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Gundremmingen

Medienmitteilung 8. April 2020

Fraktion der CSU und der GRÜNEN haben Stellung bezogen

Wo und wie unseren Atommüll lagern?

„Wie soll unser Atommüll für die zum Abklingen der tödlichen Strahlung notwendige Zeit von über 1 Million Jahre sicher isoliert gelagert werden?“ hat die Bürgerinitiative von Deutschlands Ort mit dem am Abstand meisten Atommüll die Fraktionen CSU, FDP, FW, GRÜNE und SPD im Bayerischen Landtag gefragt.

Nachdem wir im April 2019 und im November 2019 von den Fraktionen der CSU und der Freien Wähler Absagen auf unsere Einladungen zur öffentlichen Diskussion der Atommüllfrage bekommen hatten, hatten jetzt beim dritten Anlauf wieder die GRÜNEN und erstmals auch die CSU und die FW für eine Veranstaltung am 7. April zugesagt (FDP und SPD haben nicht reagiert). Da diese Veranstaltung ausfallen muss, haben die CSU-Fraktion durch Ihre Abgeordnete Dr. Petra Loibl und die GRÜNEN durch ihren Abgeordneten Martin Stümpfig schriftlich Stellung bezogen. Die FW wollten sich nicht schriftlich festlegen. Im Anhang die zwei Stellungnahmen:

Vorgeschichte und Einordnung

Eine aktuelle Lehre vom Staatsversagen

In diesen Wochen erleben wir, wie eine Gesellschaft leiden muss, wenn man sich auf eine absehbare Katastrophe nicht vorbereitet. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat schon mit einer Risikoanalyse im Jahr 2012 auf unsere Bedrohung durch eine „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ hingewiesen. Es wurde damals der Verlauf einer „Pandemie in Deutschland modelliert, welcher sowohl bundesrelevant als auch plausibel ist“ (Risikoanalyse Drucksache 17/12051 S.5). Das Ergebnis wurde dem Bundesinnenministerium und dem Bundestag und den Bundesländern übermittelt. Doch die für den Katastrophenschutz verantwortlichen Länder haben nicht gehandelt und beispielsweise Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte für diesen wahrscheinlichen Katastrophenfall bevorratet. Und hatten keine Pläne ausgearbeitet, wie die Infektionswege schnell unterbrochen werden können.

Atommüll: Eine absehbare Katastrophe in Bayern

Der Atommüll entsteht durch die Spaltung von Uran. In Bayern begann die deutsche Atommüllproduktion 1957 im Forschungsreaktor Garching. Es ging im Jahr 1961 weiter mit der Inbetriebnahme des Versuchs-AKW im unterfränkischen Kahl am Main. Der CSU-Politiker Strauß sagte hierzu: „Die friedliche Nutzung der Atomenergie bedeutet denselben Einschnitt in die Menschheitsgeschichte wie die Erfindung des Feuers.“ Und auch das erste bundesdeutsche Groß-AKW wurde in Bayern gebaut und eingeschaltet: Der Block A des AKW Gundremmingen im Jahr 1966. Bayern hat von allen deutschen Bundesländern den meisten Atommüll erzeugt. Bis heute wurde nicht ein Kilogramm entsorgt. Alles wird nur gefährlich oberirdisch zwischengelagert.

Im schwäbischen Gundremmingen, das zwischen Augsburg und Ulm liegt, lagert, wenn man die Radioaktivität als Maßstab nimmt, mit Abstand mehr Atommüll als an jedem anderen Ort in Deutschland. Das oberirdische Zwischenlager ist nicht sicher. So hat es nur eine Wandstärke von 85 Zentimetern und eine Deckenschwäche von 55 Zentimetern. Das ist unverantwortlich gefährlich, wie das Beispiel des Zwischenlagers Lubmin (Greifswald) an der Ostsee zeigt. Das dortige Zwischenlager hat 70 cm dicke Wände und ebenfalls eine 55 cm dicke Decke. Jetzt soll es neu gebaut werden, mit 180 cm dicken Wänden und ebenso dicker Decke. Nachdem wir hierauf den für die Aufsicht des Gundremminger Zwischenlagers verantwortlichen Umweltminister Glauber (FW) hingewiesen haben, hat er uns nur nichtssagend antworten lassen.

Unsere rund 800 Mitglieder starke Bürgerinitiative bedankt sich, dass auch die CSU-Fraktion Stellung bezogen hat. Die Stellungnahme halten wir jedoch für offensichtlich widersprüchlich und insbesondere nicht zielführend. So wird es uns nicht gelingen, den Atommüll weniger gefährlich endzulagern. und die absehbare Katastrophe für unsere Kinder und Enkel zu vermeiden.

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

Foto: Klartext.LA

wenn sich eine Chance bietet, ein AKW schneller abzuschalten, dann sollten wir diese gemeinsam nutzen. .ausgestrahlt möchte dazu beitragen, Atomkraftwerke schneller vom Netz zu bekommen. Und in den letzten Wochen ergeben sich gleichzeitig an verschiedenen Standorten neue Chancen.

Das ist gut, schafft aber ein Problem: Mit den vorhandenen Ressourcen kann .ausgestrahlt nur unzureichend an verschiedenen Standorten gleichzeitig handeln. Wir würden gerne mehr machen – uns fehlt dafür aber schlicht das Geld, kurzfristig etwa 25.000 Euro. Wenn Du unsere Arbeit jetzt mit einer Spende unterstützt, kannst Du dazu beitragen, den Druck für einen schnelleren Atomausstieg zu steigern.

Hier kannst spenden: https://www.ausgestrahlt.de/chancen/

Es tut sich was:

Das Atomkraftwerk Brokdorf ist seit dem 4. Februar vom Netz. Weil Brennstäbe rosten und die Gefahr besteht, dass sie undicht werden, macht die Atomaufsicht in Kiel Druck: „Erst, wenn die Ursache geklärt und ausgeschlossen ist, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt, kommt ein Wiederanfahren des Kernkraftwerks in Betracht“, erklärte der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Wir wollen, je nach Lesart, Habeck den Rücken stärken oder ihn daran hindern, hinter diese eindeutige Aussage zurückzufallen.

Das Atomkraftwerk Philippsburg 2 ist seit dem 23. Dezember vom Netz. Laut dem baden-württembergischen Umweltministerium ist das AKW seit Jahrzehnten nicht gegen Erdbeben und Flugzeugabstürze gesichert. So wie es gebaut wurde, hätte es nie genehmigt werden dürfen. Sowohl der Betreiber EnBW als auch die Atomaufsicht gingen über drei Jahrzehnte von völlig falschen Sicherheitsvoraussetzungen aus. Derzeit wird umgebaut und die Atomaufsicht schaut in den Bauplänen, was sich da sonst noch findet. Auch hier gilt es, die Verantwortlichen zu motivieren, sehr genau hinzuschauen.

Das Atomkraftwerk Gundremmingen verstößt gegen die gesetzlichen Anforderungen. Die notwendigen Voraussetzungen zur Störfallbeherrschung sind nicht gegeben. Das Not- und Nachkühlsystem des AKW ist nicht erdbebensicher. Im Falle eines Erdbebens wäre eine Kernschmelze nicht auszuschließen. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens von anerkannten Reaktorsicherheits-Experten im Auftrag der Grünen, das Anfang März veröffentlicht wurde. .ausgestrahlt fordert gemeinsam mit Bündnispartner*innen und vielen Aktiven: „Wer B sagt, muss auch C sagen“, damit die beiden noch laufenden Blöcke B und C in Gundremmingen noch 2017 abgeschaltet werden.

Die Atomkraftwerke Brokdorf und Lingen bremsen den Ausbau der Windenergie. Sie liegen in Gebieten, in denen der Zubau von Windkraftanlagen laut Netzausbaugebietsverordnung gedeckelt wird, da die Übertragungsnetze überlastet sind. Wären die AKW abgeschaltet, könnte der Wind-Ausbau beschleunigt werden. Das hat auch die Umweltminister*innen-Konferenz erkannt und schlägt vor, die Reaktoren zu drosseln, wenn der Wind kräftig weht. Sieben Bundesländer gehen noch weiter und fordern, dass auf Brokdorf und Lingen keine Reststrommengen aus anderen Kraftwerken übertragen werden dürfen. Das würde dazu führen, dass in Brokdorf statt Ende 2021 schon zwei Jahre früher Schluss wäre. Und Lingen würde statt Ende 2022 schon Mitte 2021 vom Netz gehen. Nötig wäre dazu eine Änderung des Atomgesetzes. .ausgestrahlt will sich dafür einsetzen.

Die Brennelementesteuer wurde Ende 2016 abgeschafft. Seither lohnt sich der Betrieb der Atomkraftwerke wieder für die Betreiber. In den Entwürfen für die Wahlprogramme von SPD und Grünen wird die Wiedereinführung der Steuer in Aussicht gestellt. Das könnte dazu führen, dass das eine oder andere AKW wegen fehlender Wirtschaftlichkeit früher vom Netz geht. Doch Wahlprogramme sind geduldig. .ausgestrahlt ist es nicht. Wir wollen dafür streiten, dass dieses Versprechen umgesetzt wird, wenn eine oder beide Parteien der nächsten Bundesregierung angehören.

All diese Chancen sind nicht riesig. Die atompolitischen Beharrungskräfte sind groß, bis weit in die nominell atomkritischen Parteien hinein. Doch wir wollen nichts unversucht lassen. Wenn Du ermöglichen willst, dass .ausgestrahlt diese Chancen nutzt, dann kannst Du hier spenden: https://www.ausgestrahlt.de/chancen/

Die Ressourcen von .ausgestrahlt werden derzeit auch deshalb knapp, weil wir ja zusätzlich noch an vielen anderen Themen und Projekten dran sind, wie etwa die große Menschenkette am 25. Juni von Tihange bis Aachen, der Widerstand gegen Castor-Transporte auf dem Neckar oder Aufklärung in Sachen Atommüll-Standortsuche.

Ab und an werden wir ja gefragt, ob uns eigentlich angesichts des Atomausstiegs die Arbeit ausginge. Derzeit fühlt es sich genau umgekehrt an: Weil .ausgestrahlt Chancen nutzen will, wird die Arbeit derzeit immer mehr. Nur mit Deiner Unterstützung können wir es schaffen: https://www.ausgestrahlt.de/chancen/

Du möchtest nicht über unsere Webseite spenden? Dann kannst Du auch selbst überweisen an .ausgestrahlt e.V.
IBAN: DE 5143 0609 6720 0930 6400
BIC: GENO DEM1 GLS
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Stichwort: “Chancen nutzen”

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomkraft-erdbebensicherheit-von-akw-gundremmingen-angezweifelt-a-957292.html

 

 

Medienerklärung II 7.3.14

 

 

 

Spiegel online berichtet, dass staatliche GRS feststellte:

AKW Gundremmingen erfüllt Sicherheitsanforderungen nicht

 

Wie heute spiegel online berichtet, beklagt die staatliche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), dass das AKW Gundremmingen die aktuellen Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke im Erdbebenfall nicht erfüllt.

Kritisiert wird auch, dass Deutschlands größtes und gefährlichstes AKW keine im Ernstfall ausreichende Anzahl von Not- und Nachkühlsystemen hat.

Unsere Bürgerinitiative schreit: Unsere Sicherheit ist wichtiger als das Geschäftsinteresse von RWE/LEW!

 

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

 

Medienerklärung v. 7. März 14

 

 

 

Bayerische Atomaufsicht zögert schuldhaft

Abschalten bis Sicherheitsnachweise vorliegen!

 

Existenzielle Sicherheitsnachweise fehlen dem AKW Gundremmingen. Und dennoch greift die verantwortliche Bayerische Atomaufsicht nicht ein. Ohnehin gilt dieses größte Kernkraftwerk Deutschlands wegen seiner zwei veralteten Siedewasserreaktoren als das gefährlichste AKW Deutschlands. Es muss zum Schutze der Menschen mindestens so lange abgeschaltet werden, bis die Sicherheitsnachweise vorliegen.

 

Die am 12. November 13 veröffentlichte Studie „Schwachstellen und Risiken des Kernkraftwerks Gundremmingen unter besonderer Berücksichtigung der beantragten Leistungserhöhung“ hat kurzzeitig die Bayerische Atomaufsicht wach gerüttelt. Bald wurde sogar die Regierung informiert. So berichtete am 10. Dezember 13 die Nachrichtenagentur dpa über die Ansicht des Ministerpräsidenten zu den Gundremminger Gefahren: >> Eine Leistungsausweitung wäre „sehr problematisch, auch wegen der ganzen Sicherheitsinformationen, die wir jetzt über Gundremmingen haben, „ sagte der CSU-Chef.<< Daraufhin zog RWE den bereits seit 1999 laufenden Antrag zur Ausweitung der Leistung zurück. Der AKW Betreiber befürchtete eine Ablehnung durch die Behörde oder spätestens vor Gericht eine Niederlage. Mit PR-Wortgeklingel deckte die RWE-Presseabteilung diesen Rückzug nach 14 Jahren.

 

Die Studie zeigt schwerwiegende Mängel und Gefahren des Gundremminger AKW auf: Die Reaktordruckbehälter sind in einer kritischen Weise konstruiert worden, wie man es heute auf keinen Fall mehr täte. Die beiden Reaktoren verfügen nicht über die für den Ernstfall notwendige Anzahl von Not- und Nachkühlsystemen. Weiterhin wies der Physiker und Professor am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Wiener Universität darauf hin, dass für das AKW Gundremmingen keine ausreichenden Nachweise vorliegen, dass auch extreme Hochwassersituationen und mögliche starke Erdbeben überstanden werden, ohne dass Radioaktivität freigesetzt wird.

 

Eine Bundestagsanfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl brachte zudem Anfang 2014 ans Licht, dass seit Jahren das AKW Gundremmingen Nachweise schuldig ist, dass die heiklen Sumpfsiebe eines Notkühlsystems im Falle einer Leckage im Hauptkreislauf ausreichend funktionieren.

 

Aber die Bayerische Atomaufsicht reagiert nicht. Sie spielt mit dem atomaren Feuer. Wir fordern, dass die beiden Reaktoren wenigstens so lange abgeschaltet werden, bis sie die notwendigen Sicherheitsnachweise vorweisen können! In einem Hochhaus sperrt man auch den Lift, wenn Sicherheitsnachweise fehlen. Wie viel notwendiger ist dies dann bei Deutschlands gefährlichster Industrieanlage!

 

Medienerklärung v. 18.12.13

Atomausweitung im AKW Gundremmingen

„Nicht genehmigungsfähig“

Der Antrag von RWE (LEW) und EON auf Ausweitung der Produktion von Atomstrom und Atommüll in Gundremmingen war nicht genehmigungsfähig.

Nachdem seit 1999 (fälschlich wird manchmal 2001 geschrieben) die zwei Atomkonzerne versucht haben, eine Ausweitung der Leistung in ihrem AKW Gundremmingen genehmigt zu bekommen, haben wir Umweltschützer im Frühjahr 2013 eine Petition gegen dieses gefährliche Vorhaben gestartet. Und wir haben bei einem anerkannten und sehr erfahrenen Fachmann eine Studie über die Risiken des AKW Gundremmingen in Auftrag gegeben.

12. Nov. 13   An der Universität Augsburg stellt Professor Renneberg die Studie „Risiken des Betriebs des Kernkraftwerks Gundremmingen unter besonderer Berücksichtigung der beantragten Leistungserhöhung“ vor. Fazit: „Der Antrag auf Genehmigung der Leistungserhöhung ist nach vorliegender Aktenlage nicht genehmigungsfähig.“

9. Dez. 13     Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 beginnt mit der Sammlung von Unterschriften gegen die Gundremminger Atomausweitung.

10. Dez. 13   Im Bayerischen Landtag überreichen Bund Naturschutz und unsere Bürgerinitiative 27.000 weitere Petitionen und kommen so auf insgesamt 34.000 Petitionen. In diesen fordern wir den Landtag auf, sich gegen die gefährliche Leistungsausweitung auszusprechen und die Staatsregierung in die Pflicht zu nehmen.

13. Dez. 13   Die Bürgerinitiative FORUM fordert RWE (LEW) und EON auf, den Genehmigungsantrag für die Ausweitung der Atomproduktion in Gundremmingen endlich zurückzuziehen.

17. Dez. 13   RWE (LEW) und Eon ziehen den Antrag zurück.

Zusätzliche Gefahren verhindert – aber die Atomanlage in Gundremmingen wird immer riskanter

So konnten wir die zusätzliche Gefahr durch eine Atomausweitung abwenden. Aber die zwei alten Siedewasserreaktoren – die vier in Fukushima zerstörten Anlagen waren auch Siedewasserreaktoren – sind noch in Betrieb. Acht von früher zehn Siedewasserreaktoren wurden in Deutschland bereits still gelegt. Nur die zwei in Gundremmingen laufen noch. Und sie haben sehr schwerwiegende Sicherheitsmängel, wie die Studie von Professor Renneberg aufgezeigt hat: Die Stabilität des Reaktordruckbehälters und somit auch der Einführungen für die Steuerstäbe ist fraglich. Die beiden Gundremminger Blöcke verfügen nicht über die gesetzlich vorgeschriebenen Reserven an Not- und Nachkühlsystemen. Beide Reaktoren könnten heute nicht mehr genehmigt werden. Bald sind sie 30 Jahre alt. Sie sind durch den Betrieb und gerade auch die Neutronenstrahlung abgenutzt und sie sind längst abgeschrieben.

Atommüllentsorgung seit 50 Jahren ungelöst

Man hat sich an das Umweltverbrechen gewöhnt, dass seit Inbetriebnahme des Blocks A in Gundremmingen im Jahr 1966 beim Spalten von Uran und Plutonium hochradioaktiver Atommüll erzeugt wird und noch kein Kilo entsorgt ist. Nimmt man die Radioaktivität als Maßstab, wird täglich in Gundremmingen dreimal so viel Atommüll neu erzeugt wie insgesamt in allen Atommüllfässern im Skandalbergwerk Asse zusammen enthalten ist. In Gundremmingen lagert jetzt gefährlich oberirdisch weit mehr Atommüll als an jedem anderen Ort Deutschlands. Und RWE (LEW) und EON finden seit fünfzig Jahren keine Entsorgung.

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

16.8.13  http://www.fr-online.de/politik/zwischenfall-in-akw-gundremmingen-radioaktive-tropfen,1472596,24032822.html

Politik – 16 | 8 | 2013

Zwischenfall in AKW Gundremmingen

Radioaktive Tropfen

Das Kernkraftwerk Gundremmingen (Archivfoto von 2001).  Foto: dpa

Von Joachim Wille

Weil radioaktiv belastete Wassertropfen austraten, wurde Block B des AKW Gundremmingen vom Netz genommen. Der Zwischenfall stützt die Forderung der AKW-Gegner nach Stilllegung.

In Gundremmingen an der Donau steht Deutschlands leistungsstärkstes Atomkraftwerk. Zwei Reaktorblöcke mit jeweils 1344 Megawatt arbeiten an dem Standort im bayerischen Landkreis Günzburg. Erneut hat es hier einen Zwischenfall gegeben, der für die AKW-Gegner in der Region ein Beleg dafür ist, dass die „veralteten“ Siedewasser-Reaktoren schnellstens stillgelegt werden müssten. Die Stromkonzerne RWE und Eon, denen das AKW gehört, hoffen dagegen sogar auf eine Leistungssteigerung in den beiden Reaktoren.

Derzeit läuft nur Block C, Block B wurde am Mittwoch vom Netz genommen – wegen einer „Tropfleckage“, die bei einer Routinekontrolle festgestellt worden sei, so die Kraftwerksleitung. Pro Minute traten einige Tropfen radioaktiv belastetes Wasser aus einer undichten Einführungsöffnung für eine „Messlanze“ am Reaktordruckbehälter aus. Diese Sonden sind durch die Wand des Behälters gesteckt, um den Neutronenfluss im Reaktor zu erfassen.

Undichtigkeit an Sonden

Um den Defekt zu beheben, muss der Druck in dem 22 Meter hohen, mit 784 Brennelementen und Wasser gefüllten Reaktorbehälter abgebaut werden. Ob der Defekt der bayerischen Atomaufsicht gemeldet werden muss, stand am Freitag noch nicht fest, wie ein RWE-Sprecher auf FR-Anfrage sagte.

Im baugleichen Block C, der nach einer Revision erst in der vorigen Woche wieder ans Netz ging, war im Dezember letzten Jahres ein ähnlicher Defekt festgestellt worden. Auch damals befand sich das Leck an einer Messlanze. Der Reaktor wurde abgeschaltet, das defekte Bauteil ausgetauscht. Nach dem internationalen Meldesystem wurde das Ereignis als Störung der „Stufe 0“ eingestuft: „keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung.“ Auch bei dem jetzigen Ereignis betont die Kraftwerksleitung, es bestehe keine Gefahr für Menschen und Umwelt.

Die AKW-Gegner halten das Vorkommnis trotzdem für bedenklich. Sie weisen darauf hin, dass in dem von der Leckage betroffenen Hauptkreislauf des Reaktors, in dem radioaktives Wasser und radioaktiver Dampf kreisen, ein Druck von 70 Bar und eine Temperatur von fast 300 Grad herrschen. „Die Dichtungen dieser Behälterdurchdringungen werden durch den Druck, die Hitze und die Neutronenstrahlung abgenutzt. Reaktordruckbehälter und Hauptkreislauf müssen jedoch unbedingt dicht bleiben“, argumentiert das „Forum – Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“.
RWE will ausbauen

Entstünde aus der Undichtigkeit ein großes Leck, drohe ein Kühlmittelverlust, warnt die Bürgerinitiative. „Die Spaltelemente würden nicht mehr gekühlt und katastrophal überhitzt.“ Folge könnte bei ausfallender Notkühlung eine Kernschmelze sein.

Offiziell noch bis 2021 in Betrieb

Siedewasserreaktoren haben – anders als die später gebauten Druckwasserreaktoren – nur einen Hauptkreislauf, weswegen das Wasser darin radioaktiv ist. In Gundremmingen stehen die letzten beiden Reaktoren dieses Typs, die anderen acht, die es in Deutschland gab, sind inzwischen abgeschaltet. Block B wird nach den Atomausstiegs-Plänen der Bundesregierung Ende 2017 vom Netz genommen, Block C 2021.

RWE hofft aber immer noch auf eine Genehmigung für eine 1999 beantragte Ausweitung der Atomstrom-Produktion. Den Entwurf hat das bayerische Umweltministerium bereits fertiggestellt, das Bundesumweltministerium hat aber noch nicht zugestimmt. Forum-Vorstand Raimund Kamm sagte der FR, er befürchte, dass dies nach der Bundestagswahl geschehen werde, falls Schwarz-Gelb bestätigt würde.

Die AKW-Gegner fordern den Bund und Bayern auf, „den Antrag nach 14 Jahren Bearbeitung endlich abzulehnen und die beiden Gundremminger Siedewasserreaktoren stillzulegen“. Sie verweisen darauf, dass RWE am selben Tag, als die Störung bekannt wurde, mitteilte, sie wolle wegen zu großer Kraftwerkskapazitäten Anlagen mit 4265 Megawatt stilllegen. Das zeige: „Gundremmingen ist für die Stromversorgung überflüssig.“

Die Pläne von RWE

Der Stromkonzern RWE möchte aus dem AKW Gundremmingen mehr Leistung herausholen, als zu Betriebsbeginn der Blöcke B und C im Jahr 1984 genehmigt wurde. Block A ist seit einem Störfall 1977 abgeschaltet.

Ein erster Antrag zur Leistungserhöhung wurde bereits 1999 gestellt und 2001 durch eine Neufassung ersetzt. Dadurch könnte die elektrische Leistung pro Block von 1244 auf maximal 1300 Megawatt steigen. Wegen zu schwacher konventioneller Teile, etwa der Turbine, würde RWE die Erhöhung vorläufig aber nur zum Teil ausschöpfen.

Eine Leistungserhöhung wird in Siedewasserreaktoren vor allem durch ein schnelleres Umwälzen von Dampf und Kühlwasser bewirkt.

AKW-Gegner warnen, dass dann Brennelemente mit höherer Anreicherung mit Uran 235 oder Plutonium 239 nötig seien. Diese seien in den letzten Jahren auffällig häufig undicht gewesen. (jw)


 

Medienerklärung v. 15.8.13

Block B im alten AKW Gundremmingen undicht

Das AKW ist gefährlich und ist überflüssig

Das AKW Gundremmingen meldet eine Tropfleckage. Diesmal am Reaktordruckbehälter von Block B. Also im Hauptkreislauf, in dem mit einem Druck von 70 Bar und einer Temperatur von fast 300° Celsius das radioaktive Wasser beziehungsweise der radioaktive Dampf kreisen.

Durch die Wand des Reaktordruckbehälters sind Messlanzen gesteckt. Mit den an diesen Messlanzen befindlichen Detektoren wird der Neutronenfluss im Reaktor erfasst. Die Dichtungen dieser Behälterdurchdringungen werden durch den Druck, die Hitze und die Neutronenstrahlung abgenutzt. Reaktordruckbehälter und Hauptkreislauf müssen jedoch unbedingt dicht bleiben! Denn das in ihnen kreisende mal flüssige und mal dampfförmige Wasser hat zwei Aufgaben: Es transportiert die Energie zur Turbine und es kühlt die Spaltelemente. Wenn eine Undichtheit zu einem großen Leck aufriss, das Wasser aus dem Hauptkreislauf strömte und zischte, würden die Spaltelemente nicht mehr gekühlt und katastrophal überhitzt.

Da die veralteten Siedewasserreaktoren im Unterschied zu den später üblichen Druckwasserreaktoren zwar billiger waren aber nur einen Hauptkreislauf haben, ist das Wasser im Hauptkreislauf radioaktiv. Man muss daran erinnern, dass das AKW Gundremmingen als gefährlichstes AKW Deutschlands gilt. Denn es wird mit den letzten zwei von früher einmal zehn deutschen Siedewasserreaktoren betrieben. Sie gehören zur Baulinie (19)72, sind kaufmännisch abgeschrieben und seit 29 Jahren in Betrieb. Baulinie 72 bedeutet, dass sie zu einer Zeit konstruiert wurden, als beispielsweise Deutschlands meist gefahrenes Auto der VW-Käfer war. Bezeichnenderweise haben auch diese Gundremminger Reaktoren wegen ihrer übergroßen Risiken keine ausreichende Haftpflichtversicherung.

Zudem hat das AKW Gundremmingen bis heute nicht erklärt, was im Dezember 2012 die Ursache einer ähnlichen Tropfleckage im Block C war. Und das AKW hat bis heute nicht die Ursachen für die Häufungen von Undichtheiten an den Spaltelementen herausgefunden.

AKW Gundremmingen ist überflüssig

Am selben Tag, an dem RWE die Störung im AKW Gundremmingen melden musste, hat der Konzern verkündet, wegen des Überfluss an Kraftwerken, der zu einem dramatischen Preisverfall an der Strombörse führt, netto 4.265 MW (Megawatt) Kraftwerkskapazität still legen zu wollen. Deutschlands größtes Kernkraftwerk, das AKW Gundremmingen, hat eine Nettokapazität von 2.568 MW. Es ist nicht nur gefährlich sondern für die Stromversorgung überflüssig.

Leistungserhöhung endgültig ablehnen und das AKW stilllegen

Jetzt wollen die Bayerische Staatsregierung und das Bundesumweltministerium aber sogar eine ursprünglich im September 1999 beantragte Ausweitung der Atomstromproduktion im AKW Gundremmingen genehmigen. Ohne besondere Umbauten soll durch schärferes Fahren der Reaktoren die Leistung erhöht werden. Unsere Bürgerinitiative fordert, nach 14 Jahren Bearbeitung dieses Antrags ihn endlich abzulehnen und die beiden Gundremminger Siedewasserreaktoren stillzulegen.

Raimund Kamm (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

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