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Mirage

Wo Al Capone auch gerne gewesen wäre

Landshut – das wissen alle- ist eine Hauptstadt des Verbrechens. Dies bewahrheitete sich erneut beim Sportlerball des ETSV 09 am Samstag. Üble Gestalten – wohl mehrheitlich die Handballer- kamen in Sträflingskleidung direkt aus Alcatraz, manche sogar noch an ihre Bleikugel gekettet, welche sie eigentlich an der Flucht hätte hindern sollen. Und wer tummelte sich da noch auf der Tanzfläche – die Leichtathleten getarnt als Minions. Die gelben Einäuger sind bekannter Maßen Helfer von Bösewichtern. Und hinten versteckt, in der Bar, was wurde dort ausgeschenkt? Alkohol z.B. in Form von Vodka-Cola!

Die feine Gesellschaft vergnügt sich zu den Klängen der Band „Mirage“. Ob Pop, Rock, Disco oder Walzer – sie hatte wirklich für jeden etwas dabei. Tanzbegeisterte kamen voll auf ihre Kosten: Standardtänze und später auch individuelles Disco-Vergnügen. Fetzige Einlagen lieferten die „Pink-Panther“ von der Boogie-Woogie-Abteilung des Vereins. Glamour verbreiteten die phantasievollen Kostüme der Besucher, darunter bizarre Eisprinzessinnen mit einem Sternengeflecht über den Köpfen. Ganz im Stil der Chicagoer Verbrecherwelt spazierte so manche Dame mit Bubikopf, Zigarettenspitze und knielangem Kleid im Charleston-Schritt. Und mitten drinnen thronte der Pate: Lucky Luciano alias Karl Seidl mit Stetson auf dem Kopf und dunkler Sonnenbrille. Klar, dass viele der Damen mit dem König der Unterwelt ein Selfie machen wollten.

Abgesehen von der hohen Kriminalitätsrate war der Sportlerball des ETSV 09 eine wunderbare Gelegenheit, sich zu treffen, zu ratschen, zu lachen und zu tanzen. Man lässt das Vereinsjahr Revue passieren und schmiedet Pläne für die Zukunft. Und das alles bei bester Bewirtung. Was will das Ganoven-Herz mehr?

Am 30. März 1988 stürzte ein Mirage der französischen Luftstreitkräfte weniger als eine Flugsekunde neben den beiden Atomkraftwerken Isar 1 und Isar 2 nahe Reichersdorf in ein Waldstück. Der damals erst 26-jährige Pilot Thierry Millet kam dabei ums Leben. Am 22. September 2013 wurde der Besuch französischer Soldaten bei befreundeten deutschen Reservisten zum Anlaß genommen, zunächst in der Kirche von Niederaichbach, dann am Marterl am Waldrand und später auch an der Absturzstelle selbst dem Geschehen würdig zu gedenken. Der Umstand, dass der Pilot nicht mit dem Schleudersitz ausgestiegen ist, lässt vermuten, dass er das Kampfflugzeug in der letzten Sekunde seines Lebens von den Atomreaktoren weggesteuert hat und damit eine Katastrophe nicht nur für Niederaichbach und Reichersdorf, sondern für unsere Heimat Niederbayern verhindert hat. Diese Version wurde von allen Rednern als die wahrscheinlichste dargestellt. Es lässt sich nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn der Absturz Isar 1 getroffen hätte.

Da die mittlerweile drei atomtechnischen Anlagen (Isar 1, Isar 2 und das Zwischenlager BELLA) im An- und Abbflugbereich des Großflughafens Franz-Josef-Strauß und nach wie vor unmittelbar neben einer NATO-Tiefflugzone liegen, ist die Gefahr immer noch alltäglich gegeben.

Das gute Verhältnis zwischen den französischen Soldaten und den deutschen Reservisten zeigt in erfreulicher Weise, dass sogar “Erbfeinde”, wie sich Frankreich und Deutschland noch vor weniger als 100 Jahren gegenseitig bezeichneten, eines Tages befreunden können, die Greuel der Weltkriege in guter Absicht wach halten und gemeinsam für eine friedliche Zukunft eintreten.

Mögen die Verantwortlichen aus dem Absturz endlich auch ihre Lehren ziehen!

Rudolf Schnur