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Krebs

CSU-Frauen-Union Landshut-Stadt

Am  Dienstag, 03.03.2020 um 19:00 Uhr im Zollhaus, Äußere Münchner Str. 83 Vortrag von Frau Barbara Kempf zum Thema „Diagnose Krebs – was kann im Umgang mit der Krankheit helfen?”

Die Onkologin und Hämatologin Barbara Kempf ist Vorsitzende der Initiative Lebensmut e.V. in Landshut. Lebensmut bietet Krebspatienten umfassende psycho-onkologische Betreuung in Form von Atemtherapie, Kunsttherapie und vieles mehr. Alle Angebote werden durch Spenden finanziert.

Gäste sind herzlich willkommen.

Seit Beginn der weltweiten und ausufernden Diskussion des Klimawandels werden andere (über-) lebenswichtige Umweltthemen in der öffentlichen Darstellung stark verdrängt. Die Thematik des Klimawandels ist nichts Neues, ich kenne sie seit Jahrzehnten, aber die Art der „Vermarktung“ und Dominanz ist bisher einzigartig.
Wichtige Aspekte wie die Reinheit des Trinkwassers (u.a. ohne Rückstände aus Medikamente), die ungelöste Frage nach dem Wohin mit dem Atommüll, mögliche Schattenseiten der Elektromobilität und der Gefährdung von Strahlung verschiedenster Art und Quellen werden nicht mehr in ausreichendem Maße öffentlich dargestellt. Dadurch werden Problemdarstellungen und Warnungen nicht ausreichend in die Öffentlichkeit gegeben und Vorsorgemaßnahmen in anderen Bereichen werden weder gefordert noch ergriffen.
Dabei sind die altbekannten gesundheitlichen Herausforderungen nicht aus dem Lebensalltag verschwunden. Beinahe täglich erreichen mich, als Anlaufstelle von DAS UMWELTZENTRUM e.V. (vormals Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten e.V.) Anfragen und Hilferufe aus Deutschland und Europa. Längst sind die in den 70er gebauten Fertighäuser in jüngeren Händen und ganze Familie erkranken nach einer unterschiedlichen Aufnahmedauer erneut akut wie die Vorbewohner. Die in vielen Wohnungen enthaltenen Holzschutzmittel in Holzverkleidungen und Massivholzböden entfalten immer noch ihre biozide Wirkung (Zitat Umweltbundesamt: Biozide sind potenziell gefährlich für die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier) und wirken sich negativ auf die Gesundheit der Bewohner aus. Dämmstoffe können unter anderem lungengängige Fasern freisetzen. Anti-Schimmel-Mittel schaden mittelfristig vielfach eher den Bewohnern als dem Schimmelbefall selbst. Hinzu kommen Ausdünstungen aus verschiedensten Bodenbelägen, Wandfarben, Ölen, Wachsen, Lasuren, Pflege- und Reinigungsmittel, sowie Kleidungsstücken und Möbel, die meist nur wegen ihrer optischen, modischen oder preislichen Attraktivität ausgewählt werden und jeden Gedanken an gesundheitliche Schäden außen vor lassen.
Je nach Zusammensetzung der verschiedenen Mittel ergeben sich von Schadstoffpotentiale die geeignet sind Krankheiten von Allergien bis zu Krebs zu begründen.
Die meisten Gefahren lassen sich durch kluge Überlegungen vor der Beschaffung ausschalten.
Im Zweifelsfall und wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, scheuen Sie nicht, den geprüften Baubiologen Ihres Vertrauens zu Rate zu ziehen.

Es ist immer gesünder und bei weitem kostengünstiger vor dem Kauf um Rat zu fragen, als nachher zu heilen, zu Klagen oder zu sanieren.

Mit lebensfreundlichen Grüßen

Rudolf Schnur

Geprüfter Baubiologe (IBN)

Bundesvorsitzender DAS UMWELTZENTRUM e.V. (vormals Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten)
Geschäftsführender Gesellschafter der LA-umwelt gemeinnützige GmbH als Veranstalter der Landshuter Umweltmessen

Zum zehnten Mal in Folge lädt die BTB Bigband am Samstag, den 16. November zum Benefizkonzert und feiert damit ein Jubiläum. In diesem Jahr kommt der Erlös an Krebs erkrankten Menschen und deren Familien zugute.

Die BTB Bigband setzt auch unter neuer Leitung alljährliche Traditionen fort. „Für uns alle ist das Benefizkonzert eine Herzensangelegenheit. Wir fiebern erneut auf diesen Höhepunkt des Jahres hin und freuen uns besonders darauf unser Publikum wieder mit Musik zu begeistern“, sagt Michael Grünzweig, Leiter der BTB Bigband. 12 Jahre war er in der BTB Bigband am Klavier zuhause, ehe das Jahr 2019 mit der Leitung eine neue Herausforderung brachte.

Aus dem umfangreichen Repertoire wurde eine Auswahl an Stücken für das kommende Konzert zusammengestellt. „Das Programm umfasst eine abwechslungsreiche Mischung aus klassischem Bigband-Sound, moderne Arrangements aus der Welt des Films sowie mitreißende, emotionale und eindrucksvolle Gesangsstücke. Es wird einige Überraschungen geben!“, verspricht Michael Grünzweig.

Der Erlös des Konzerts kommt in Gänze der Familienkrebshilfe Sonnenherz (fkh-sonnenherz.de) zugute, welche in der Region Landshut sowie überregional Krebspatienten und deren Familien finanziell unterstützt und dadurch beispielsweise notwendige Therapieverfahren oder durch die Krankheit bedingte häusliche Umbaumaßnahmen ermöglicht.

Das Benefizkonzert beginnt um 20 Uhr in der Alten Kaserne, Liesl-Karlstadt-Weg 4. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

 

 

 

Giftige Stoffe im Fairtrade Fußball gefunden

Dieser Fußball sollte nach unserer Meinung nicht im Innenraum, insbesondere im Kinderzimmer, gelagert werden! So erschreckend sind die Schadstoffbelastungen eines Werbegeschenks.

Schon beim Geruch von Kinderspielsachen sollten Sie wachsam werden. Wenn Spielsachen aus Kunststoff nach Lösemittel oder Kleber riechen, sollten Sie die Finger davon lassen. Das folgende Beispiel zeigt einmal mehr die Gefahren auf, die dabei entstehen können. Vor allem wenn Qualitätsstandards missachtet werden und ferne Billiglohnländer an allen Rohstoffen sparen, kann es wie in diesem Fall zu starken Gerüchen und zu einem Gesundheitsrisiko kommen.

Folgende Werte wurden im Auftrag von Das Umweltzentrum e.V. gefunden:

 

Tabelle 3 zeigt nur einen Auszug der Einzelwerte. Besonders auffällig ist, dass viele Stoffe mit gesundheitsschädlicher Wirkung auf die Haut und die Atemwege dabei sind.
Die Untersuchung ist eine Stichprobe und bezieht sich nur auf die untersuchte Probe, jedoch ist durch die hohen Schadstoffgehalte von einer Lagerung im Innenraum abzuraten. Ob eine Hautreaktion auftreten kann ist unsicher.Vom Hersteller haben wir ein Prüfergebnis einer Stichprobe zugesendet bekommen. Hierbei wurden Blei, Cadmium, PAK, Weichmacher, Kurzkettige Chlorparaffine, chlorierte Phenole gemessen. Die dabei vorgegeben Werte wurden eingehalten – ohne die Richtwerte zu beurteilen. Aus unserer Sicht sind die Vorgaben nicht ausreichend, denn Sie decken die im Auftrag von Das Umweltzentrum e.V. gemessenen Stoffe nicht ab und beziehen sich nicht auf die Emissionen in einem definierten Raum unter Normalbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit), d.h. eine Prüfkammer-Messung wäre nötig, um die tatsächlichen Emissionen abzusichern. Bis dahin raten wir aus Vorsicht von diesem Produkt ab.Zudem sollte beachtet werden, dass die Menschen, die das Produkt herstellen mit den gemessenen Schadstoffen in deutlich höheren Konzentrationen und längerer Dauer konfrontiert werden.Für die Besorgung der Weihnachtsgeschenke raten wir Ihnen auf Qualität, natürliche Materialien und regionale Herstellung zu achten – Qualität statt Quantität.Autor: Dipl.-Ing. Waldemar Bothe (Vorstandsmitglied der DGUHT e.V.)
Co-Autor: Karl-Heinz Weinisch (Vizepräsident der DGUHT e.V.)
Co-Autor: Rudolf Schnur (Bundesvorstand von Das Umweltzentrum e.V.)Herausgeber: Das Umweltzentrum e.V. in Kooperation mit der DGUHT e.V. Foto: DGUHT

Feinstaubprobleme in Industrie- oder Stadtgebieten nimmt die Öffentlichkeit kritisch wahr, wogegen gesundheitsbedrohliche Bestandteile im eigenen Hausstaub kaum auf Interesse stoßen.

Unsere Gesellschaft produziert, konsumiert und verteilt Chemikalien in großen Mengen: Wurden vor hundert Jahren ca. eine Million Tonnen Chemikalien pro Jahr weltweit hergestellt, so sind es heute lt. Wissenschaftlern etwa 400 Millionen Tonnen. Chemikalien sollen unsere Lebensbedingungen verbessern, haben aber auch unerwünschte und teils gefährliche Nebenwirkungen. Dabei wirken solche Schadstoffmengen meist nicht toxisch, sondern nehmen Einfluss auf unser Hormon- und Immunsystem, indem sie unsere inneren chemischen Prozessketten nachteilig verändern. Die großen Volkskrankheiten Schilddrüsen-Hormonstörungen, Diabetes, Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs haben vielfältige Ursachen und entstehen im komplexen Zusammenspiel von Umwelteinflüssen, Veranlagung und dem persönlichen Lebensstil. Neben den chemischen Schadstoffen können im Hausstaub enthaltene Schwermetalle, Schimmelpilze, Bakterien und Milben zudem Allergien, Atemwegserkrankungen oder sogar Neurodermitis auslösen.
Die DGUHT stellt deshalb kostenlos einen Gesundheits-Check und eine Richtwerttabelle für Hausstaubschadstoffe zur Verfügung, um Interessierte und chronisch Erkrankte bei der Ursachensuche zu unterstützen.

Am 14. September 2016 haben amerikanische Wissenschaftler die „erste umfassende Analyse über „Potenziell schädliche Chemikalien im Hausstaub“ durchgeführt.
(Quelle: http://publichealth.gwu.edu/content/potentially-harmful-chemicals-widespread-household-dust)
Wissenschaftler der federführenden George Washington University wiesen „45 verschiedene schädliche Chemikalien“ nach, die in „Hausstaubproben aus 14 US-Bundesstaaten“ gefunden wurden. “Unsere Studie ist die erste umfassende Analyse der Verbraucherprodukt-Chemikalien, die im Haushaltsstaub gefunden werden”, sagt der führende Autor Ami Zota, Professor für Umwelt- und Arbeitsgesundheit am Milken Institut SPH und folgert, dass „die Ergebnisse darauf hindeuten, dass Menschen und vor allem Kinder einer täglichen Gemischdosis im Hausstaub ausgesetzt sind, die mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen verbunden sind.” Am häufigsten kamen dabei chemische Weichmacher vor, deren Konzentration im Schnitt 7,7 Mikrogramm je Gramm Staub betrug. Weichmacher machen Kunststoffe biegsamer, geschmeidiger und elastischer. Diese für Bau-, Plastik- und Kosmetikprodukte verwendeten Weichmacher bzw. Phthalate stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und Diabetes und Fettleibigkeit zu fördern. Im Tierversuch führte die Aufnahme von Phthalaten zu Missbildungen an den Fortpflanzungsorganen und zu Übergewicht. Im Körper soll es ähnlich wie Östrogen wirken, was der Grund für die zunehmende Östrogendominanz im weiblichen Zyklus, selbst bei noch jüngeren Frauen, sein könnte. Es besteht zudem der Verdacht, dass die Spermienqualität durch Weichmacher gesenkt werden könnte. Professor Martin von Bergen vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig wollte genauer wissen, wie und wo beispielsweise die Weichmacher im Körper wirken. Seine Arbeitsgruppe belastete das Trinkwasser von Mäusen mit Weichmachern. Vor allem weibliche Mäuse nahmen deutlich zu. Ihre Fettzellen vergrößerten sich und auch der Fettgewebestoffwechsel wurde schlechter. Die Forscher untersuchten danach das Blut der Mäuse und stellten vermehrt Fettsäuren im Blut fest sowie einen aus dem Ruder gelaufenen Zuckerstoffwechsel. Auch Signalstoffe, die das Fettgewebe aussendet, um andere Organe zu steuern, waren anschließend anders zusammengesetzt.

Die zweithäufigste Gruppe von Chemikalien in der amerikanischen Studie bildeten die Phenole, die vor allem in Reinigungsmitteln vorkommen. Zudem wurden aus Möbeln, Bodenbelägen und Baustoffen stammende Flammschutzmittel nachgewiesen. Unter diesen befanden sich polybromierte Diphenylether (PBDE), die im Verdacht stehen, bei Hunden Unfruchtbarkeit auszulösen.
An vierter Stelle wurden perfluorierte Kohlenwasserstoffe gefunden, wobei auch die besonders schädliche Perfluoroktansäure (PFOA) vorkam. Da sie als krebserregend eingestuft und für Schilddrüsenerkrankungen verantwortlich gemacht wird, ist ihr großzügiger Einsatz in Alltagsprodukten sehr umstritten.

Viele dieser gefährlichen Stoffe können sich als Staubgemisch gegenseitig in ihrer Wirkung noch verstärken – was dann selbst bei sehr geringen Einzelstoffkonzentrationen noch giftiger im Körper wirken kann. Besonders gefährdet seien Kleinkinder, die auf dem Boden spielen und so direkt mit dem Hausstaub in Kontakt kommen. Das Umweltbundesamt rät jüngst dazu, Speisen wegen Plastikverpackungen häufiger frisch zuzubereiten und weniger Fertigprodukte zu verwenden. Am stärksten sieht das Amt Kleinkinder gefährdet. Denn die Jüngsten stecken nahezu alles, also auch Kunststoffspielsachen, in den Mund – nicht nur amtlich zugelassenes Spielzeug – und nehmen über den Hausstaub mehr Schadstoffe auf als Erwachsene. Zudem reagiert ihr Körper weit empfindlicher auf Gifte.

Als ein Beispiel für die schwierige Erfassung von Schadstoffen in der Raumluft oder im Hausstaub sind Messungen von schwerflüchtigeren Verbindungen zu nennen, wie sie etwa von Laser-Druckern ausgestoßen oder von Baustoffen und Raumausstattungen abgegeben werden. Eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zeigt, dass Laserdrucker bis zu 7,6 Milliarden Partikel Feinstaub je gedruckter Seite emittieren: Diese unsichtbaren Partikel können Hustenanfälle, geschwollene Nasenschleimhäute oder Kopfschmerzen verursachen. Nachweisen kann man Nano-Partikel allerdings nur, wenn man tatsächlich danach sucht und dann auch nur mit teurer und aufwändiger Messausrüstung. Schlussendlich werden auch die „schwereren“ Verbindungen wie Holz-, Woll- und Flammschutzmittel oder Weichmacher bei normgerechten Raumluftmessungen unzureichend erfasst und können nur mit gezielten Hausstaubmessungen gefunden und bewertet werden.

Auf Grund der bisherigen alarmierenden Hausstaubergebnisse durch das IQUH (Institut für Qualitätsmanagement und Umfeldhygiene, Weikersheim), hat sich die DGUHT (Dt. Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie, Würzburg), entschlossen, die Feinstaubstudie zu unterstützen und bittet die Mitglieder und Interessierten, sich aktiv zu beteiligen. Die DGUHT empfiehlt beim Vorliegen chronischer Erkrankungen, zusätzlich Hausstaubuntersuchungen für die Abprüfung gesundheitsrelevanter Schadstoffe durchzuführen. Zur Feinstaub- und Gesundheitsstudie 2020 erhalten Betroffene eine Anleitung zur Probenahme und die neuen Richtwerte für die gefährlichen Staubanteile wie Schwermetalle, Weichmacher, Flammschutzmittel oder Konservierungsstoffe. Gerade wegen der Zunahme von chronischen Erkrankungen ohne klaren Befund fordern immer mehr Mediziner und Arbeitsplatz- und Innenraumexperten der DGUHT eindringlich, dass bei Betroffenen nicht nur der Hausstaub in Kinder-, Wohn- oder Schlafzimmern untersucht wird, sondern dass auch die Schul- und Arbeitsräume mit einbezogen werden. Die Feinstaubstudie 2020 soll statistische Daten über die Auswirkungen von Chemikalien auf Umwelt und Gesundheit liefern und vor allem über das Maß der Giftwirkung (Toxizität), das Allergiepotential oder ob sie lediglich mindergefährlich und nur sensibilisierend wirken.

Aktuell läuft parallel die von der DGUHT ebenfalls unterstützte Anamnesestudie „Gesundheits-Check 2020“ und es können kostenfreie Unterlagen angefordert werden. Eine Zwischenbilanz der Gesundheits- und Feinstaubstudie wird bei der jährlich stattfindenden LIFE Veranstaltung in Bad Mergentheim am 12.-13. Mai 2017 vorgestellt, daher lohnt sich eine Teilnahme sowohl aus beruflicher als auch aus persönlicher Sicht.

Karl-Heinz Weinisch
Vizepräsident

Stichwort BAYER – Leseprobe

Chemikalien haben viele gesundheitsgefährdende Eigenschaften. Eine der unheimlichsten: Manche Substanzen wirken ähnlich wie bestimmte körpereigene Stoffe und können damit den menschlichen Organismus gehörig durcheinanderwirbeln. So gleichen bestimmte Pestizide, Weichmacher oder andere Produkte wie etwa Bisphenol A in ihrem chemischen Aufbau Hormonen. Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, Unfruchtbarkeit und andere Gesundheitsstörungen beschreiben MedizinerInnen als mögliche Folge. Darum will die EU die VerbraucherInnen besser vor diesen Produkten von BAYER & Co. schützen. Aber die Konzerne torpedieren dies nach Kräften. Ein Lehrstück in Sachen „Lobby-Arbeit“.

Von Jan Pehrke

Hormone sind die Botenstoffe des Körpers. Sie erfüllen damit eine wichtige Aufgabe in seinem Regulationssystem. Die biochemischen Substanzen steuern beispielsweise das Knochenwachstum, den Zucker- und Fettstoffwechsel, die Verdauung und die Sexualentwicklung. Stört nun etwas die Signal-Übertragung, so kommen falsche Botschaften an, was die Abläufe gehörig durcheinanderwirbelt. Und als solche „Störer“ – sogenannte endokrine Disruptoren (EDCs) – hat die Wissenschaft seit einiger Zeit bestimmte Chemikalien ausgemacht. Viele dieser Substanzen gleichen in ihrem Aufbau nämlich Hormonen und haben deshalb ein beträchtliches Irritationspotenzial. Die mögliche Folge: Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, Dysfunktionen des Nerven- und Immunsystems sowie Herz-, Leber- und Gebärmutter-Leiden.

BAYER hat eine ganze Menge dieser Stoffe im Angebot. Und manche davon, wie etwa das Antiraupen-Mittel RUNNER, sollen sogar hormonelle Effekte entfalten. Es zählt nämlich zu den Insekten-Wachstumsregulatoren, die der europäische Lobbyverband der Agro-Riesen, die „European Crop Protection Association“ (ECPA), wie folgt beschreibt: „Pheromone und Insekten-Wachstumsregulatoren werden im Pflanzenschutz speziell wegen ihrer Wirkungsweise als endokrine Disruptoren eingesetzt, um den Fortpflanzungsprozess zu stören oder den Lebenszyklus der Insekten zu verkürzen.“

Bei anderen Agro-Giften des Konzerns fällt die Beeinträchtigung des Hormonsystems hingegen eher in die Rubrik „Risiken und Nebenwirkungen“. Dies ist auch bei den anderen Substanzen mit hormon-ähnlichen Eigenschaften aus der Produktpalette des Global Players der Fall, wie z. B. bei Weichmachern oder der Industrie-Chemikalie Bisphenol A, von welcher der der Pharma-Riese allein im Jahr 2011 rund 1,2 Millionen Tonnen herstellte.

Bereits seit den 1990er Jahren warnen WissenschaftlerInnen vor den Gefahren, die durch endokrine Disruptoren drohen. Die Politik blieb jedoch lange untätig. Die Europäische Union brachte 1999 zwar eine „Strategie für Umwelthormone“ auf den Weg, erkannte aber erst in der Dekade nach dem Jahrtausendwechsel Handlungsbedarf, wie die französische Publizistin Stéphane Horel in ihrem Buch „Intoxication“ ausführt. Im Rahmen der Neuordnung der Pestizid-Zulassungen nahm die EU 2009 auch die hormonelle Wirkung der Ackergifte ins Visier. Das Europäische Parlament sprach sich dabei für ein Verbot dieser Substanzen aus. Zu einer entsprechenden Regelung in der „Verordnung 1107/2009“ kam es damals jedoch nicht. Diese sollte erst per Nachtrag erfolgen, wenn die Europäische Kommission genaue Kriterien zur Bestimmung der EDCs entwickelt hatte. Bis Ende 2013 gab das EU-Parlament ihr dafür Zeit.

Mit der Detailarbeit betraute die Kommission dann – vorerst – die „General-Direktion Umwelt“. Diese beauftragte zunächst eine Gruppe von WissenschaftlerInnen mit einer Untersuchung zum Forschungsstand in Sachen „hormon-ähnliche Chemikalien“. Anfang 2012 lag der Report „State of the Art Assessment of Endocrine Disrupters“ schließlich vor. Er bescheinigte den Stoffen einmal mehr gesundheitsschädigende Eigenschaften. Diese „rechtfertigen es, die endokrinen Disruptoren als ebenso besorgniserregende Substanzen anzusehen wie krebserregende, erbgutschädigende und reproduktionstoxische Produkte“, hält die Studie fest. Die ForscherInnen schlugen deshalb vor, eine eigene Kategorie für RUNNER & Co. zu schaffen und diese auch nicht wie andere potenziell gefährliche Hervorbringungen der Industrie nach der Wirkstärke zu beurteilen. Dieses Kriterium erlaubt den WissenschaftlerInnen zufolge nämlich keine Rückschlüsse auf das von den EDCs ausgehende Gesundheitsrisiko. Die Dosis macht das Gift – eben das trifft auf die endokrinen Disruptoren nicht zu, weshalb nach Meinung der AutorInnen auch Grenzwerte nicht vor deren Gefahren schützen. Der an der Expertise beteiligte Toxikologe Dr. Andreas Kortenkamp hatte das schon 2002 in einem Experiment nachgewiesen. Er mischte Polychlorierte Biphenyle (PCB), wie sie BAYER bis zu ihrem Verbot im Jahr 1989 massenhaft produzierte, Bisphenol A und sechs weitere Chemikalien zusammen, die für sich genommen nicht östrogen wirken. Er erhielt ein überraschendes Ergebnis. „0 + 0 + 0 + 0 + 0 + 0 + 0 + 0 = 8“ lautete das Resultat. Also das glatte Gegenteil eines Nullsummenspiels. „Etwas, das aus dem Nichts entsteht“, fasste Kortenkamp den beunruhigenden Befund zusammen. „Schädliche chemische Stoffe in Produkten des täglichen Bedarfs müssen verboten werden. Die Gesundheit steht über dem wirtschaftlichen Interesse“, forderte der Toxikologe deshalb später in einem Zeitungsartikel.
Die unter seiner Federführung entstandene Untersuchung für die General-Direktion Umwelt alarmierte die Industrie und trieb sie zu einer beispiellosen Lobby-Offensive, in der BAYER eine Hauptrolle einnahm. Zudem machten noch zahlreiche große Organisationen Druck. So setzte die CEFIC, der europäische Verband der Chemie-Industrie, die endokrinen Disruptoren ganz oben auf ihre Liste mit den „Lobbying-Schlüsselthemen“. Und die CEFIC kann sich diesem Schlüsselthema mit einiger Macht widmen: Sie ist mit ihren 29.000 Mitgliedsfirmen die größte europäische Unternehmensvereinigung, hat in Brüssel 150 Beschäftigte und verfügt über einen Jahresetat von 40 Millionen Euro. Damit nicht genug, opponierten noch weitere Verbände der Konzerne gegen allzu weitreichende Regulierungspläne. Zu ihnen zählten etwa die ECPA, der Zusammenschluss der europäischen Pestizid-Hersteller, dessen US-amerikanisches Pendant „Croplife“, das „American Chemistry Council“ und „Plastic Europe“ mit Patrick Thomas an der Spitze, dem Chef der BAYER-Tochter COVESTRO.

Zunächst heuerten BAYER & Co. willige WissenschaftlerInnen an, um Zweifel am Kortenkamp-Report zu säen. Der vom „American Chemistry Council“ bestellte und bezahlte Text erschien dann Ende Mai 2012 in der Fachzeitschrift Criticial Reviews in Toxicology. Schon ein Blick auf die deklarierten Interessenskonflikte genügt, um sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Kritik, die sich hauptsächlich auf Fragen der Methodik konzentriert, zu ersparen. Alle sechs Autoren verfügten nämlich über beste Verbindungen zu den Multis. Sie arbeiteten beispielsweise als Berater für die BASF oder das „American Chemistry Council“ und veröffentlichten in Tateinheit mit ForscherInnen von BAYER, DUPONT oder MONSANTO Artikel.

Einen ersten Zwischenerfolg erzielten die Konzerne schon bald darauf. Hatten die Unternehmen schon länger daran gearbeitet, den Einfluss der General-Direktion Umwelt zu begrenzen und industrie-freundlicheren EU-Organisationen mehr Gewicht in dem Prozess zukommen zu lassen, so konnten sie im Oktober 2012 einen Etappen-Sieg erringen. Die Europäische Kommission übertrug der „Europäischen Behörde für Lebensmittel-Sicherheit“ (EFSA) die Aufgabe, ein wissenschaftliches Gutachten zur Identifizierung und zur Bewertung der endokrinen Disruptoren zu verfassen. Und die Agentur, deren MitarbeiterInnen mehr als einmal mit ihren Beziehungen zur Wirtschaft in die Schlagzeilen geraten waren, versuchte ihrem schlechten Ruf bereits von Anfang an gerecht zu werden: In der von ihr berufenen Arbeitsgruppe befanden sich nämlich überhaupt keine Hormon-SpezialistInnen. Das Ergebnis fiel entsprechend aus: „EDCs können wie alle anderen den Menschen und die Umwelt gefährdenden Substanzen behandelt werden.“ Eine Beurteilung nicht einzig nach dem Gefahren-Potenzial, sondern überdies nach dem üblichen Kriterium der Wahl, dem Risiko-Potenzial, schlug die EFSA deshalb vor.

Endokrine Disruptoren fallen für die Agentur also nicht aus dem Rahmen dessen, was sonst so an schädlichen Chemikalien aufläuft. Der Umgang mit diesen kann nach Ansicht der EFSA daher auch weitgehend in dem bisherigen Rahmen stattfinden. Das war natürlich ganz im Sinne der Industrie. Besonders die Zurückweisung des Gefahren-Ansatzes als einzigem Maßstab zur Beurteilung der EDCs fand ihren Gefallen. Eine Prüfung der Stoffe auf Grundlage der „Gefahr“ unterscheidet sich nämlich maßgeblich von einer solchen auf der Grundlage des „Risikos“. Eine Bewertung anhand der Gefahr nimmt allein die Eigenschaften des Produkts in den Blick, eine anhand des Risikos berücksichtigt indes das Ausmaß, in dem Mensch, Tier und Umwelt der Chemikalie ausgesetzt sind. Während die Gefahr einer Substanz also immer absolut gilt und keine Grenzen kennt, ist das Risiko immer relativ. Es ist unter anderem von der Wirkstärke abhängig. Und als Maß der Dinge kommt so der Grenzwert ins Spiel, der das Höchstmaß der Belastbarkeit anzeigt. Solche Limits träfen auf die – zähneknirschende – Zustimmung von BAYER & Co., erlaubten diese ihnen doch zumindest, ihre Waren, wenn auch mit mehr oder weniger großen Beschränkungen, auf dem Markt zu halten. Das gelänge bei einer Inventur unter der Maßgabe der Gefahr nicht. Danach müssten etwa alle als EDCs identifizierte Acker-Gifte mit einem Verbot rechnen.

Genau dies legte der Kortenkamp-Report 2012 ganz im Sinne der Pestizid-Richtlinie von 2009 nahe, indem er den endokrinen Disruptoren einen Sonderstatus zuschrieb und das Prinzip der Wirkstärke als Richtschnur für die Bewertung ablehnte. Kein Wunder also, dass die EFSA exakt das jetzt zur Disposition stellte. Und die Behörde tat dies wider besseren Wissens, war sie doch kurz vor dem Veröffentlichungsdatum noch drauf und dran, alles zu revidieren. Dass zwei UN-Organisationen den Stand der Wissenschaft so ganz anders wiedergegeben hatten als sie selber und von den endokrinen Disruptoren als einer „globalen Bedrohung“ sprachen, hatte sie nämlich ins Zweifeln gebracht. „Ich denke, dass wir unseren Bericht (…) leider umarbeiten müssen, damit er besser reflektiert, was der Rest der Welt denkt“, e-mailte ein Mitglied der Arbeitsgruppe aufgestört. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der EFSA schlug indessen vor, wenigstens das Kapitel „Schlussfolgerungen“ zu ändern. Aber am Ende blieb doch alles, wie es war.
Die GD Umwelt hatte also allen Grund, an ihrem umfassenderen Schutz-Ansatz festzuhalten. Das allerdings rief BAYER auf den Plan. Der Leverkusener Multi gelangte vorzeitig in den Besitz des entsprechenden Papiers der GD Umwelt – ein Vertrauter bei der Kommission hatte es dem Chemie-Verband CEFIC durchgesteckt – und setzte im Juni 2013 einen Brief an die stellvertretende Generalsekretärin der EU-Kommission, Marianne Klingbeil, auf. „Die DG ENV (= GD Umwelt, Anm. SWB) favorisiert gegenwärtig ein Konzept, welches durchgängig auf der Basis des Vorsorge-Prinzips konstruiert worden ist (Hazard assessment). Dies bedeutet eine fundamentale Abkehr von den Prinzipien der Risiko-Bewertung und wird in Konsequenz weitreichende, gravierende Auswirkungen auf die Chemie-Branche und Agrar-Industrie (vor allem wegen der bei Pflanzenschutzmitteln angewandten Cut-off-Kriterien, die einen Verlust der Zulassung bedingen), nach sich ziehen“, zeigte sich der Pharma-Riese alarmiert. Mehr als 37 Pestizide sieht er von einem Verbot bedroht. Allein der Bann der Antipilz-Mittel aus der Gruppe der Triazole, zu denen etwa die BAYER-Produkte PROVOST OPTI, FOLICUR und NATIVO gehören, würde zu einem Produktivitätsrückgang von 20 Prozent und zu Ernte-Verlusten bis zu 40 Prozent führen, rechnet der Konzern unter Bezugnahme auf zwei Studien vor. Mit Verweis auf die EU-Maxime der „Better regulation“ fordert er die Kommission deshalb auf, bei ihrer Entscheidung über die endokrinen Disruptoren die Auswirkungen auf die Wirtschaft mit zu berücksichtigen und ein sogenanntes Impact Assessment durchzuführen.
Und Brüssel erhörte die Signale: Statt wie vorgesehen 2013 die Kriterien zur Beurteilung der EDCs vorzulegen, kündigte die EU-Kommission erst einmal eine ökonomische Folgeabschätzung an. Der Leverkusener Multi gab sich damit aber nicht zufrieden. Hatte er bereits vor dem Brief an Marianne Klingbeil gemeinsam mit BASF und SYNGENTA ein Scheiben an die EU verfasst und sich darin besorgt gezeigt, die Kriterien zur Bestimmung der endokrinen Disruptoren könnten ihren „komplett sicheren“ Pestiziden den Garaus machen, so setzte er zusammen mit mehreren anderen Konzernen Mitte Oktober 2013 erneut ein Schriftstück auf. Darin gingen die Absender das Vorsorge-Prinzip von einer anderen Seite her an. Sie wollten es nun durch ein „Innovationsprinzip“ ergänzt wissen. Ein Gleichgewicht zwischen Gesundheitsschutz und Innovationsförderung sollte Brüssel nach Meinung der Vorstandschefs anstreben, denn: „Innovationen sind per definitionem mit Risiken verbunden.“
Damit endeten die Lobby-Aktivitäten von BAYER & Co. aber noch bei Weitem nicht. So brachte der willige Wissenschaftler Daniel Dietrich, der immer wieder gern gemeinsam mit den ForscherInnen von BAYER, DOW oder ASTRAZENECA Studien publiziert, in der Fachzeitschrift Toxicology Letters einen höhnischen Artikel über die mit den endokrinen Disruptoren verbundenen Ängste unter. Darin deklarierte er forsch die den EDCs zugeschriebenen Fruchtbarkeitsschädigungen wie etwa die Minderung der Samen-Qualität zu Symptomen einer männlichen Hysterie. „Man kann sich fragen, ob das ganze Thema ‚EDCs’ nicht eher in die Kompetenz von Dr. Sigmund Freud fällt als in die der Toxikologie“, meinten Dietrich und seine Co-Autoren. Auf kaum höherem Niveau argumentierten die Konzerne und ihre Lobby-Organisationen.

Die CEFIC etwa griff in ihren zahlreichen Eingaben zum Standard-Argument der Industrie und bestritt den Kausal-Zusammenhang zwischen Substanz und Nebenwirkungen. Stattdessen führte die Organisation andere mögliche Ursachen ins Feld, wie Umwelteinflüsse und Lebensführung. Zudem erklärte sie die Symptome für reversibel. Allen Ernstes führte sie dafür in einem Schreiben an die EU Horror-Filme als Beispiel an. Diese riefen auch hormonelle Reaktionen des Körpers hervor, allerdings klängen diese bald wieder ab, so die CEFIC.
BAYER versuchte darüber hinaus noch, die LandwirtInnen gegen eine allzu weitreichende Regulation der endokrinen Disruptoren zu mobilisieren. Der Leverkusener Multi entwarf ein Horror-Szenario von Ernte-Verlusten durch bald nicht mehr erhältliche Pestizide und rief die FarmerInnen dazu auf, sich an den Konsultationen Brüssels zu den EDCs zu beteiligen. Darüber hinaus ließ der Global Player seine Beziehungen spielen, um direkt mit Karl Falkenberg, dem Leiter der GD Umwelt, ins Gespräch zu kommen. Der heute beim Berliner „Global Forum for Food and Agriculture“ tätige Eckart Guth bat seinen früheren EU-Kollegen Falkenberg, den BAYER-Manager Franz Eversheim zu empfangen. „Lieber Karl, ich schreibe dir, um dich zu bitten, Herrn (Name in dem EU-Dokument geschwärzt, Anm. SWB) zu treffen, den Leiter Public and Government Affairs Europa von BAYER CROPSCIENCE. Wir haben vor einiger Zeit beim Bier nach dem Tennis über das zur Diskussion stehende Thema gesprochen. Aber ich fürchte, es ist zu ernst, um es dabei belassen zu können. Darum würde ich dir vorschlagen, Herrn (geschwärzt, Anm. SWB) zu treffen, den ich in institutionellen Angelegenheiten berate“, hieß es in dem Schreiben. Das zur Diskussion stehende Thema waren die Kriterien zur Bestimmung der endokrinen Disruptoren. Ob es dann wirklich zu dem angeregten Tête-à-Tête gekommen ist, das vermochte Stéphane Horel nicht herauszubekommen. Dennoch zeigt das Dokument sehr gut, wie Lobbyarbeit in Brüssel funktioniert.

Im Jahr 2013 brachten es BAYER & Co. allein in der zweiten Juni-Hälfte auf sechs Treffen mit EU-Offiziellen; rund 30 Mails der Industrie liefen in diesem Zeitraum auf. Sogar den Profi-AntichambrierInnen von der ECPA begann das alles über den Kopf zu wachsen. Der Druck von Seiten der Mitgliedsfirmen sei „enorm“, schütteten sie Peter Korytar von der GD Umwelt ihr Herz aus. Dazu kam noch Unterstützung aus Übersee. „Croplife America“, der US-Verband der Pestizid-Produzenten, und das „American Chemistry Council“ übten Druck auf die EU-Repräsentanz in Washington aus, weil sie sich Sorgen um ihre Agrogift-Exporte machten. Darum setzten sie die Pläne der EU in Sachen „endokrine Disruptoren“ auch auf die Agenda der TTIP-Verhandlungen. Als mögliches Handelshemmnis und ein konkretes Beispiel für Reform-Bedarf bei der Regulierungszusammenarbeit galten diese den US-amerikanischen Verbänden.

All das ließ die EU-Kommission nicht ungerührt. Sie entzog schließlich der GD Umwelt endgültig die Verantwortung in diesem Prozess und verschleppte die Arbeit zur Bestimmung der EDC-Kriterien immer mehr. So sehr, dass dem Mitgliedsland Schweden schließlich der Kragen platzte. Der nordeuropäische Staat verklagte die Kommission wegen Untätigkeit und bekam im März 2016 auch Recht zugesprochen.

Nun mussten Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und seine Mannschaft endgültig liefern. Und Mitte Juni taten sie es schließlich: Die Europäische Kommission unterrichtete das Europäische Parlament und den Europäischen Rat „über endokrine Disruptoren und die Entwürfe der Kommissionsrechtsakte zur Festlegung der wissenschaftlichen Kritierien für ihre Bestimmung im Kontext der EU-Rechtsvorschriften über Pflanzenschutzmittel und Biozid-Produkte“.

Bei der Definition der EDCs verzichtet die Kommission auf die umstrittenen Kategorie der Wirkstärke. Sie greift zur Freude von BAYER & Co. „wohl aber bei der Bewertung des tatsächlichen Risikos, das von endokrinen Disruptoren ausgeht“, auf diese zurück. Und noch eines weiteren „Aber“ bedient sich Junckers Riege: Sie will die Verbotsanordnungen zwar grundsätzlich auf der Grundlage des Gefahren-Ansatzes verhängen und nicht dem Risiko-Relativismus frönen, der sich am dem Maß der EDC-Dröhnung orientiert. Allein: „Es gibt jedoch einige begrenzte Ausnahmen“. Zu diesen zählt die Kommission ein vernachlässigbares Risiko, eine vernachlässigbare Exposition, sozio-ökonomische Gründe und ernste Gefährdungen der Pflanzengesundheit. Eine ganz schön große Auswahl für die Konzerne – da hatte das die wirtschaftlichen Folgen der EDC-Regulierung abschätzende „Impact Assessment“ seine Wirkung offensichtlich nicht verfehlt.

Dementsprechend hart fiel das Urteil von Seiten der Umweltverbände und der Fachwelt aus. „Das Vorsorge-Prinzip wird durch die Vorschläge mit Füßen getreten“, konstatiert etwa das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN). Hätte ursprünglich der Beleg einer hormon-schädlichen Eigenschaft für eine Regulierung ausgereicht, so müsse nun die Relevanz eines schädlichen Effekts beim Menschen tatsächlich nachgewiesen sein“, moniert die Initiative. Zudem kritisiert PAN die Erweiterung der Ausnahmebestimmungen für hormon-aktive Pestizide, die jetzt im Umlauf bleiben dürfen, wenn sie eine bestimmte Schwelle nicht überschreiten. Als „ganz im Sinne der Pestizid- und Chemie-Industrie“ und „Vorboten von CETA und TTIP“ bezeichnet die PAN-Aktivistin Susanne Smolka die Vorschläge der EU. Die Wissenschaftsvereinigung „Endocrine Society“ lehnt den vorgelegten Entwurf ebenfalls ab. „In Bezug auf die endokrinen Disruptoren noch strengere wissenschaftliche Maßstäbe anzulegen als in Bezug auf die Karzinogene, für die sie schon sehr streng sind, wäre ein Schritt in die falsche Richtung“, so Rémy Slama. Auch das Umweltbundesamt zeigt sich enttäuscht: „Damit verlässt die EU den gefahren-basierten Ansatz, den wir fordern.“ Während bundesdeutsche PolitikerInnen sich mit Kommentaren zurückhielten, bezeichnete die französische Umweltministerin Ségolène Royal die Vorlage aus Brüssel als „extrem enttäuschend“. Gemeinsam mit ihren KollegInnen aus Schweden und Dänemark setzte sie deshalb einen Brief an Jean-Claude Juncker auf, der ein generelles Verbot von endokrinen Disruptoren in Pestiziden zur Forderung erhob.

Die Industrie ließ sich indessen ihre Freude nicht anmerken. Aus taktischen Gründen zog sie es vor, gleichfalls in den Chor der KritikerInnen einzufallen, um die Vorlage der EU als goldenen Mittelweg erscheinen zu lassen und ihre erfolgreiche Lobby-Arbeit nicht durch eine Geste des Triumphalismus zu gefährden.

Die ECPA richtete ihren Tunnelblick einzig auf die Ausnahme-Regelungen und empfand diese als ungenügend. Aus diesem Grund krittelte der Pestizid-Verband an den Kriterien herum, die sich seiner Ansicht nach etwas risiko-freudiger hätten zeigen sollen, statt nur der Gefahr ins Auge zu sehen. „Eine Regulierung durch Ausnahmen ist weder akzeptabel noch wissenschaftlich. Wenn man immer mehr Ausnahmen schaffen muss, ist das ein Anzeichen dafür, dass mit den Kriterien etwas nicht stimmt“, meinte ECPA-Sprecher Graeme Taylor. Der „Verband der Chemischen Industrie“ zeigte sich ebenfalls demonstrativ verstimmt. „Die Kriterien taugen in der Praxis nicht zu einer verlässlichen Unterscheidung in schädliche und harmlose Stoffe“, konstatierte er. Harmlose Substanzen gibt es unter den Chemikalien mit hormoneller Wirkungen nach Ansicht der Lobby-Organisation von BAYER & Co. nämlich wirklich. „Eine sichere Handhabung hormon-aktiver Stoffe ist möglich“, befand der Verband und plädierte einmal mehr für eine Regulierung mit Hilfe von Grenzwerten nach Maßgabe der Wirkstärke der EDCs. Und dienten seinem europäischen Pendant CEFIC noch Horror-Filme als Beispiele für hormonell Wirksames mit geringer Halbwertzeit, so rekurriert der bundesdeutsche Chemie-Verband nun auf Vitamin D und Koffein als Substanzen, die unterhalb bestimmter Konzentrationen keine Irritationen im Hormon-System hervorrufen.

Lob erntete Brüssel kaum. Nur das „Bundesinstitut für Risiko-Bewertung“ (BfR) tat sich wieder einmal unrühmlich hervor. Hatte sich das Institut, in dessen Kommissionen VertreterInnen von BAYER, BASF und anderen Konzernen sitzen, schon in Sachen „Glyphosat“ als Anwalt von Unternehmenspositionen hervorgetan, so ging es nun auch d’accord mit dem EU-Entwurf zu den EDCs. „BfR begrüßt wissenschaftliche Kriterien der EU-Kommission für die Identifizierung endokriner Disruptoren“, überschrieben die Risiko-BewerterInnen ihre Pressemeldung. Kunststück: Die Bundeseinrichtung hatte ihren Einfluss in dem ganzen Prozess immer wieder geltend gemacht. So saßen BfR-VertreterInnen etwa in der EFSA-Arbeitsgruppe, die keinen prinziellen Unterschied zwischen den endokrinen Disruptoren und anderen Chemikalien machen wollte. Darüber hinaus betonte das Bundesinstitut schon früh „die große ökonomische Tragweite“ der Entscheidung über die hormonellen Substanzen“ und trat deshalb bei der Kommission immer für Grenzwerte statt für Totalverbote ein.

In der belgischen Hauptstadt geht jetzt erst einmal alles seinen EU-bürokratischen Gang. Andere Gremien müssen sich mit dem Kommissionsentwurf befassen, was noch zu einigen Konflikten führen dürfte. BAYER & Co. haben sich dafür schon einmal in Stellung gebracht und im Falle eines missliebigen Ergebnisses sogar mit gerichtlichen Auseinandersetzungen gedroht. Aber auch die Umweltverbände und kritischen Initiativen haben bereits mit Aktionen begonnen. So hat das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK eine Unterschriften-Aktion an den Start gebracht. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN wird ebenfalls nicht untätig bleiben.

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Redakteur von SWB

Am Donnerstag, 2.7.2015, findet um 17 Uhr im Klinikum Landshut ein Infoabend zum Umgang mit Kindern, nachdem ein Eltern- oder Großelternteil an Krebs erkrankt ist, statt. Veranstaltungsort ist die onkologische Tagesklinik auf Ebene 9 im Klinikum.

Die Diagnose Krebs verändert schlagartig das Leben aller, nicht nur der direkt Betroffenen, sondern auch der Angehörigen. Wie spreche ich mit Kindern über dieses Thema? Schließlich nehmen diese mit ihren feinen Antennen die veränderte Situation in der Familie sofort intuitiv wahr und sorgen sich.

Die Klinik für Onkologie von Chefärztin Barbara Kempf im Klinikum Landshut und das Sozialpädiatrische Zentrum von Dr. Christian Blank im Kinderkrankenhaus St. Marien veranstalten einen gemeinsamen Elternabend zu diesem sensiblen Thema.

Mit Diplompsychologen, Sozialpädagogen und Verhaltenstherapeuten können Eltern über die seelische Belastung der Kinder sprechen. Wie erleben und verarbeiten Kinder in verschiedenen Altersstufen die Tatsache, dass Mama oder Papa an Krebs erkrankt sind? Wie kann man mit Ihnen altersgerecht über Themen wie Leben, Sterben und Tod sprechen?

Aus organisatorischen Gründen wird eine Anmeldung bis zum 30. Juni unter der Telefonnummer 0871/698-12292 oder per Email onkologie@klinikum-landshut.de erbeten.

 

Am Donnerstag, 27.11.2014, findet um 18 Uhr im Klinikum Landshut ein Elternabend zum Umgang mit Kindern, nachdem ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. Veranstaltungsort ist der Raum Hammerbach.

Die Diagnose Krebs verändert schlagartig das Leben aller, nicht nur der direkt Betroffenen, sondern auch der Angehörigen. Wie spreche ich mit Kindern über dieses Thema? Schließlich nehmen diese mit ihren feinen Antennen die veränderte Situation in der Familie sofort intuitiv wahr und sorgen sich.

Die Klinik für Onkologie von Chefärztin Barbara Kempf im Klinikum Landshut und das Sozialpädiatrische Zentrum von Dr. Christian Blank im Kinderkrankenhaus St. Marien veranstalten einen gemeinsamen Elternabend zu diesem sensiblen Thema.

Mit Diplompsychologen, Sozialpädagogen und Verhaltenstherapeuten können Eltern über die seelische Belastung der Kinder sprechen. Wie erleben und verarbeiten Kinder in verschiedenen Altersstufen die Tatsache, dass Mama oder Papa an Krebs erkrankt sind? Wie kann man mit Ihnen altersgerecht über Themen wie Leben, Sterben und Tod sprechen?

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Bild: Symbolbild

Bild v.l.n.r.: Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums Dr. Christian Blank, Chefärztin der Klinik für Hämatologie und Onkologie Barbara Kempf, Therapeutin Bettina Krümmel, Peter Kleinmaier vom Verein Lebensmut und Therapeutin Gisela Feder

Am Donnerstag, 28.08.2014, findet zwischen 8 und 10 Uhr im Klinikum Landshut auf Ebene 9b eine Sprechstunde für von Krebs betroffene Familien statt. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen besondere Unterstützung, wenn Vater oder Mutter an Krebs erkrankt. Das sozialpädiatrische Zentrum am Kinderkrankenhaus St. Marien und die Klinik für Hämatologie und Onkologie haben deshalb eine wöchentlich stattfindende Familiensprechstunde eingerichtet. Das Angebot ist für die Familien kostenlos. Es finanziert sich über Spenden durch den gemeinnützigen Verein Lebensmut. An Donnerstagen in gerade Kalenderwochen stehen die Therapeuten Gisela Feder und Bettina Krümmel von 16 bis 18 Uhr und in ungeraden Kalenderwochen von 8 bis 10 Uhr zur Verfügung.

Um Wartezeiten zu Vermeiden, wird eine Anmeldung unter Tel.: 0871/698-12128 oder Email: onkologie@klinikum-landshut.de erwünscht.