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Luftverschmutzung

Bildunterzeile: Feinstaub aus Industrie, Straßen- und Flugverkehr sowie Landwirtschaft belastet die Luft und führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Bildquelle: Peter Pulkowski (Universitätsmedizin Mainz)

21.08.2018 15:57

Die Luftverschmutzung, und hier in erster Linie Feinstaub, ist für jährlich mehr als vier Millionen Todesfälle verantwortlich. Die meisten Todesfälle mit knapp 60 Prozent entstehen hierbei als Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wissenschaftler um Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, analysierten zusammen mit Kollegen aus UK und USA die für Gefäßschäden durch Luftverschmutzung verantwortlichen Mechanismen. Die Ergebnisse sind erschienen in einem Übersichtsartikel in der neuesten Ausgabe der weltweit anerkanntesten kardiologischen Zeitschrift, dem European Heart Journal: https://bit.ly/2OICxkN

Der große Prozentsatz an Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat eine internationale Expertengruppe aus Deutschland, England und den USA veranlasst, die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gefäßfunktion in einem Übersichtsartikel zu analysieren. Zentrale Forschungsfragen waren hierbei, welche Bestandteile der Luftverschmutzung (Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid) besonders schädlich für das Herz-Kreislauf-System sind und über welche Mechanismen die Gefäße geschädigt werden.
„Dieser Bericht in der neuesten Ausgabe des European Heart Journal ist ein weiterer wichtiger Beitrag unserer Arbeitsgruppe Umwelt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zusammenfassend kann man feststellen, dass – in Bezug auf die gefäßschädigende Wirkung der Luftverschmutzung – der Feinstaub eine herausragende Rolle spielt“, kommentiert Professor Münzel. „Besonders der Ultrafeinstaub macht uns hierbei große Sorgen. Dieser hat die Größe eines Virus. Wenn der Ultrafeinstaub inhaliert wird, dann geht er über die Lunge sofort ins Blut, wird von den Gefäßen aufgenommen und bewirkt lokal eine Entzündung. Das bedingt letztlich mehr Atherosklerose (Gefäßverkalkung) und führt somit zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Herzinfarkt, akuter Herzinfarkt, Herzschwäche oder auch Herzrhythmusstörungen. Interessant ist sicher auch die Tatsache, dass in Bezug auf die viel diskutierten Dieselabgase in erster Linie der Feinstaub und nicht das Stickstoffdioxid (NO2), die beide bei der Verbrennung von Dieselbrennstoff entstehen, negative Auswirkungen auf die Gefäßfunktion hat“, so Münzel weiter.
Weitere Teilnehmer der Expertengruppe sind der weltweit anerkannte Feinstaubforscher Sanjay Rajagopalan von der Cleveland Clinic, der Gefäßforscher und Kardiologie John Deanfield von dem Institut für Cardiovascular Science in London, Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber, Leiter der Molekularen Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Prof. Dr. Jost Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) aus Mainz.
Professor Lelieveld kommentiert: „Die Ultrafeinstaubteilchen werden hauptsächlich in der Atmosphäre chemisch aus Emissionen von Verkehr, Industrie und Landwirtschaft gebildet. Um niedrige, gesundheitlich unbedenkliche Konzentrationen zu erreichen, müssen die Emissionen aus all diesen Quellen reduziert werden.“
„In Zukunft werden wir intensiv gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Chemie die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch die Luftverschmutzung insbesondere in Kombination mit (Flug)Lärm bedingt sind, erforschen“, fügt Münzel hinzu.

 

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Luftverschmutzung verursacht nach wie vor Gesundheitsschäden in Europa

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Veröffentlicht: 25.10.2013 Zuletzt geändert: 25.10.2013 09:50
Rund 90 % der Stadtbewohner in der Europäischen Union (EU) sind einem schädlichen Luftschadstoffe in Konzentrationen ausgesetzt, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gesundheitsschädlich eingestuft werden. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Bewertung der Luftqualität in Europa, die von der Europäischen Umweltagentur (EUA) veröffentlicht wurde.

 

Der Bericht „Luftqualität in Europa – Bericht 2013en” ist ein Beitrag der EUA zur Überprüfung der Luftreinhaltungspolitik der Europäischen Kommission sowie zumeuropäischen „Jahr der Luft”en.

Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Haushalte tragen zur Luftverschmutzung in Europa bei. Trotz sinkender Emissionswerte und des Rückgangs bestimmter Schadstoffkonzentrationen in den letzten Jahrzehnten macht der Bericht deutlich, dass das Luftverschmutzungsproblem in Europa noch lange nicht gelöst ist. Zwei bestimmte Schadstoffe, Feinstaub und bodennahes Ozon, führen nach wie vor zu Atembeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigem TodenNeue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die menschliche Gesundheit von geringeren Luftschadstoffkonzentrationen beeinträchtigt werden kann als bisher angenommen.

Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA, erklärt dazu: „Luftverschmutzung fügt der menschlichen Gesundheit und den Ökosystemen Schaden zu. Ein Großteil unserer Bevölkerung lebt nach heutigem Standard nicht in einer gesunden Umwelt. Europa muss ehrgeizig sein und über die derzeitigen Rechtsvorschriften hinausgehen, um einen nachhaltigen Weg einzuschlagen.”

Umweltkommissar Janez Potočnik fügte dem hinzu: “Die Luftqualität ist ein zentrales Anliegen vieler Menschen. Umfragen zeigen, dass der überwiegende Anteil der Bürger sehr gut über die Auswirkungen der Luftqualität auf die Gesundheit Bescheid weiß und die Behörden auffordert, wirksame Maßnahmen auf EU-weiter, nationaler und lokaler Ebene zu ergreifen, sogar in Krisenzeiten mit rigider Sparpolitik. Auf diese Anliegen werde ich mit der anstehenden Überprüfung der Luftreinhaltungspolitik durch die Kommission eingehen.”

Zwischen 2009 und 2011 waren bis zu 96 % der Stadtbewohner Feinstaubkonzentrationen (PM 2,5) über den WHO-Richtlinien sowie bis zu 98 % Ozonwerten (O3) über den WHO-Richtlinien ausgesetzt. Ein geringerer Anteil an EU-Bürgern war Konzentrationen dieser Schadstoffe ausgesetzt, die über den Grenz- bzw.- Zielwerten der EU-Rechtsvorschriftenen lagen. Diese von der EU vorgegebenen Grenz- bzw. Zielwerte sind in einigen Fällen weniger streng als die WHO-Richtlinien. Siehe Daten der EUA zur Belastung in der EUen.

Nicht nur Städte sind betroffen  – auch in einigen ländlichen Gebieten wird eine hohe Luftverschmutzung verzeichnet, so der Bericht. Die nationalen Unterschiede in Europa werden in einer Reihe von Datenblättern für die einzelnen Länder aufgezeigten, die den wichtigsten Ergebnissen beigefügt sind.

Es gibt eine Reihe von Erfolgen bei den Bemühungen zur Senkung von Schadstoffemissionen zu verzeichnen – so haben sich z. B. die Schwefeldioxidemissionen aus Kraftwerken, Industrie und Verkehr im Laufe des letzten Jahrzehnts verringert, was zu einer geringeren Belastung geführt hat. Die schrittweise Abschaffung von verbleitem Benzin hat zu einer Senkung der Bleikonzentrationen geführt, die sich nachweislich auf die Entwicklung des Nervensystems auswirken.

Eutrophierung

Neben den Gesundheitsbedenken zeigt der Bericht auch Umweltprobleme wie die Eutrophierung auf, bei der die Ökosysteme durch übermäßige Stickstoffanreicherung geschädigt werden, was wiederum die Biodiversität gefährdet. Eutrophierung ist nach wie vor ein weitverbreitetes Phänomen, von dem die meisten europäischen Ökosysteme betroffen sind.

Die Emissionen einiger stickstoffhaltiger Schadstoffe sind gesunken – so haben sich z.B. die Stickoxid- und Ammoniakemissionen seit 2002 um jeweils 27 % und 7 % verringert. Dennoch liegen diese Emissionswerte unter den Erwartungen, da acht EU-Mitgliedstaaten ein Jahr nach Ablauf der Frist für die Einhaltung die gesetzlichen Grenzwerte überschrittenen haben. Um das Problem der Eutrophierung anzugehen, sind weitere Maßnahmen zur Senkung von Stickstoffemissionen erforderlich.

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pressetext
Dreckige Luft: 90 Prozent der EU-Bürger betroffen
Grenzwerte in Europa laut Umweltagentur noch immer nicht erreicht
Rauchender Schlot: Luftverschmutzung bleibt zu hoch (Foto: pixelio.de, Schütz)
Rauchender Schlot: Luftverschmutzung bleibt zu hoch (Foto: pixelio.de, Schütz)

Kopenhagen (pte010/15.10.2013/11:16) – Die Luftqualität in Europa ist immer noch schlecht. Trotz massiver Einschränkungen bei den Emissionen umweltschädlicher Chemikalien, sind mehr als 90 Prozent der Stadtbewohner gefährlichen Mengen an Luftverschmutzung ausgesetzt, wie eine Erhebung der Europäischen Umweltagentur (EEA) http://eea.europa.eu zeigt.

PM2.5-Werte häufig erreicht

Die Europäische Kommission berät derzeit über eine Verschärfung der Grenzwerte bei der Luftverschmutzung. Wie der NewScientist berichtet, werden in der EU derzeit jedoch nicht einmal die bestehenden Standards eingehalten.

Europa hat in den vergangenen Jahrzehnten viel für die Verbesserung der Luftqualität getan. Die Werte vieler Schadstoffe sind laut der EEA gesunken. Heute ist die schlimmste Luftverschmutzung in Ostasien zu finden. Der Smog in Peking ist bereits berüchtigt. Aber Europa hat laut den aktuellsten Einschätzungen der EEA noch einen langen Weg vor sich.

Bei den meisten Schadstoffen handelt es sich um winzige Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer, die sogenannten PM2.5. Zwischen 91 und 95 Prozent der Europäer leben in Städten mit PM2.5-Werten, die höher sind als die EU-Richtlinien. Diese Richtlinien sind jedoch nicht so streng wie die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen. 97 bis 98 Prozent der Europäer sind gefährlichen Konzentrationen von bodennahem Ozon ausgesetzt.

Geburtsgewicht oft beeinflusst

Verschiedene Regionen Europas leiden unter unterschiedlichen Arten von Luftverschmutzung. Die PM2.5-Werte sind in Ländern Osteuropas wie Bulgarien und Polen am höchsten. Die stärkste Konzentration an bodennahem Ozon tritt in Norditalien auf. Eine epidemiologische Studie hat zuletzt einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und der Schädigung von Föten hergestellt http://bit.ly/SyjwTS .

Bei 74.178 Europäerinnen, die zwischen 1997 und 2001 Kinder auf die Welt brachten, bestand eine Verbindung zwischen höheren PM2.5-Werten und einem geringeren Geburtsgewicht. Auch wenn diese Werte unter dem derzeitigen Standard der EU lagen, bestand noch immer ein signifikantes Risiko. Laut der leitenden Wissenschaftlerin Marie Pedersen legt diese Studie nicht nur wieder nahe, dass Luftverschmutzung Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben kann, sondern auch das Risiko von Herz- und Lungenerkrankungen sei dadurch erhöht.

 

pressetext.redaktion

 

10.09.2013 10:30

Kosten der Umweltbelastung: Was uns saubere Luft wert sein sollte

Mark Fallak Öffentlichkeitsarbeit
Institut zur Zukunft der Arbeit

Die gesellschaftlichen Kosten von Luftverschmutzung sind offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Darauf deutet eine Studie aus den USA hin, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. Demnach lassen sich durch eine niedrigere Ozonbelastung sowohl die Gesundheitsausgaben als auch die Sterblichkeitsrate spürbar reduzieren. Die Forscher analysierten ein Umweltprogramm, das in Teilen der USA einen Handel mit Emissionszertifikaten und eine Deckelung des Schadstoffausstoßes von Industrieanlagen einführte. In der Folge sank die sommerliche Ozonbelastung drastisch, was zu Einsparungen allein bei Arzneimitteln in Höhe von 900 Millionen Dollar pro Jahr führte.

Im Rahmen des Programms legte die US-Umweltschutzbehörde jährlich eine Obergrenze für den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) fest, die für die Entstehung von bodennahem, gesundheitsschädlichem Ozon als hauptverantwortlich gelten. Im Jahr 2004 durften rund 2.500 betroffene Kraftwerke und Industrieanlagen in den Sommermonaten insgesamt nur noch 650.000 Tonnen Stickoxide ausstoßen. Ab 2005 reduzierte die Behörde die Deckelung auf 550.000 Tonnen pro Sommer. Zugleich führte sie einen Handel mit Emissionszertifikaten ein, der einen Anreiz zur weiteren Senkung der Emissionen bot und Umweltsünder finanziell bestrafte.

Die Autoren der Studie ermittelten neben der Ozonbelastung auch die entstandenen Kosten für “Abwehrmaßnahmen” durch medizinische Behandlung sowie indirekte Folgekosten in Form einer höheren Sterblichkeit. Durch einen Vergleich zwischen den 20 beteiligten Bundesstaaten und dem Rest der USA sowie vor und nach Inkrafttreten des Programms konnten die Wissenschaftler sicherstellen, dass sich die ermittelten Effekte unmittelbar auf das NOx-Programm zurückführen lassen. Jahreszeitliche Unterschiede flossen ebenfalls in die Studie ein.

Das Ergebnis: Durch einen drastischen Rückgang der Emissionen verringerte sich die durchschnittliche Ozonbelastung um mehr als sechs Prozent. Die Zahl der Sommertage mit gefährlich hohen Ozonwerten ging sogar um rund ein Viertel zurück. Da viele der betroffenen Unternehmen im ersten Programmjahr in Umwelttechnologien investiert hatten, sank der NOx-Ausstoß zu Beginn des zweiten Sommers praktisch über Nacht um 35 Prozent. In Folge der geringeren Gesundheitsbelastung reduzierten sich die Gesamtausgaben für Arzneimittel um 1,9 Prozent – das entspricht rund 900 Millionen Dollar jährlich. Eine ebenso hohe Summe kommt noch hinzu, wenn man den “ökonomischen Wert” des menschlichen Lebens mit einrechnet. Denn in den am NOx-Programm beteiligten Regionen gab es pro Sommer im Schnitt 2.200 weniger Todesfälle als sonst, insbesondere in der Altersgruppe über 75 Jahren.

Laut Studie übersteigt der gesellschaftliche Nutzen des Luftreinhaltungsprogramms die Kosten der Emissionsverringerung um mehr als das Doppelte. “In der aktuellen Diskussion um die Förderung grüner Technologien stehen meist die Kosten für Unternehmen und Verbraucher im Vordergrund. Unsere Untersuchung zeigt, dass der Preis unterlassener Umweltschutzmaßnahmen dabei häufig unterschätzt wird”, sagt Mitautor Olivier Deschenes. Der Ökonom von der University of California koordiniert als Programmdirektor den IZA-Forschungsschwerpunkt “Umwelt und Beschäftigung”.

Die englischsprachige Studie ist über die IZA-Homepage abrufbar:

Olivier Deschenes, Michael Greenstone, Joseph S. Shapiro:
Defensive Investments and the Demand for Air Quality: Evidence from the NOx Budget Program and Ozone Reductions
IZA Discussion Paper No. 7557
http://ftp.iza.org/dp7557.pdf

Pressekontakt:
Mark Fallak, IZA
Tel.: (0228) 3894-223
E-Mail: fallak@iza.org


 

Luftverschmutzung bei Herzproblemen gefährlich
Studie stellt erstmals Zusammenhang mit Herzversagen her
Luftverschmutzung: Grenzwerte oft überschritten (Foto: pixelio.de/Klaus Steves)
Luftverschmutzung: Grenzwerte oft überschritten (Foto: pixelio.de/Klaus Steves)

Edinburgh (pte013/10.07.2013/12:00) – Luftverschmutzung ist für Menschen mit schwachen Herzen schädlich und kann sie sogar töten. Zu diesem Ergebnis ist eine internationale Studie unter der Leitung des University Centre for Cardiovascular Science der University of Edinburgh http://cvs.ed.ac.uk gekommen. Experten gehen laut BBC davon aus, dass allein in Großbritannien jedes Jahr tausende Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Die British Heart Foundation, http://bhf.org.uk , die diese Studie finanziert hat, betont, dass sich die Luftqualität verbessern muss. In vielen Städten übersteigt die Luftbelastung die von der Europäischen Union festgelegten Werte. Die britische Regierung hat bereits eingeräumt, dass die EU-Grenzwerte in 15 Regionen bis zum Jahr 2020 überschritten werden. Das Defra http://defra.gov.uk betont jedoch, dass es im Großteil des Landes zu keinen Überschreitungen der Grenzwerte kommt.

Kohlenmonoxid, Stickstoff und Feinstaub

Luftverschmutzung, vor allem jene durch Verkehrsabgase, wurde bereits in der Vergangenheit mit Herzanfällen in Zusammenhang gebracht, jedoch nicht mit Herzversagen. Bei einem Herzversagen kommt es zu einer Schwächung des Herzmuskels und einer nicht mehr ausreichenden Blutversorgung des Körpers. Die Folge ist häufig ein Herzanfall. Allein in Großbritannien sind mehr als 750.000 Menschen davon betroffen. Für die in “The Lancet” http://thelancet.com veröffentlichte Studie analysiert das Team um Anoop Shah 35 Untersuchungen mit Tausenden Teilnehmern, die in zwölf Ländern inklusive Großbritannien und China durchgeführt worden waren.

Die direkteste Verbindung wurde mit Gasen wie Kohlenmonoxid und Stickstoff sowie mit Feinstaub nachgewiesen, also mit den Abgasen von Bussen, Taxis und Lastkraftwagen. Sie gelangen tief in die Lungen und von dort aus in den Blutkreislauf. Menschen mit bereits geschwächtem Herz, die großen Mengen an Luftverschmutzung, zum Beispiel durch das Leben oder den Aufenthalt an einer stark befahrenen Straße, ausgesetzt sind, gelten als besonders gefährdet. Das Risiko scheint laut den Wissenschaftlern an stark belasteten Tagen am größten zu sein.

Verbesserung der Luftqualität dringend notwendig

Die Forscher sagen, dass bereits geringe Verbesserungen der Luftqualität allein in den Vereinigten Staaten rund 8.000 Einweisungen in ein Krankenhaus aufgrund eines Herzversagens verhindern könnten. Es gibt, so argumentieren sie, keinen Grund, warum diese Zahl nicht auch auf andere Länder wie Großbritannien zutreffen sollte. Alan Andrews von Client Earth http://clientearth.org erklärt, dass es in Großbritannien vor allem durch den Straßenverkehr zu einer sehr starken Luftverschmutzung komme. Die Reaktion der Regierung auf diesen Zustand sei bedauerlicherweise absolut nicht adäquat gewesen. Die Bevölkerung sollte vor einer hohen Luftbelastung gewarnt werden, damit die Menschen sich schützen können. Zu den Schutzmaßnahmen gehört zum Beispiel, das Haus nur zu verlassen, wenn es notwendig ist und das Meiden von stark befahrenen Straßen.

Luftverschmutzung kann zum Tod führen

Laut der Weltgesundheitsorganisation http://who.int sterben in Städten weltweit rund 1,3 Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. Britische Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich rund 30.000 Menschen direkt an den Folgen von verschmutzter Luft einen zu frühen Tod sterben. Sie wird mit Asthma und anderen Lungenerkrankungen, Krebs und Herzproblemen in Zusammenhang gebracht.

 

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Luftverschmutzung und Lärmbelastung tragen zu erhöhtem Herzrisiko bei

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Mannheim, Donnerstag, 4. April 2013 – Anhaltende Feinstaubbelastung, nächtlicher Verkehrslärm und nächtlicher Flugzeuglärm könnten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, indem sie zur Entstehung von Atherosklerose beitragen bzw. die Gefäßfunktion beeinträchtigen. Das ist das Fazit von zwei aktuellen Studien, die heute bei der 79. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim vorgestellt wurden.

In der Heinz Nixdorf RECALL Studie ging ein Forscherteam aus Düsseldorf, Essen und Moers unter anderem der Frage nach, warum das Wohnen an verkehrsreichen Straßen die Bildung einer subklinischen Atherosklerose (also einer noch nicht hochgradigen Gefäßverkalkung ohne einengende Anteile) fördert. Analysiert wurden die Daten von insgesamt 4.238 Studienteilnehmern, die einer anhaltenden Feinstaubbelastung (aerodynamischer Diameter <2,5 µg) und nächtlichem Verkehrslärm ausgesetzt waren. Beide Faktoren trugen zu einer verstärkten Verkalkung der Aorta bei. „Langfristige Feinstaubbelastung und nächtlicher Verkehrslärm sind unabhängig voneinander mit subklinischer Atherosklerose assoziiert“, fassen die Studienautoren ihre Ergebnisse zusammen.

In einer gemeinsamen Untersuchung der Universitätsmedizin der Universität Mainz und der University of Pennsylvania School of Medicine untersuchten die Forscher an 75 gesunden Freiwilligen, wie sich nächtlicher Fluglärm (30 oder 60 Lärmepisoden von mehr als 40 bis maximal 60 Dezibel) auf Gefäßfunktion, Blutdruck, Herzrate und Stresshormone auswirkt. Waren die Versuchspersonen in einer Nacht 60 Fluglärm-Episoden ausgesetzt, verringerte sich die flussvermittelte Vasodilatation – eine Messgröße für die Gefäßfunktion – von durchschnittlich 10,36 auf 9,51 Prozent. Der Blutdruck stieg von durchschnittlich 109,75 mmHg auf 114,91 mmHg bei 30 und auf 115,21 mmHg bei 60 Lärmepisoden. Auch der Adrenalinspiegel stieg signifikant an (von durchschnittlich 28,56 ng/l auf 32,96 bzw. 34,0 ng/l). „Nächtlicher Fluglärm beeinträchtigt die Gefäßfunktion und stimuliert die Andrenalinausschüttung, und das auch bei gesunden Menschen“, so die Studienautoren. „Es ist also auch bei Menschen mit niedrigem Risiko ein negativer Effekt von
Lärm auf die vaskuläre Funktion festzustellen.“

„Die Daten zeigen, dass bei Menschen, die Luftverschmutzung und Lärmbelastungen ausgesetzt sind, längerfristig ein negativer Einfluss auf die Risikofaktoren Gefäßwandveränderung und hoher Blutdruck entsteht“, kommentiert Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin), Pressesprecher der DGK.

Quellen: Kälsch et al. Is urban particulate air pollution or road traffic noise responsible fort he association of traffic proximity with subclinical atherosclerosis – Results from the Heinz Nixdorf Recall Study, Abstract V1215, Clin Res Cardiol 102, Suppl 1, 2013. Schmidt et al., Nighttime aircraft noise exposure causes endothelian dysfunction in healthy adults. Abstract V1444, Clin Res Cardiol 102, Suppl 1, 2013.

Kontakt:
Pressesprecher der DGK
Prof. Dr. Eckart Fleck
E-Mail: presse@dgk.org

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8200 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter http://www.dgk.org