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Griechenland

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BDS-Präsident Marco Altinger lehnt das dritte Hilfspaket für Griechenland ab. Die Abstimmung zeige, dass der Bundestag mehr Unternehmersachverstand benötigt. Viele „Abweichler“ seien Unternehmer und hätten erkannt, dass man gutem Geld kein schlechtes hinterherwerfen solle.

“Die aktuelle Abstimmung zum dritten Hilfspaket für Griechenland hat gezeigt, dass der Rückhalt für neuerliche Hilfen weiter sinkt. Alle Drohungen seitens der Fraktionsführungen haben nichts genutzt“, sagt der Präsident des Bundes der Selbständigen (BDS) – Gewerbeverband Bayern Marco Altinger. So habe es alleine in der Union 63 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen und 17 Mandatsträger, die ihre Stimme erst gar nicht abgegeben haben.

„Für uns Mittelständer ist dies zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer dafür, dass immer mehr Abgeordnete das Fass ohne Boden nicht mehr stopfen wollen. Ebenso zeigt die Abstimmung, dass es im Bundestag mehr Unternehmer bedarf, da viele der so genannten “Abweichler” selbst Unternehmer waren beziehungsweise sind und mit unternehmerischen Sachverstand und Gewissen gehandelt haben“, so Altinger weiter. Skeptisch macht den Präsidenten von 18.000 Selbständigen und mittelständischen Unternehmern in ganz Bayern vor allem, dass bereits nach Verabschiedung des Paketes Zweifel auftauchen, ob der Umfang des dritten Pakets überhaupt ausreichend sei.

„Anstatt ein Fass ohne Boden wie den griechischen Staatshaushalt zu stopfen, solle der Bundestag lieber Investitionsprogramme für Schulen, Infrastruktur und Digitalisierung anschieben, um den immensen Investitionsbedarf zu decken”, sagt Marco Altinger. „Auch kluge Unternehmer investieren lieber, anstatt von der Substanz zu leben. Dies müsse auch der Bundestag mehr berücksichtigen“, so Marco Altinger abschließend.

-hs-

Nichts, aber auch nichts ist erreicht worden!
Griechenland wird sich in den kommenden 3 Jahren ebenso wenig substantiell ändern wie bisher – zumal es durch das erneute Hilfspaket geradezu bestärkt wurde, seine Mentalität und traditionelle Staatsauffassung nicht ändern zu müssen. Der Euro in Griechenland schafft keinerlei Investitionsanreize, stärkt nicht den Export und reduziert nicht den Import – ein Faktum, das alle Euro-Länder mit schwacher Volkswirtschaft einschließlich Frankreichs bedroht. Man sollte sich nur die Target2 – Salden der Forderungen zu unbezahlten Exporten auf den homepages der Bundesbank oder EZB betrachten!

Der Euro basiert auf der trügerischen Vorstellung, dass durch ihn und die Strukturpolitik der EU alle Staaten/Regionen auf ein gleiches Leistungsniveau gehoben werden. Dass diese Ideologie – wie alle auf einen „neuen Menschen“ gerichteten Ideologien – scheitern musste, war angesichts der tiefgehenden mentalen, kulturellen und historischen Unterschiede vorhersehbar und auch bekannt. Und es ist ja nicht so, dass Völker mit geringerem materiellen Wohlstand deshalb nicht glücklich gewesen sein sollten.

Viele können sich noch an die Zeiten erinnern, wo der französische Franc binnen 10 Jahren 2/3 seines Wertes verloren hatte und die italienische Lira im freien Fall war. Aber die Wirtschaft florierte, F und IT hatten noch halbwegs konkurrenzfähige Industrien, die Straßen in D waren voll von italienischen und französischen Autos, während sich im Gegenzug nur Reiche Importgüter leisten konnten.

Der Euro verhindert die Anpassung des Außenwertes der Währungen an die jeweilige Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften. Der für Viele überbewerte Euro schwächt schwache Volkswirtschaften, deindustrialisiert Nationen und verstärkt den ohnehin laufenden Technologie- und Arbeitsplatzverlust gegenüber der Übermacht von Fernost.  An die Stelle von Selbstregulierung und Eigenverantwortung tritt ein eurokratisches  Umverteilungsmonster mit hohem bürokratischen Aufwand und Fehlleitungs- bzw. Korruptionspotential – vielleicht ist das ja auch Absicht, denn von „Europa“ lebt es sich ganz gut.

Ja, die Griechen sind in Geiselhaft – aber nicht der der Geldgeber, sondern des Dogmas Euro. Und Dogmen sind bekanntermaßen Denkverbote und der Feind der Vernunft.

Im Zivilrecht würden die Beschlüsse vom Wochenende die Tatbestände der Insolvenzverschleppung und des betrügerischen Bankrotts erfüllen. So werden wir uns in 3 Jahren beim Hilfspaket 4 wieder sehen – vermutlich zusammen mit dem Hilfspaket 1 für Italien!

Walter Zepf

z.Zt. Bonn

Deutschland ist einer der größten Geldgeber für das von der Pleite bedrohte Griechenland. Dennoch ist nur wenige Tage nach der Einigung zwischen der Euro-Zone und Athen schnell klar, wer das Feindbild Nummer eins ist: Twitter-User rufen zum Boykott deutscher Produkte auf.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Deutschland den größten Teil seiner Forderungen durchgedrückt habe und die Griechen nun sparen müssen. Was liegt da näher als deutsche Produkte zu boykottieren um die griechische Bevölkerung zu rächen. Der dazu auserkorene Hashtag #BoycottGermany verbreitet sich nun in rasender Geschwindigkeit um die Welt.

Und das die Forderungen: “Angie Merkel, Du ordnest Austerität an, wir boykottieren Deutschland und deutsche Produkte.”, schreibt der eine. Andere Twitterer zählen konkret Produkte von deutschen Firmen auf. Barcodes mit den Ziffern 400 bis 440, sollen gemieden werden. Ob es sich dabei ausschließlich um Produkte mit deutscher Herkunft handelt, bleibt unklar. Selbst der der griechische Außenminister Panos Kammenos teilte einen Aufruf zur Aktion. Ein Zeichen der Annäherung ist dies sicher nicht.

Die deutsche Wirtschaft bleibt indes gelassen. Wir nehmen das ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik”, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. “Solche Aufrufe hat es seit Beginn der Griechenlandkrise immer wieder gegeben. Sie sind weitgehend wirkungslos verpufft.”

Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU). – Foto: Kai-Uwe Heinrich

 

http://www.tagesspiegel.de/politik/csu-europapolitiker-manfred-weber-pegida-sollte-sich-der-debatte-stellen/11180148.html

 04.01.2015 10:00 Uhr

von Albrecht Meier und Hans Monath

Der Fraktionschef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber, glaubt nicht, dass das Abendland am Islam scheitern wird, “den es heute selbstverständlich in Europa gibt”. Dafür fordert der CSU-Politiker im Interview die “Pegida”-Unterstützer zu einer Debatte über die Werte des Abendlandes auf.

Herr Weber, als Sie Anfang der Woche die Nachricht von den Neuwahlen in Griechenland gehört haben, dachten Sie da: Oh Gott, nicht schon wieder?

Ich hatte bis zum Schluss gehofft, dass es gelingt, im griechischen Parlament eine Mehrheit für den Präsidentschaftskandidaten zusammenzubekommen. Das ist nicht gelungen, und deshalb liegt nun eine Phase der Unsicherheit vor uns. Aber ich bin überzeugt, dass die Griechen am Ende vernünftig entscheiden werden.

Und welche Folgen hätte ein Wahlsieg des Chefs des Linksbündnisses Syriza, Alexis Tsipras?

Griechenland hat einen harten, aber erfolgreichen Reformweg hinter sich.

Das ist eine große Leistung von Premier Samaras. Das Programm von Tsipras läuft auf eine Abkehr von Europa hinaus. Das wissen die Griechen auch. In Griechenland ist gelegentlich zu hören, dass es angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahren doch gar nicht mehr schlimmer kommen könne. Es kann aber noch schlimmer kommen, weil fehlendes Vertrauen der Märkte und der Bruch mit Europa Griechenland in eine wesentlich schwierigere Situation stürzen kann.

Auch das „Grexit“-Szenario geistert wieder durch die Debatte. Muss sich die EU darauf vorbereiten, dass es zu einem Euro-Austritt Griechenlands kommt?

Das Programm von Tsipras bedeutet einen Bruch von Vereinbarungen, die der griechische Staat eingegangen ist. Dies würde Auswirkungen auf Zusagen Europas haben…

…und wenn Tsipras als Ministerpräsident dann zur Versorgung der Rentner und Staatsdiener eigenes Geld drucken müsste, dann würde das die Rückkehr zur Drachme und damit den Ausstieg aus dem Euro bedeuten.

Wir beschäftigen uns jetzt mit dem Wahlkampf und nicht mit derartigen Spekulationen. Im Wahlkampf geht es darum, den griechischen Bürgern die Alternativen deutlich zu machen.

Dann schauen wir noch einmal auf Tsipras’ Wahlprogramm. Dazu gehört die Forderung eines Schuldenschnitts. Sollten die Euro-Staaten sich auf einen Schuldenschnitt einlassen, falls Tsipras tatsächlich an die Macht gelangen sollte?

Griechenland muss vertragstreu sein. Deshalb gibt es auch keine Möglichkeit, einen Schuldenschnitt in irgendeiner Form zu diskutieren. Der springende Punkt in Tsipras’ Programm ist aber, dass er mit Ausgaben plant, die jegliche stabile Haushaltsplanung unmöglich machen. Wer heute den griechischen Rentnern und Arbeitslosen Ausgabenprogramme verspricht, der lügt die Menschen an.

Was halten Sie eigentlich von Herrn Tsipras persönlich?

Ich habe Herrn Tsipras kennengelernt. Er ist ein gnadenloser Populist. Er weiß selbst, dass er seine Versprechungen nicht umsetzen kann. Er will an die Macht und ist bereit, dafür den Menschen alles Mögliche zu versprechen.

Wenn man die instabile Lage in Griechenland betrachtet, stellt sich die Frage: Kehrt die Euro-Krise wieder zurück?

Wir können bislang keinen Dominoeffekt feststellen. Die Maßnahmen greifen, die wir in den letzten Jahren gegen eine neuerliche Verschärfung der Euro-Krise getroffen haben – beispielsweise die Errichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus.

Kommen wir zur Debatte über die Protestbewegung „Pegida“. Die Grünen werfen der CSU vor, sie sei mitverantwortlich für das Erstarken von Rechtspopulisten, weil sie Ressentiments gegen Zuwanderer schüre. Haben Sie Anlass zur Selbstkritik?

Im Gegenteil. Es stärkt die Radikalen, wenn man bestehende Probleme aus ideologischen Gründen tabuisiert. Das tun die Grünen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wir haben bei der Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern in Deutschland ein echtes Defizit. Zwei Drittel der Asylbewerber werden nach einem rechtstaatlichen Verfahren abgewiesen, aber wir können sie kaum in ihre Herkunftsländer zurückführen. Das spüren die Bürger auch, dass da etwas nicht stimmt. Deswegen ist es wichtig, die Probleme öffentlich zu benennen und abzustellen. Das stärkt das Vertrauen der Bürger in die Politik und verhindert, dass sie Rechtspopulisten hinterherlaufen.

Die CSU forderte, Zuwanderer sollten sogar in der eigenen Familie Deutsch sprechen, musste das dann aber zurücknehmen. Sie wollen uns sagen, dass solche Botschaften keine Ressentiments gegen Ausländer schüren?

Wir wollen niemandem vorschreiben, wie er zuhause zu reden hat. Wir wollen aber, dass in Deutschland Deutsch gesprochen wird. Auch das ist eine Forderung, die vor zehn Jahren von Grünen und Linksliberalen tabuisiert worden war, aber heute von weiten Teilen der Gesellschaft akzeptiert wird. Was die Grünen angeht: Diese Partei hat ja in Asylfragen gar keine erkennbare gemeinsame Haltung. Im Bundesrat stimmt der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann gemeinsam mit Horst Seehofer für die Einstufung von drei Westbalkan-Ländern als sichere Drittstaaten, während seine Partei uns genau deshalb heftig kritisiert. Die Grünen sollten erst einmal ihre eigene Position klären.

Was halten Sie selbst von den „Pegida“-Demonstrationen?

Ich musste schmunzeln, als ich las, dass in Dresden die Texte von Weihnachtsliedern verteilt wurden. „Pegida“ will offenbar etwas verteidigen, was ihre Anhänger gar nicht so gut kennen. Die „Pegida“ sollte sich einer Debatte stellen, was mit dem christlichen Abendland gemeint ist. Ich denke dabei an die christliche Prägung unseres Kontinents, die auf Menschenwürde und Solidarität fußt. Abendland ist Aufklärung, also Religionsfreiheit und Trennung von Staat und Religion. Das Abendland wird nicht am Islam scheitern, den es heute selbstverständlich in Europa gibt. Viel gefährlicher ist, dass das Wissen darüber verkümmert, was das Abendland ausmacht.

Bayern verlangt einheitliche Regeln für die Flüchtlings- und Asylpolitik in Europa, weil nur fünf von 28 EU-Ländern 70 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen. Wie soll das gehen?

Die Menschen, die hierher fliehen, wollen nicht in einen bestimmten Staat, sondern in den sicheren Hafen Europa. Deswegen muss es uns gelingen, aus der gesamten EU einen Schutzraum für Flüchtlinge zu machen. Beim Thema der Lastenverteilung, die eine Gerechtigkeitsfrage ist, muss die Kommission 2015 konkrete Vorschläge auf den Tisch legen.

Wie soll das aussehen?

Ich halte es für einen sinnvollen Ansatz, bei der Verteilung von Flüchtlingen zu einer festen Quote zu kommen, die sowohl die Einwohnerzahl wie auch die Wirtschaftskraft eines Landes berücksichtigt.

Welche EU-Länder sind da besonders in der Pflicht?

Dazu zählen eine Reihe neuerer Mitgliedstaaten, aber auch Spanien oder Portugal.

Herr Weber, die Ukraine-Krise gilt als Bewährungsprobe für die Außenpolitik der EU. Wie hat sie sich geschlagen?

Das Wichtigste ist, dass Europa geschlossen war. Das muss so bleiben. Wir haben es mit einer historischen Wende zu tun. Russland hat das Völkerrecht gebrochen und gewaltsam Staatsgrenzen verschoben. Deshalb sollten die Sanktionen verlängert oder könnten bei Bedarf sogar verschärft werden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verweist auf die schwierige wirtschaftliche Lage Russlands und fürchtet, dass die EU-Sanktionen das Land destabilisieren. Muss die EU die Sanktionen lockern?

Es war ja gerade das Ziel der Sanktionen, wirtschaftlich Druck auf Russland zu machen. Warum ist man davon jetzt überrascht? Frank-Walter Steinmeier schwächt die Position Europas, wenn er schärfere Sanktionen kategorisch ausschließt. Russland muss auf den Pfad der Partnerschaft der Völker Europas zurückkehren. Es geht nicht nur um die Ukraine. Russland leiht der extremen französischen Rechten von Le Pen Millionen von Euro. Es finanziert die Feinde Europas. Präsident Putin fordert unser europäisches Einigungswerk heraus. Dagegen helfen nur Klarheit und Stärke.

Im März müssen die Sanktionen verlängert werden. Wird sich die EU darauf einigen können, da schon die letzte Sanktionsrunde umstritten war?

Manche europäische Sozialdemokraten stellen den gemeinsamen Weg infrage. Das ist eine bedenkliche Entwicklung, weil sie damit die Einigkeit der EU gefährden. Das tut der SPD-Politiker Steinmeier, das tut der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi. Wir sind alle der Meinung, dass wir Russland weiter mit ausgestreckter Hand begegnen wollen. Aber solange Präsident Putin seinen Kurs nicht ändert, müssen wir die Sanktionen verlängern und notfalls verschärfen können. Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, können wir nicht über eine Aufweichung der Strafmaßnahmen diskutieren.

 

Beschwerdebrief von Stern-Autor WALTER WÜLLENWEBER 

Liebe Griechen!
Kennt Ihr das bei Euch auch, eine Tante, die einem die ganze Kindheit und Jugend                hindurch das Sparschwein füttert? Beim ersten Fahrrad, dem ersten Radio, der ersten Urlaubsreise – immer gibt sie ein paar Scheine dazu. Und dafür verlangt sie nichts weiter als ab und zu mal ein freundliches Dankeschön. Liebe Freunde, dies ist ein Brief von Eurer Geldtante. Keine Angst, Ihr müsst nicht Danke sagen. Das Einzige, was wir uns wünschen, ist: Versetzt Euch mal in unsere Lage.

Seit 1981, seit 29 Jahren, gehören wir zur selben Familie, zur EU. Kein anderes Familienmitglied hat in dieser Zeit so viel Geld in die Gemeinschaftskasse gesteckt wie wir, nämlich netto rund 200 Milliarden Euro. Und pro Nase hat kaum einer so viel bekommen wie Ihr, zusammen netto fast 100 Milliarden. Rund die Hälfte also von dem, was wir in den EUTopf gekippt haben, habt Ihr mit großer Kelle abgeschöpft. Oder anders ausgedrückt: Rein rechnerisch haben wir Deutschen mit den Jahren jedem von Euch Griechen, vom Säugling bis zum Greis, über 9000 Euro geschenkt. Einfach so. War doch nett, oder? Freiwillig hat wohl noch nie ein Volk ein anderes über einen so langen Zeitraum so großzügig unterstützt. Ihr seid fürwahr unsere teuersten Freunde.

Wie es uns dabei ging, in all den Jahren, das habt Ihr nie gefragt. Ich vermute, auch heute brennt Ihr nicht gerade darauf, etwas über unsere Sorgen zu erfahren. Ich erzähle es Euch trotzdem: Unsere Straßen sind so löchrig wie antike Bauwerke, weil uns das Geld für die Instandhaltung fehlt. Bibliotheken und Schwimmbäder werden geschlossen. Manche Städte schalten nachts jede zweite Straßenlaterne aus, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlen können. Im Gegensatz zu Euren steigen unsere Löhne seit der Einführung des Euros praktisch gar nicht mehr. Und jetzt sollen wir auch noch Euch Griechen retten. Die Sorgen um Euch, die haben uns gerade noch gefehlt.

Ihr habt Euch unser Misstrauen redlich verdient: Im Sommer fackelt Ihr regelmäßig dieses schöne Land ab, das Gott Euch geschenkt hat und dann ruft Ihr nach unserer Feuerwehr, weil Ihr es nicht allein gelöscht kriegt. Ihr wollt alle in den öffentlichen Dienst, aber keiner will Steuern zahlen. Wenn auch nur ein Teil der Berichte stimmt, die wir in den vergangenen Wochen lesen mussten, dann seid                Ihr offenbar nur bereit zu arbeiten, wenn Ihr dafür Schmiergeld bekommt. Vor allem Eure Ärzte und das Krankenhauspersonal langen kräftig zu.Ihr betrügt Euch also gegenseitig, wo Ihr nur könnt. Das kann uns egal sein. Doch Ihr betrügt auch uns. Seit vielen Jahren. Das ist uns nicht egal.

Ihr kassiert für mehr Olivenbäume EU-Subventionen, als in Euer Land passen. Offenbar versteht Ihr doch was von Buchführung, denn um die Stabilitätskriterien für den Euro zu erfüllen, habt Ihr Eure Bücher so systematisch und geschickt gefälscht, dass die Brüsseler nichts gemerkt haben. In Wahrheit habt Ihr den Euro nie verdient. Trotz Eurer erschwindelten Daten ist es Euch seit der Einführung des Euro noch nie gelungen, die Stabilitätskriterien zu erfüllen. Um Eure Wirtschaft größer erscheinen zu lassen, habt Ihr Euch 2006 einen hübschen Taschenspielertrick einfallen lassen und kurzerhand die Erlöse aus Geldwäsche,

Rauschgifthandel und Schmuggel in die jährliche Wirtschaftsleistung Eurer stolzen                Nation angerechnet. 

Über Jahrzehnte mehr Geld ausgeben, als man sich erarbeitet, wie selbstverständlich auf Kosten von anderen zu leben, laufend betrügen und tricksen – das kann nicht ewig gut gehen. Irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen. Irgendwann ist jetzt. Streng genommen seid Ihr pleite.

Macht Euch keine Illusionen. Wenn Angela Merkel verspricht, “Griechenland wird nicht allein gelassen”, dann geht es unserer Kanzlerin und uns Deutschen nicht mehr um Euch Griechen. Unsere Sorge gilt allein unserer eigenen Zukunft. Das Unglück ist nur: Wir sind an Euch gekettet.  Wenn Ihr untergeht, zieht Ihr uns mit unter Wasser. Zum Beispiel durch die 300 Milliarden Schulden, die Ihr mit den Jahren aufgetürmt habt. Rund 30 Milliarden davon gehören den Sparern bei deutschen Banken, in Form von Staatsanleihen. Ob Ihr das jemals zurückzahlen werdet? Euretwegen geht der Euro in die Knie. Uns droht die Inflation. Das bedeutet: was deutsche Sparer auf dem Sparbuch oder in Lebensversicherungen für die Zukunft zurückgelegt haben, wird immer weniger wert. Wegen Euch. Solche Gedanken sind Euch natürlich fremd, denn sparen oder investieren ist nicht                Euer Ding. Ihr haut die Euros lieber raus. In der EU seid Ihr Griechen das Volk, das von seinem Geld den größten Anteil für den Konsum verprasst.

Die Regierungschefs der EU haben zwar beschlossen, dass Ihr keine direkten Finanzhilfen bekommen sollt. Erst mal. Doch Ihr braucht Hilfe. Und in der EU bedeutet Hilfe am Ende immer Geld, genauer: unser Geld.

So langsam wird uns Deutschen klar: Zuerst mussten wir die Banken retten, jetzt müssen wir Euch Griechen retten und schließlich alle Länder mit einer Schweinewirtschaft -die “PIIGS”, Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien. Ein Staatsbankrott eines dieser Länder, darin sind sich die Experten ausnahmsweise einig, wäre eine Tragödie, die selbst die Bankenkrise wie ein Lustspiel erscheinen ließe.

Kluge deutsche Staatsrechtler haben schon vor der Einführung des Euro gewarnt: Die Wirtschaftsunion kann ohne die politische Union nicht funktionieren. Sie hatten Recht. Jetzt erkennen wir das dramatische Demokratie-Defizit. Wir Deutschen sind von den Entscheidungen der Regierung Griechenlands abhängig. Aber wir können sie nicht wählen. Ihr Griechen könnt sie wählen, aber Ihr habt ganz andere Interessen. Wir wollen, dass Euer Ministerpräsident Georgios Papandreou sein Sparprogramm durchzieht. Mindestens. Besser wär’s, wenn er beim Reformieren noch einen Zahn zulegte. Aber Ihr wollt das ganz offensichtlich nicht. Ihr macht, was Ihr immer macht: Ihr streikt. Letzte Woche der öffentliche Dienst, nächste Woche alle, Generalstreik.

Liebe, teure Griechen, wenn Ihr nächste Woche auf die Straße geht, dann streikt, dann demonstriert, dann protestiert Ihr nicht gegen Eure Regierung, sondern gegen uns. Dem Zorro, der Euch stets gerettet hat und weiter retten soll, dem versetzt Ihr einen Tritt zwischen die Knie. Liebe griechische Finanzbeamte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern treibt endlich mal die Steuern Eurer Millionäre ein, von denen Ihr bislang fürs Wegschauen so fürstlich entlohnt werdet. 

Liebe griechische Ärzte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern behandelt Eure Patienten. Von jetzt an, ohne vorher um einen Geldumschlag zu bitten. Und dann versteuert einfach Euer Einkommen. Ja, dann könnt Ihr Euch den nächsten Porsche erst ein Jahr später bestellen. Ihr werdet es überleben.

Liebe Rentner Griechenlands, wenn bei uns jemand sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bekommt er nicht mal 40 Prozent seines durchschnittlichen Einkommens als Rente. Damit sind wir auf dem viertletzten Platz der OECD-Länder. Und wer ist auf Platz eins? Richtig: Ihr. Über 95 Prozent Eures durchschnittlichen Einkommens gönnt Ihr Euch als Rente. Um das hinzukriegen, greift Ihr wieder in die Trickkiste: Ihr bezieht einfach die Rentenhöhe nicht aufs ganze Leben, sondern nur auf die letzten drei bis fünf Arbeitsjahre. Darum ist es bei Euch üblich, dass der Arbeitgeber den Lohn am Ende noch mal kräftig erhöht.

Von dem Geld, mit dem wir Euch fast 30 Jahre lang gesponsert haben, gönnt Ihr Euch eine komfortablere Altersversorgung, als wir uns leisten können. Findet Ihr das gerecht? Also, liebe Rentner in Griechenland: Ihr seid die Generation, die diese Misere verursacht hat. Jetzt haltet mal die Füße still, geht nicht demonstrieren, und lasst Eure Regierung die Sparpläne durchziehen.

Und, liebe Bürger Griechenlands, redet Euch nicht damit heraus, Eure Politiker seien allein schuld an der Katastrophe. Ihr habt doch die Demokratie erfunden und solltet wissen, dass Ihr, das Volk, regiert und damit verantwortlich seid. Niemand zwingt Euch, Steuern zu hinterziehen, Schmiergelder anzunehmen, gegen jede vernünftige Politik zu streiken und korrupte Politiker zu wählen. Politiker sind Populisten. Die machen genau, was Ihr wollt. Sicher werdet Ihr jetzt einwenden: Ihr Deutschen, Ihr seid doch auch nicht viel besser. Stimmt. Ein Rentensystem, dem kaum einer noch traut, Beamtenpensionen, von denen niemand weiß, wie sie in der Zukunft bezahlt werden sollen, ein Steuersystem, das so aussieht, als hätten erfahrene Hinterzieher es sich ausgedacht, und vor allem ein Schuldenberg, der irgendwann ins Rutschen gerät und alles unter sich begräbt -genau diese Probleme haben wir auch. Und Ihr seid uns auf diesem Pfad der Untugend nicht so weit voraus, wie viele glauben. Früher habt Ihr Griechen uns den Weg gewiesen, habt der Welt die Demokratie, die Philosophie und das erste Verständnis für Nationalökonomie beigebracht. Jetzt weist Ihr uns wieder den Weg.

Nur ist es diesmal der Irrweg. Da, wo Ihr seid, geht’s nicht weiter.” 

Herzliche Grüße!