteile der mobilen Kommunikation nutzen können, ohne in 20-25 Jahren an den Folgen zu leiden!

  1. Wählen Sie ein Handy mit niedrigem SAR-Wert und Connect-Strahlungsfaktor (Suche unter www.bfs.de oder beim jeweiligen Hersteller).
  2. Verwenden Sie beim Telefonieren die Lautsprecherfunktion – kein Headset bzw. Bluetooth.
  3. Nutzen Sie das Festnetz wo immer es möglich ist und verlegen Sie lange (> 5min) Gespräche auf einen Ort mit Festnetz.
  4. Verwahren Sie Ihr Handy in einer Handtasche. Tragen Sie es nicht in der Brust-oder Hosentasche. Schon gar nicht, wenn Sie in Bewegung sind (z. B. Fahrt mit Verkehrsmitteln, etc.).
  5. Verwenden Sie ihr Handy nicht im Auto, es sei denn, Sie besitzen ein Gerät, das mit einer Außenantenne verbunden ist. Sie sind sonst Mehrfachreflexionen ausgesetzt.
    Halten Sie während des Verbindungsaufbaus das Handy nicht am Kopf und halten Sie auch während des Telefonats einen kleinen Abstand zu Ohr.
  6. Telefonieren Sie nur bei gutem Empfang (also z. B. nicht in Tiefgaragen oder im Aufzug). Suchen Sie sich bei schwachem Signal einen besseren Platz oder gehen Sie zu einem Fenster oder ins Freie.
  7. Schreiben Sie wo immer es geht eine Textnachricht, anstatt zu telefonieren.
  8. In öffentlichen Verkehrsmitteln besser gar nicht telefonieren (auch aus Rücksicht auf die anderen Fahrgäste).
  9. Wenn Sie viel und lange telefoniert haben, legen Sie eine ca. zweistündige Pause ein.
  10. Kinder sind aufgrund ihrer Anatomie den Strahlen wesentlich stärker ausgesetzt als Erwachsene. Kinder sollten eher SMS senden als telefonieren und beim Spielen auf den Flugmodus wechseln.
  11. Bedenken Sie, dass ihr Handy auch im ausgeschalteten Zustand senden kann. Hintergrunddienste (Apps) linken sich dauernd ins Netz ein um Updates zu laden. Wenn Sie ihr Handy funktechnisch ausschalten wollen, schalten Sie den Flugmodus ein.
  12. Reduzieren Sie die Anzahl der Apps und deaktivieren Sie Hintergrunddienste. Das Deaktivieren von „Mobile Dienste“/„Datennetzmodus“ macht aus dem Smartphone wieder ein Handy. Sie sind weiterhin erreichbar, vermeiden aber viel unnötige Strahlung durch Hintergrund-Datenverkehr.
  13. Schnurlostelefone „strahlen“ ähnlich wie Handys – für sie gelten dieselben Empfehlungen.

Dr. Claus Scheingraber
Arbeitskreis Physikalische Umweltbelastungen

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Kontaminierte Lebensmittel und neue Forschungsergebnisse 27 Jahre nach Tschernobyl

 

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW erinnert daran, dass 27 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl Lebensmittel noch immer mit radioaktivem Cäsium kontaminiert sind. Ausgerechnet in Japan wurden vor kurzem in deutscher Heidelbeermarmelade rund 22 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm (Bq/kg) gefunden, wie der Informationsdienst „Strahlentelex“ berichtet. Da das kurzlebigere Cäsium-134 nicht enthalten war, ist davon auszugehen, dass es sich in der deutschen Marmelade um Cäsium-137 aus Tschernobyl handelt. Dieses ist mit seiner physikalischen Halbwertszeit von 30 Jahren noch nicht einmal zur Hälfte abgebaut. „In Japan kann die Situation auftreten, dass sich auf dem selben Frühstücksteller Nahrungsmittel befinden, die durch Tschernobyl und durch Fukushima kontaminiert wurden“, so IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. Alex Rosen. „Die geltenden Grenzwerte nehmen erhöhte Krebsraten billigend in Kauf. Das Ziehen von ‚sicheren Grenzwerten‘ an sich ist irreführend: Verstrahlung stellt stets ein zusätzliches relatives Gesundheitsrisiko dar.“

In einer Reaktion vom 12. April bestätigte der Hersteller, dass Marmelade auf den Markt gebracht wurde, die radioaktiv kontaminiert war. Man halte jedoch den EU-Grenzwert ein und habe sich hausintern einen niedrigeren Wert zum Ziel gesetzt.

Dass es sich um keinen Einzelfall handelt, zeigen Messergebnisse des japanischen Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2012, wonach in österreichischen und französischen Heidelbeermarmeladen Belastungen zwischen 140 und 220 Bq/kg Radiocäsium gefunden wurden. Ebenso sind auch Waldpilze und Wildschweine in Süddeutschland wie auch in anderen Regionen Europas teilweise noch immer mit weit mehr als 600 Bq/kg kontaminiert.

Die erschreckenden gesundheitlichen Folgen von Tschernobyl werden in der westlichen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Laut IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. Dörte Siedentopf berichten Tschernobyl-Initiativen zunehmend von „sudden deaths“, die mutmaßlich auf Gefäßveränderungen durch kontaminierte Nahrungsmittel zurückzuführen seien. Tatsächlich bestätigen auch neuere wissenschaftliche Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen Strahlenbelastung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein internationales Forscherteam um Mark Little kam in einer Studie zum vorläufigen Ergebnis, dass die strahlenbedingte Mortalität (Sterberate) auf Grund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa genauso hoch sei wie diejenige durch strahlenbedingten Krebs.

Amtliche Statistiken bieten leider ein nur unscharfes Bild. Dr. Siedentopf weist darauf hin, dass es in der Tschernobyl-Region vermieden wird, Krebs als Todesursache anzugeben. Dennoch zeigen beispielsweise auch die Fallzahlen für Leukämien des „Belarusian Republican Registry of Hemoblastoses“ die Folgen von Tschernobyl. Eine aktuelle Untersuchung von IPPNW-Beiratsmitglied Dr. Alfred Körblein ergab, dass in Weißrussland die Leukämierate bei Kindern im Jahr 1987, ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe, um 33 Prozent angestiegen ist. Einen zweiten Anstieg gab es im Zeitraum 1990 bis 1992. Bei Kindern unter einem Jahr lag die Erhöhung 1987 sogar bei 152 Prozent.

„Atomunfälle wie Tschernobyl und Fukushima verursachen einen schleichenden Tod, der in der öffentlichen Wahrnehmung ignoriert und von den Regierungen sogar abgetan werden kann, weil sich die strahlenbedingten Erkrankungen und das vorzeitige Sterben über Jahre und Jahrzehnte hinziehen“, so Siedentopf. „Wer wie ich seit mehr als 20 Jahre die Tschernobyl-Region regelmäßig besucht, sieht vor Ort, dass es praktisch keine Familie gibt, die nicht durch Krankheit oder Tod betroffen wäre: Tumoren in allen Organen bei Kindern und Erwachsenen, frühkindlicher Diabetes, Linsentrübungen, Karies, Krankheiten durch Gefäßveränderungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle im mittleren Lebensalter, Immunschwäche und vieles mehr.

Es darf nicht zu einer weiteren Atomkatastrophe kommen! Deswegen müssen in Deutschland wie auch in unseren europäischen Nachbarstaaten, in Nordamerika und in Asien die noch betriebenen Atomkraftwerke umgehend stillgelegt werden“, fordert Siedentopf.

 

Weitere Informationen: www.ippnw.de/atomenergie/atom-gesundheit/tschernobyl-folgen.html

Kontakt: Angelika Wilmen (Presse), Tel. 030-69 80 74-15. Henrik Paulitz (Atomexperte), Tel. 0171-53 888 22

Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw@ippnw.de

 

Rheinische Post:

26.02.2013 http://www.rp-online.de/panorama/ausland/dekontaminierungs-drama-in-fukushima-1.3222215
Zwei Jahre nach der Katastrophe Dekontaminierungs-Drama in Fukushima

Fukushima (RPO). Zwei Jahre nach dem GAU in Fukushima nach dem schweren Erdbeben und Tsunami vom 11. März 2011 versucht Japan das eigentlich Unmögliche: In einem beispiellosen Kraftakt soll die Verstrahlung von riesigen unbewohnbar gewordenen Gebieten zumindest gesenkt werden.

Zwischen schneebedeckten Reisfeldern, Wiesen und Wäldern türmen sich Berge aus großen schwarzen Plastiksäcken auf. Mit weißen Masken vermummte Japaner in Bauarbeiterkluft stehen um einen Bagger, der weitere Säcke von einem Laster lädt. Auf die Säcke sind Mikrosievert-Zahlen gekritzelt – der Inhalt: radioaktiver Abfall.

Vom Staat beauftragte Unternehmen lassen Arbeiterkolonnen Gras und Äste an Berghängen von Hand abschneiden. Mit kleinen Baggern und Schaufeln werden an manchen Stellen bis zu fünf Zentimeter Erde abgetragen, Dächer mit Papier abgewischt. Da in Ermangelung eines Zwischenlagers niemand weiß, wohin damit, landet das Ganze in Säcken. Manche werden vergraben, auch auf Schulhöfen. “Die Säcke halten drei Jahre”, erzählt einer der Arbeiter der Nachrichtenagentur dpa. So wie hier in einem wie ausgestorben wirkenden Bezirk innerhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone um das Atomkraftwerk Fukushima ist die gesamte umliegende Region übersät mit Atommüllhalden.

Szenenwechsel: Mitarbeiter von Greenpeace Deutschland nähern sich in der Provinz-Hauptstadt Fukushima einem verschneiten Spielplatz. Passanten schauen kurz her und gehen dann stumm vorüber. Plötzlich schlägt das Strahlenmessgerät vor einer Rutsche auf über zehn Mikrosievert [pro Stunde] aus. “In Deutschland mit einem Grenzwert von einem Millisievert im Jahr zusätzlicher Strahlung wäre der schon nach etwa vier Tagen erreicht”, sagt Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. “Dass es nach zwei Jahren immer noch solche hochgradig kontaminierten Stellen auf Spielplätzen gibt, ist unerträglich.” Kurz darauf misst er auf einem Parkplatz neben dem Bahnhof gar 40 Mikrosievert.

“Hier wird Normalität vorgespielt”

“Ich finde das unheimlich”, erzählt Hiremi Nakagawa (58) aus Tokio, der gerade vorbeikommt. “Aber die Menschen hier in Fukushima scheinen sich damit abgefunden zu haben. Es trägt auch keiner eine Maske.” Für zwei Jahre unterstützt er die Dekontaminierungsarbeiter im Ort Minamisoma als Koch. “Hier wird den Menschen Normalität vorgespielt”, beklagt Smital. Dass der Staat in unbewohnten Gebieten einen derart großen und fragwürdigen Aufwand betreibt, es zugleich aber in der Stadt Fukushima noch immer hoch verstrahlte Stellen gibt, ist für ihn unverständlich. Der Parkplatz befindet sich nur wenige Meter vom Dekontaminierungsbüro des Umweltministeriums entfernt.

Für solche Gebiete seien die jeweiligen örtlichen Regierungen zuständig, weist der verantwortliche Beamte Shota Kato im Ministerium in Tokio die Schuld von sich. “Wir als Staat übernehmen die höher verstrahlten Gebiete, weil die Dekontaminierung solcher Gebiete aufwändiger ist.” Zugleich räumt er ein, dass man sich über den Erfolg der Maßnahmen selbst nicht sicher ist. “Das müssen wir alles sehen.” Greenpeace-Experte Smital sagt: Eine Dekontaminierung ganzer Landstriche sei gar nicht möglich.

Die regionalen Behörden hätten Anweisung, gerade Stellen, wo sich viele Kinder aufhalten, mit Vorrang zu dekontaminieren, fährt Kato vom Umweltministerium fort. “Und es wird auch meistens so gemacht.” Die Versuche, der unsichtbaren Gefahr mit Händen und Schaufeln beizukommen, wirken aber eher hilflos – auch auf viele Anwohner.

“Die handhaben das, als wären es normale öffentliche Bauarbeiten. Die wollen einfach nur schnell fertig werden”, kritisiert Yoshihiko Kanno. Der Familienvater aus Fukushima kämpft seit dem GAU für den Schutz der Kinder in seinem Stadtteil Watari. Weil die Stadtverwaltung auf dem Schulhof die Erdoberfläche anfangs abkratzen und die kontaminierte Erde an gleicher Stelle tiefer vergraben wollte, gründete Kanno aus Protest zusammen mit vier Müttern die Bürgerinitiative “Schützt die Kinder von Watari”. Seine Forderung, Watari als Evakuierungszone anzuerkennen, blieb aber erfolglos.

Dass der Staat sich bevorzugt um die Dekontaminierung der evakuierten Gebiete kümmert, damit die Menschen möglichst schnell wieder in ihre Häuser zurückkehren, werten Kritiker als Versuch, die gigantischen Kompensationszahlungen einzugrenzen. “Die Regierung versucht, Geld zu sparen, indem sie die Menschen zwingt, in eine Gegend zurückzukehren, die noch verstrahlt ist”, kritisiert Greenpeace-Experte Smital. Andere sehen darin das Bestreben des neuen rechtskonservativen Premiers Shinzo Abe, die Auswirkungen des Atomunfalls herunterzuspielen – das soll den Widerstand im Volk gegen ein Wiederanfahren der Atomreaktoren in Japan aufweichen.

 

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18.11.12 www.heute.de/ZDF/zdfportal/web/heute-Nachrichten/4672/25318058/2049dd/Fukushima-Strahlensch%C3%A4den-bei-Kindern.html

Fukushima: Strahlenschäden bei Kindern

Schilddrüsenerkrankungen sprunghaft angestiegen

Anderthalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima belegt eine Studie: Bei Kindern stieg die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen sprunghaft an. Doch offiziell mag keiner der Experten einen Zusammenhang mit der Strahlung herstellen. Viele Japaner glauben, die Regierung spiele die Folgen der Katastrophe herunter, berichtet ZDF-Korrespondent Johannes Hano.  Video Fukushima: Dramatische Folgen für Kinder (18.11.2012)

Unser japanischer Gast, Herr Kobayashi, hat uns letzte Woche erzählt, wie korrumpierte Ärzte in Japan zu „Strahlenexperten“ gemacht werden. Auch hat Herr Kobayashi aus Tokio uns in der vergangenen Woche in Ulm und in Augsburg bewegend dargestellt, wie in Japan ein unheilvolles Dreierbündnis aus regierenden Beamten, abhängigen Politikern und Konzernen weiter den Atomkurs steuert. Und wie schlimm es ist, dass die Medien fast ausschließlich im Sinne dieses Dreieratombündnisses im Fernsehen und in den Zeitungen berichten.

Bei uns ist es besser. Zwar schürt die Augsburger Allgemeine mit ihren Lokalausgaben weiter über eine verlogene Strompreisdiskussion das Unbehagen an der Energiewende und läßt Kritik an der Atomenergie nur selten ins Blatt – aber es gibt auch andere Medien. Früher war die Augsburger Allgemeine mit ihrer Monopolstellung stark. Jetzt schrumpft ihre Macht von Jahr zu Jahr. Andere Medien und das Internet machen dies möglich. Natürlich kam niemand von der AZ zu den Veranstaltungen mit Herrn Kobayashi. Deswegen nachstehend ein Bericht aus Hessen und einer aus der Schweiz:

12.11.12  www.fr-online.de/kreis-offenbach/fukushima–was-seid-ihr-fuer-verbrecher-,1473032,20851872.html

 


Kreis Offenbach

Fukushima “Was seid ihr für Verbrecher”

Von Juliane Mroz


Ein Polizist erteilt Fukushima-Demonstranten in Tokio Anweisungen.  Foto: dpa

Japaner sind immer freundlich und zurückhaltend. Kazuhiko Kobayashi ist das nicht. Er ist Atomkraftgegner. In Langen informiert er über die Lage in Fukushima anderthalb Jahre nach dem Reaktorunfall und sammelt Spenden für ein Krankenhaus.

Der Stadtverordnetensitzungssaal im Langener Rathaus war am Freitagabend voll besetzt. Anlass war der Besuch des japanischen Atomkraftgegners und Buchautors Kazuhiko Kobayashi bei der Initiative Langen gegen Atomkraft. Er berichtete über die Lage in Japan mehr als eineinhalb Jahre nach dem Reaktorunfall in Fukushima.

Hohe Strahlung

Das Erdbeben am 11. März 2011 löste die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima aus.

Die Kraftwerksruine ist bis heute nicht unter Kontrolle. Hohe Strahlung erschwert die Arbeit.

Atomkraftkritiker befürchten einen Supergau im Falle eines weiteren schweren Erdbebens.

Von 4000 Kindern in der Region haben 40 Prozent Symptome einer Schilddrüsenerkrankung.

„Jeder kleine Junge, jedes kleine Mädchen in Japan weiß, dass dort jederzeit ein großes Erdbeben kommen kann“, sagt Kobayashi. „Ich war sehr wütend, als die Verantwortlichen von Tepco sagten, die Explosion sei durch die Naturgewalt gekommen, die weit über unsere Vorstellung hinausgegangen sei.“

Immer mehr Wut

Mehr und mehr Japaner scheinen diese Wut zu teilen und verleihen ihr inzwischen auch Ausdruck. Seit Juni 2012 versammeln sich jeden Freitagabend Tausende Menschen am Haus des Premierministers in Tokyo, im Stadtpark Yoyogi-Kōen demonstrierten Mitte Juli rund 170.000 Menschen, 200.000 nahmen Ende Juli an einer Kerzen-Demonstration teil.

„Doch viele ahnungslose Bürger glauben noch, was die Behörden sagen. Sie wollen nicht kritisch hinterfragen.“ Zum einen gelte Gehorsam in der japanischen Kultur als Tugend, was ebenso historisch bedingt sei wie die Tatsache, dass die Regierung felsenfest hinter den Konzernen stehe. Des Weiteren habe Japan wenig Chancen gehabt, wissenschaftlichen Nutzen aus den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki zu ziehen. „Die Amerikaner forschten an den Strahlenopfern, japanischen Wissenschaftlern war das nicht erlaubt.“

Propaganda gegen Allergie

Später habe die Regierung versucht, die „Allergie“ der Japaner gegen Atomenergie mit Propaganda für angeblich sichere und saubere Atomkraftwerke zu bekämpfen. „In japanischen Physikbüchern steht nichts über die Gefahren der Atomenergie.“ Eine Folge dieser Politik sei auch, dass es in Japan kaum Spezialisten gebe, die sich mit Strahlenschäden auskennen. Das bestätigt auch die Dietzenbacher Ärztin Dörte Siedentopf, die den Abend moderierte und die im Sommer 2012 die Region Fukushima besucht hat. „Die Ärzte in Japan haben keine Ahnung, die Gefahr wird vertuscht, Menschen erfahren ihre Befunde nicht.“ Aus diesem Grund sei es auch sinnvoll, Geld für ein von der Regierung unabhängiges Krankenhaus in der Präfektur Fukushima zu sammeln – eines der Ziele von Kobayashis Europatour – und zwar, obwohl Japan ein so hoch entwickeltes und wohlhabendes Land sei.

Die Spenden, die er auf seiner Reise durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz sammelt, will Kobayashi nutzen, um die Verantwortlichen in Fukushima an ihrer Ehre zu packen. „Ich werde sagen, europäische Bürger zeigen sich solidarisch und haben gespendet, und was habt ihr bisher für die Betroffenen getan? Nichts. Was seid ihr für Verbrecher!“

12.11.12  Winterthur www.landbote.ch/detail/article/warnende-worte-aus-fukushima/gnews/99213611/

 

 

Warnende Worte aus Fukushima

Ein japanischer Atomkritiker ist zurzeit auf Vortragsreise durch Europa. Gestern machte er im Weinland Station.

Kazuhiko Kobayashi liess kaum ein gutes Haar an seiner Regierung, als er gestern in der Benkemer «Sonne» über die Folgen von Fukushima referierte. Gekommen war er auf Einladung von fünf atomkritischen Vereinen aus der Region, allesamt Gegner des geplanten Atommüll-Endlagers (siehe auch Hauptartikel oben).

Benken ist eine von 25 Stationen auf der Vortragsreise des japanischen Journalisten und Atomstromgegners durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Nach dem Unglück in Fukushima habe ihn der Entscheid Deutschlands, aus der Atomener­gie­­ auszusteigen, motiviert, in diesem Land die Leute stärker zu mobilisieren und damit indirekt auch Druck auf die japanische Regierung auszuüben, erläuterte der Redner seine Motivation in perfektem Hochdeutsch. Kobayashi hatte nach seinem Germanistikstudium fast dreissig Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet. «Nur fürs Geld zu arbeiten, hat mich jedoch nie glücklich gemacht», sagt er. Er habe sich schon immer auf eine Art engagieren wollen, die ihm seelisches Wohlbefinden bringe.

Im Frühling 2011, als sich das verheerende Erdbeben ereignete, befand sich Kobayashi im Arbeitszimmer seiner Wohnung in Tokio. «Als ich die Erde beben spürte, rannte ich ins Wohnzimmer und versuchte, meine Mutter zu schützen. Ich dachte, ich überlebe das nicht», berichtet er mit Tränen in den Augen. Er habe den Fernseher eingeschaltet und gesehen, wie die Explosion im Kernkraftwerk von den Verantwortlichen mit dem Erdbeben erklärt wurde. «Ich war wütend und gleichzeitig wie gelähmt.»

Referat als Bestätigung

In Japan wisse ein Grossteil der Bevölkerung noch immer nicht, wie gefährlich die Auswirkungen des Unglücks in Fukushima seien. Den Grund dafür sieht er in drei Faktoren, welche die japanische Gesellschaft stark prägten. Zum einen herrsche die Idee vor, dass ein Land nur regiert werden könne, wenn das Volk gehorsam sei. Zweitens beeinflusse die amerikanische Politik die Forschung der japanischen Ärzte; so ist die Forschung an Japanern aus verseuchten Gebieten in Hiroshima nach wie vor nur amerikanischen Ärzten erlaubt. Der dritte Faktor sei ein Bündnis zwischen Beamten und Konzernen. Dieses kontrolliere die den Japanern zugängliche Information und mache sie unter anderem glauben, dass die Kontamination ausserhalb eines Perimeters von 20 Kilometern rund um Fukushima nicht mehr gefährlich sei. «Das ist Quatsch!»

Mut macht dem Japaner, dass sich wöchentlich bis zu 200 000 Atomkraftgegner in Tokio zu friedlichen Demonstrationen versammeln. Zudem sammelt er mit seinen Vorträgen Spenden, die ein unabhängiges Ärztebündnis unterstützen sollen. Dieses plant eine Klinik für Kinder, die an den Folgen des Fukushima-Unglücks erkrankt sind. Für die Endlagergegner im Weinland war das Referat eine Bestätigung, an ihrem Widerstand festzuhalten.

Deborah Stoffel

 

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AKW-Brokdorf: Deutschlands “Fukushima” jederzeit möglich

Kernkraftwerk_Borkdorf 

Wer in unserem Land nach der schnellen Kehrtwende von großer Überzeugung für Atomkraftwerke bis hin zum Atomausstieg meint, daß die ständig anhaltenden Gefahren damit gebannt seien, der wird eines Besseren belehrt werden müssen. Nicht nur, daß ohnehin alte noch am Netz befindliche AKWs tickende Strahlenbomben darstellen, im hohen Norden, im ca. 55 km nordwestlich von Hamburg gelegenen Brokdorf lauert die atomare Gefahr eines Super-GAUs, kann vielmehr Deutschlands “Fukushima” jederzeit möglich sein.

Doch davon wollen die Verantwortlichen nichts wissen, die E.ON-Kernkraft Gmbhsetzt dem lieber vollmundig entgegen, daß seit über 25 Jahren das AKW-Brokdorf eine Nettoleistung von 1.370 Megawatt betreibt und ca. 10,5 Milliarden kWh Strom in die Versorgungsnetze speist. Beeindruckendes Zahlenbeispiel mit dem winzig dramatischen Schönheitsfehler eines Restrisikos für die Bevölkerung, was angesichts der hohen Profite nonchalant in Kauf genommen wird.

 

Brokdorfs AKW von Beginn an ein Dorn im Auge wachsamer Bürger

Dabei hatte sich von Anfang an eine breite Öffentlichkeit gegen die Pläne zum Bau dieses Druckwasserreaktors gebildet, bei dem sowohl Urandioxid-Brennelemente als auch Mischoxid-Brennelemente eingesetzt werden. Nach anfänglich erster Demonstration im Jahre 1976 folgte zunächst ein per Gerichtsbeschluß verhängter Baustop. Gerüchte einer möglichen Aufhebung führten am 28. Februar 1981 in der Wilstermarsch zur bis dahin größten AKW-Demo in der BRD, wobei etwa 100.000 Menschen teilnahmen, denen die Staatsmacht 10.000 Polizisten gegenüberstellte. Obwohl das Bundesverfassungsgericht im Nachhinein das Demonstrationsverbot im Brokdorf-Beschluß als verfassungswidrig erklärte, wurden die Bauarbeiten letztlich fortgesetzt, die Atomlobby hatte gewonnen. Auch der Rücktritt des damaligen Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose, der sich der Übermacht in weiten Teilen der AKW-Befürworter innerhalb der SPD gegenüber sah, änderte nichts daran. Selbst der Tschernobyl-Super-GAU konnte das Brokdorf-Bauvorhaben zusammen mit weiteren Groß-Demos nicht stoppen, es ging schließlich am 08. Oktober desselben Jahres ans Netz.

 

Der Hamburger Kessel führte zum Berufsverband “Die Kritischen”

Wir kennen Sie alle noch, die dramatischen Bilder und Berichte von Großdemonstrationen, die zur APO-Zeit ihren Beginn hatten, weil eben die mündigen Bürger es Leid waren, ständig völlig unkritisch alle Handlungsweisen abzunicken und wie dümmliche Schafe deren Folgen hinzunehmen. Und da Polizisten auch Menschen sind, selbst wenn bestimmte Kräfte meinen, sie allesamt verteufeln zu müssen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn direkt nach dem “Hamburger Kessel” betroffene Polizisten den verfassungswidrigen Einsatz selber hinterfragten und zu dem Ergebnis gelangten, sich zusammenzuschließen. Ein gutes halbes Jahr später wurde am 18. Januar 1987 die BAG, “Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten (Hamburger Signal) e.V.” gegründet, wobei es bezeichnenderweise nie zu  einer Zusammenarbeit  mit der Polizeigewerkschaft kam. Sie setzt sich heute z.B. für eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten ein.

 

Ein Klima der Verunsicherung führt zu weiteren Spannungen

Anstatt die historische Chance wahrzunehmen, die der AKW-Ausstieg mit sich bringen kann, wird einfach an den alten, uneinsichtigen AKW-Denkmustern störrisch festgehalten. Nahezu vierzig Jahre heftiger Protest der Bevölkerung konnte keinerlei Einsicht bei den Befürwortern und Machern der AKW-Technik initiieren, ganz im Gegenteil, die Dekadenz der Energieversorger scheint keine Grenzen zu kennen. Da diese weiterhin an der Lüge von technisch dichten und somit als unbedenklich einzustufenden Castor-Behältern festhalten, obwohl längst eine Neutronenstrahlung von 4,5 Mikrosievert pro Stunde sogar aus einer Entfernung von 14 Metern, also nicht in unmittelbarer Nähe der Behälter nachgewiesen wurde, rollen sie immer wieder weiter  durchs Land, als ob nichts wäre!

Und die Gefahr eines deutschen Fukushima belastet all diejenigen im Umfeld von Brokdorf bis hinein nach Hamburg, doch die Bundesregierung hat kein Problem damit, dieses  AKW bis 2021 am Netz zu lassen. Während am 20. August im Hamburger „Abaton“ der Film “Das Ding am Deich” Premiere feierte und nunmehr in deutschen Kinos zu sehen sein wird, stehen bereits Aktionen gegen das AKW-Brokdorf und seine Alltagsgefahr fest, die dann vom 05. bis 11. November dieses Jahres in Deutschlands Norden an vielen Orten stattfinden.

Hat die Politik nichts dazu gelernt trotz aller Proteste, Warnzeichen und eindeutigen, weltweiten Störfällen? Müssen noch mehr Super-GAUs den Globus nachhaltig belasten, bis auch der Letzte begreift, wie gefährlich die Kernenergie die gesamte Umwelt in Mitleidenschaft zieht?

Ihr

Lotar Martin Kamm

Bildquelle:

http://de.wikipedia.org

Urheber:

derivative work: Neokortex (talk)

Kernkraftwerk_Borkdorf.JPG: Alois Staudacher