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Gesellschaft

CSU: Zunehmende Verrohung der Gesellschaft darf auf keinen Fall akzeptiert werden

 

“Die brutale Gewalttat von Augsburg hat mich betroffen gemacht, wie alle Bayern”, so der Oberbürgermeisterkandidat Dr. Thomas Haslinger (CSU) zu dem Tötungsdelikt an einem Feuerwehrmann in der schwäbischen Großstadt. Er begrüßt daher die Ankündigung des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU), wonach es zu einer Verstärkung der Polizeipräsenz in den Innenstädten und einer angemessenen Erweiterung der Videoüberwa-chung kommen soll.

Die Landshuter CSU betont die Bedeutung der kommunalen Sicherheit als kontinuierliche Aufgabe der Stadtgemeinschaft. “Wir beklagen eine zunehmende Verrohung der Gesell-schaft”, so Haslinger weiter. “Es freut mich daher, mit Marcus Hegele einen Fachmann in Sicherheitsfragen und im Thema Prävention als Stadtratskandidaten gewonnen zu haben!” Hegeles Expertise ist bereits in das Wahlkampfprogramm der CSU für die Kommunalwahl im März 2020 eingeflossen.

Die CSU fordert in Ihrem Wahlprogramm einen Präventionsrat mit allen wichtigen Akteuren, um drohende Brennpunkte bereits im Ansatz anzugehen, die Ausweitung der Videoüberwa-chung an neuralgischen Punkten und eine konsequente Vorgehensweise gegen Menschen, die das friedliche Zusammenleben als Gemeinschaft stören wollen.

 

gez.: Dr. THomas Haslinger

 

Bildquelle: Archiv – Klartext.LA

 

Von Peter Helmes

Die „Frankfurter Schule“ hat den Weg bereitet und uns kollektiv den Verstand vernebelt. Wir scheinen nicht zu merken, was da vor sich geht: Auf mehr oder weniger leisen Sohlen wird unsere Gesellschaft aus den Angeln gekippt und durch eine neue Gesellschaft mit „neuen Menschen“ ersetzt. Bei diesem Umbruch stören tradierte Werte und Überzeugungen. Da geht es zuvörderst den „Säulen der Gesellschaft“ an den Kragen: der Familie sowie dem Staat als Autorität. „Freibier für alle“ heißt jetzt „Freisex für alle(s)“. Da stört die alte Ehe nur und damit auch die Familie. Ein neues Bewußtsein muß her!

Insgesamt ging es der ´68er Bewegung darum, bürgerliche Normen nicht nur infrage zu stellen, sondern aktiv und provokativ zu zerstören. Die gezielte Förderung von “Kindersex” schien z. B. hierfür ein besonders geeignetes Mittel, um eine Gesellschaft zu errichten, in der keine bürgerlichen “Tabus” mehr gelten – und in welcher die Familie weitgehend durch Kommunen ersetzt wird. „Familie“ hatte ausgedient und wurde durch „neue Lebensformen“ ersetzt.

Wie ändert man möglichst unauffällig ein gesellschaftliches System? Indem man über die Umdeutung bedeutsamer sprachlicher Begriffe das kollektive Bewußtsein ändert. Es ist unglaublich, wie unreflektiert wir den auf natürlichen Grundlagen beruhenden, Jahrtausende alten Begriff „Ehe“ mit neuen Inhalten zu füllen bereit sind, weil es politisch angesagt ist und Anpassung die sachliche Diskussionen ersetzt.

Das geht auf das Konto der Grünen und Roten, die weite Teile der verfaßten Institutionen von Kirchen und Bildungsträgern durchsetzt haben. (Interessant in diesem Zusammenhang: In keinem kommunistischen Lande gab oder gibt es Multikulti-Schwärmerei oder Schwulenverherrlichung – geschweige denn “Gender Mainstreaming”. Das hinderte die Stasi aber nicht daran, diese Tendenzen im Westen „zur Zersetzung des Kapitalismus” tatkräftig zu unterstützen.)

„Öffnung der Ehe“

Nach dem irischen Volksentscheid über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wurde in den deutschen Medien und der Politik ein regelrechter Sturm für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare entfacht. Dieser mündete in die Forderung nach der “Ehe für Alle” und die Ankündigung des Landes Niedersachsen, diese “Ehe für Alle” einschließlich vollem Adoptionsrecht über eine Initiative im Bundesrat herbeiführen zu wollen. Mit dieser Forderung hat die gesamte Debatte einen neuen Höhepunkt und eine neue Qualität erreicht, denn der Begriff “Alle” wird (bewußt?) nicht näher eingegrenzt.

Es ist noch gar nicht so lange her, nämlich im Jahre 2001, da hatte der deutsche Gesetzgeber – heute müßte man sagen zynischerweise durch die seinerzeitige Koalition von SPD und GRÜNEN – klar gehandelt und eben nicht die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften geöffnet, sondern in der “eingetragenen Lebensgemeinschaft” ein eigenes Rechtsinstitut geschaffen.

Offensichtlich war den Politikern von SPD und Grünen also noch vor wenigen Jahren bewußt, daß die Ehe so, wie Sie das Grundgesetz in Art. 6 Abs. 1 definiert und unter den Schutz des Staates steht, als Verbindung von Mann und Frau eine besondere Stellung hat. Eine besondere Stellung, weil sie die Keimzelle der Gesellschaft ist, aus der Nachkommen hervorgehen. Konsequent sagt dann auch Artikel 6 Abs. 2 GG: “Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.”

“Fortschritt braucht Vater, Mutter, Kinder” war der Titel des Artikels von Reinhard Müller, der in der F.A.Z vom 27.05.2015 auf diese Zusammenhänge hingewiesen hat. Reinhard Müller wies auch auf die Rechtsprechung durch das Bundesverfassungsgericht hin – und auf Folgen, die eine grundlegende Änderung des Eheverständnisses hätte:

“Zwar bringt auch nicht jede Ehe Kinder hervor, wie Karlsruhe messerscharf beobachtete, doch ist die Verbindung zwischen Mann und Frau nun einmal die einzige, die Kinder hervorbringen kann. Hier geht es nicht um Antidiskriminierung, sondern um Vaterschaft, Mutterschaft und Kindeswohl. Müsste aus einer kompletten Gleichstellung nicht gefolgert werden, Leihmutterschaft auch in Deutschland zu erlauben? Der neue, überparteiliche Leitsatz, der womöglich bald auch im Grundgesetz steht, lautet: Familie ist da, wo Kinder sind. Aber die Samenbank ist nicht die Keimzelle der Gesellschaft.

Im vorletzten Satz des Zitates deutet sich an, wohin der deutliche Kurswechsel von SPD und Grünen, der in der Initiative Niedersachsens zum Ausdruck kommt, wohl führen wird: Zu dem Versuch, das Grundgesetz zu ändern und das grundlegende Verständnis von Ehe und Familie als Verbindung von Vater, Mutter und Kindern und als Keimzelle der Gesellschaft aufzugeben.

Nachdem sie uns in eine ökosozialistische Gesinnungsdiktatur gedrängt haben, wollen sie also jetzt unser traditionelles Familiensystem zerstören. Männer sollen ihre männlichen Eigenschaften ablegen und per Gender-Order der neue „gemischtgeschlechtliche Einheitsmensch“ geschaffen werden.

So man sich noch einen kritischen Kopf bewahrt hat, vernimmt man allenthalben (pflichtschuldigst?) Zustimmung. Ein lauter Chor von Gutmenschen und Neuerern scheint das gesellschaftliche Bewußtsein zu bestimmen. Nur wenige Stimmen stören das Konzert:

„SPD: Kramp-Karrenbauer setzt Homo-Ehe mit Inzucht gleich“

Unter dieser Überschrift vermeldet die dpa (03.06.2015, 16:38 Uhr) schier Unglaubliches: Mit kritischen Äußerungen zur Homo-Ehe habe die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Empörung ausgelöst.

Es gebe in Deutschland bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau, sagte die Katholikin der “Saarbrücker Zeitung”. “Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen”, meinte sie. SPD, Grüne und FDP kritisierten dies scharf.

“Damit erreicht die Debatte über die Ehe für alle einen neuen Tiefpunkt”, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe keinerlei Verständnis dafür, “dass eine CDU-Ministerpräsidentin gleichgeschlechtliche Partnerschaften jetzt mit Inzucht und Polygamie gleichsetzt”. “Das ist ein Schlag ins Gesicht Hunderttausender gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen”, meinte Fahimi.

SPD, Grüne und Linke versuchen über den Bundesrat, eine Mehrheit für einen Vorstoß zur Gleichstellung für homosexuelle Partnerschaften zu organisieren, um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Druck zu setzen. Im Bund sind der SPD wegen der Koalition mit der Union die Hände gebunden. Der Grünen-Politiker Volker Beck meinte ironisch im Kurznachrichtendienst Twitter zur Äußerung Kramp-Karrenbauers: “Nach der #Ehefueralle kommt die Ehe mit Aliens, Goldhamstern, Verwandten.”

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer betonte: “Die Äußerungen von Frau Kramp-Karrenbauer sind eine Unverschämtheit, sie beleidigt Homosexuelle zutiefst. Ich fordere sie auf, sich für ihre Entgleisung zu entschuldigen.”

Die CDU-Ministerpräsidentin sagte in der “Saarbrücker Zeitung” zugleich, bestehende Diskriminierungen zwischen Ehe und der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft müssten abgebaut werden. “Am Ende dieses Prozesses werden wir uns wahrscheinlich auch mit der Frage nach der Volladoption befassen müssen.” Diese lehne sie ab.

Seit Jahren heiße es, daß für die Entwicklung von Kindern Vater und Mutter die beste Konstellation seien. “Gerade diese Frage dürfen wir nicht daran festmachen, ob sich jemand diskriminiert fühlt oder nicht – sondern allein am Kindeswohl”, betonte Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Politikerin ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), der Vertretung katholischer Laien.

Ich gehöre nicht zu den Freunden dieser CDU-Dame, aber in diesem Punkt verdient sie Unterstützung. Sie rudert (nur) hier – leider nicht überall – gegen den Mainstream in Kirche und Gesellschaft, auch als Mitglied des ZK der Deutschen Katholiken. Hätte man doch gedacht, gerade die Kirchen gehörten zu den standfesteten Verteidigern von Ehe und Familie. Weit gefehlt:

EKD-Ratsvorsitzender vom Zeitgeist gelenkt

„Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, spricht sich für eine Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe aus“(Nordbayerischer Kurier 30.05.2015). Daß der oberste Repräsentant der Protestanten mit dieser grundgesetzwidrigen Stellungnahme die christliche Werteordnung in Deutschland nicht nur auf den Kopf stellt, sondern regelrecht bekämpft, scheint ihm nicht bewußt zu sein.

Bekanntermaßen werden im „Römerbrief“ des Apostels Paulus an die Christen zu Rom homosexuelle Handlungen unabhängig vom gesellschaftlichen Kontext unmißverständlich verworfen, was für praktizierende Christen verbindlich ist. Der Paulus-Brief hatte einen entscheidenden Einfluß sowohl auf die Reformation als auch auf die Bekennende Kirche im NS-Staat.

Bedford-Strohm vertraut offensichtlich eher dem Zeit- denn dem Hl. Geist. Seine Stellungnahme entspricht weniger der Bibel als viel eher der Ideologie des Neomarxismus, welcher die Evangelische Kirche durchsetzt und vor allem von den Grünen hineingetragen wurde. Katrin Göring-Eckardt, Spitzenpolitikerin der Grünen Partei, war die Vorsitzende der vorigen EKD-Synode. Ziel des Neomarxismus ist die Abschaffung unserer Kultur und die Desindustrialisierung Deutschlands. Diesem Ziel fühlt sich wohl auch die Evangelische Kirche verpflichtet.

Ein „kardinaler Streit“ auch in der katholischen Kirche

Auch in der katholischen Kirche marschieren die Gesellschaftsveränderer: Wie die US-amerikanisch-katholische Nachrichtenseite LifeSiteNews.com berichtet, hat der – Verzeihung, Eminenz! – Zeitgeistvorläufer und modernistische Kardinal Kasper die am 22. Mai erfolgte Volksabstimmung in Irland zugunsten der gleichgeschlechtlichen “Ehe” verteidigt.

Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera zitiert den vatikanischen Würdenträger dahingehend, homosexuelle Partnerschaften seien bei der letzten Familiensynode “nur ein Randthema” gewesen, aber nun sei es zu einem “zentralen” Thema geworden.

Kasper verteidigte das Ergebnis des Referendums in Irland: “Ein demokratischer Staat hat die Pflicht, den Willen des Volkes zu respektieren”, erklärte er. Wenn die Mehrheit der Menschen dies wünsche, sei der Staat verpflichtet, “derartige Rechte anzuerkennen”.

Sittengesetz contra Rechtspositivmus

Damit neigt der Kurienkardinal offenbar zu einer rechtspositivistischen Auffassung, wonach nicht das natürliche Sittengesetz bzw. “Naturrecht” die entscheidende Grundlage des Rechts darstellt, sondern die jeweiligen Mehrheitsmeinungen bzw. die staatlichen Gesetze. Seine Position widerspricht allerdings der katholischen Lehre vom Vorrang des Naturrechts gegenüber staatlichen Verfügungen, wie dies z. B. hinsichtlich des Abtreibungs(un)rechts deutlich wird: Selbst wenn staatliche Gesetze die vorgeburtliche Kindstötung(!) erlauben, kann die katholische Kirche aufgrund des 5. Gebotes und des natürlichen Sittengesetzes dem niemals zustimmen.

Die Homosexualität habe mit der Ehe nichts zu tun. Es sei darum widersinnig, bei der vatikanischen Familiensynode im Oktober darüber zu debattieren, stellte der römische Glaubenspräfekt klar.

„Ehebegriffsänderung ist Beleidigung Gottes“

Kurz nachdem Kardinal Kasper seine kruden Überlegungen vorgestellt hatte, bekannte Kurienkardinal Gerhard Müller bei einem Kongreß an der University of Social & Medial Culture in Toruń (Polen) am 29. Mai 2015 in gewohnt klarer Form, daß eine Änderung der Definition von der Ehe eine Beleidigung Gottes sei.

Einige Tage zuvor meinte der pensionierte Kardinal Kasper gegenüber der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera, daß das Thema Homosexualität im Zentrum der Familiensynode stehen müsse, weil man angeblich viel zu lange darüber geschwiegen habe. „Wir müssen eine neue Sprache zu finden”, zitiert ihn die italienische Tageszeitung. Bedeutet aber eine neue “Sprache” nicht letztlich auch eine neue Lehre?! (Quelle für beide Kardinals-Meldungen: „Christliches Forum“:charismatismus.wordpress.com/)

www.conservo.wordpress.com

 

 

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23.12.2013 21:00

 

Demokratie zahlt sich aus

Dr Harald Rösch Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Die Mehrheit will, dass Steuersünder bestraft werden und es der Gesellschaft gut geht

In größeren Gemeinschaften halten sich Einzelne nicht immer an die Regeln und nützen oft die Kooperationswilligkeit von anderen aus. Einrichtungen wie die Polizei sollen vor Fehlverhalten wie beispielsweise Steuerbetrug schützen. Doch solche Institutionen entstehen nicht von selbst, denn sie kosten Geld, das jeder Einzelne aufbringen muss. Ein interdisziplinäres Forscherteam unter der Leitung von Manfred Milinski vom Max-Planck Institut für Evolutionsbiologie in Plön hat in einem experimentellen Spiel untersucht, unter welchen Bedingungen solche Institutionen trotzdem entstehen können. Demnach schneidet eine Spielergruppe dann besonders gut ab, wenn sie zuvor aus eigenen „Steuermitteln“ eine übergeordnete Institution eingerichtet hat, die sowohl Trittbrettfahrer als auch Steuersünder bestraft. Allerdings richten die Gruppen nur dann Institutionen ein, die Steuerhinterziehung ahnden, wenn sie dies in einer demokratischen Mehrheitsentscheidung beschlossen haben. Demokratie erlaubt also die Schaffung von Regeln und Institutionen, die zwar individuelle Opfer verlangen, die aber für die Gruppe am besten sind. Die Chancen für eine Einigung auf weltweit gemeinsame Maßnahmen zum Klimaschutz sind demnach unter demokratischen Bedingungen höher.

In den meisten modernen Staaten werden zentrale Institutionen durch öffentliche Steuern finanziert. Dazu müssen aber Steuersünder auch bestraft werden. Ist ein solches System erst einmal etabliert, dann ist das ist auch gut für die Gemeinschaft: Das Zusammenleben wird einfacher, und gemeinsame Normen werden eingehalten. Solche vorteilhaften Institutionen entstehen aber nicht von selbst. Vielmehr muss sich die Gemeinschaft zuvor einig werden, ob eine gemeinsame Bestrafungs-Instanz überhaupt sinnvoll ist, und mit welchen Vollmachten sie ausgestattet werden soll. Dass dies nicht immer gelingt, zeigt sich am Beispiel des Klimaschutzes. Aber wie kann sich eine Gemeinschaft auf sinnvolle Institutionen und Selbstbeschränkungen einigen?

In einem modifizierten Öffentlichen-Güter-Spiel überließen die Max-Planck-Forscher den Teilnehmern die Entscheidung, ob sie mit ihrem Startkapital Steuern für eine Polizei-Institution bezahlen. Zusätzlich können sie Geld in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Die Summe wird anschließend verdreifacht und an alle Teilnehmer ausbezahlt. Wurden zuvor Steuern entrichtet, werden Trittbrettfahrer, die sich nicht am Gruppentopf beteiligt haben, von der Polizei bestraft. Ohne Steuern gibt es jedoch keine Polizei und die Gruppe läuft Gefahr, dass niemand in den gemeinsamen Topf einzahlt.

Bestraft die Polizei sowohl Trittbrettfahrer als auch Steuersünder, dann setzt sich im Experiment schnell kooperatives Verhalten durch. Werden Steuersünder aber nicht bestraft, wendet sich das Blatt: Die Teilnehmer drücken sich vor den Steuern. Ohne Polizei gibt es dann auch keinen Anreiz mehr in den Gruppentopf einzuzahlen. Dadurch sinkt der Gewinn der Gruppenmitglieder. Letztlich profitiert also jeder Einzelne, wenn Steuersünder bestraft werden.

Aber können die Teilnehmer diese Entwicklung vorhersehen? Um dies zu über-prüfen, ließen die Wissenschaftler den Teilnehmern die Wahl: Nun durften die Teilnehmer individuell entscheiden, ob sie einer Gruppe beitreten, in der die Polizei auch Steuersünder bestraft. Alternativ konnten sie eine Gruppe wählen, in der nur die Teilnehmer sanktioniert werden, die nicht in den Gemeinschaftstopf einzahlen. Vor diese Wahl gestellt bevorzugten die meisten eine Gemeinschaft ohne Strafen für Steuersünder – mit der Folge, dass kaum Steuern einbezahlt wurden, und danach auch die Beiträge in den Gruppentopf zurückgingen.

In einer zweiten Versuchsreihe konnten die Spieler stattdessen durch eine demokratische Abstimmung bestimmen, ob die Polizei für alle folgenden Runden bevollmächtigt sein soll, auch Steuersünder oder nur Trittbrettfahrer zu bestrafen. Nun votierten die Spieler eindeutig für Institutionen, bei denen auch Steuersünder bestraft werden. „Menschen sind oft bereit, sich selbst Regeln aufzuerlegen – aber nur wenn sie wissen, dass diese Regeln für alle gelten“, fasst der Erstautor der Studie Christian Hilbe die Ergebnisse zusammen. Durch eine Mehrheitsentscheidung wird sichergestellt, dass alle Teilnehmer in gleicher Weise vom Wahlausgang betroffen sind. Das erleichtert es, Regeln und Institutionen einzuführen, die zwar individuelle Opfer verlangen, die aber für die Gruppe am besten sind.

Dass Mehrheitsentscheidungen besser sind, zeigte sich auch bei den Gewinnen der Teilnehmer: Die Gruppen, die demokratisch wählen konnten, waren kooperativer, und haben deshalb auch höhere Gewinne erzielt. „Demokratie zahlt sich aus – im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Manfred Milinski. „Auch beim Problem der globalen Erwärmung könnte mehr Demokratie sicher nicht schaden.“

Originalveröffentlichung:
Democratic decisions establish stable authorities that overcome the paradox of second-order punishment
Christian Hilbe, Arne Traulsen, Torsten Röhl, and Manfred Milinski
PNAS, 23. Dezember 2013

Kontakt:
Prof. Dr. Manfred Milinski
Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie
Tel: +49-(0)4522 763-254
email: milinski@evolbio.mpg.de

Dr. Christian Hilbe
Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie
Tel: +49-(0)4522 763-237
email: hilbe@evolbio.mpg.de

10.09.2013 10:30

Kosten der Umweltbelastung: Was uns saubere Luft wert sein sollte

Mark Fallak Öffentlichkeitsarbeit
Institut zur Zukunft der Arbeit

Die gesellschaftlichen Kosten von Luftverschmutzung sind offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Darauf deutet eine Studie aus den USA hin, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. Demnach lassen sich durch eine niedrigere Ozonbelastung sowohl die Gesundheitsausgaben als auch die Sterblichkeitsrate spürbar reduzieren. Die Forscher analysierten ein Umweltprogramm, das in Teilen der USA einen Handel mit Emissionszertifikaten und eine Deckelung des Schadstoffausstoßes von Industrieanlagen einführte. In der Folge sank die sommerliche Ozonbelastung drastisch, was zu Einsparungen allein bei Arzneimitteln in Höhe von 900 Millionen Dollar pro Jahr führte.

Im Rahmen des Programms legte die US-Umweltschutzbehörde jährlich eine Obergrenze für den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) fest, die für die Entstehung von bodennahem, gesundheitsschädlichem Ozon als hauptverantwortlich gelten. Im Jahr 2004 durften rund 2.500 betroffene Kraftwerke und Industrieanlagen in den Sommermonaten insgesamt nur noch 650.000 Tonnen Stickoxide ausstoßen. Ab 2005 reduzierte die Behörde die Deckelung auf 550.000 Tonnen pro Sommer. Zugleich führte sie einen Handel mit Emissionszertifikaten ein, der einen Anreiz zur weiteren Senkung der Emissionen bot und Umweltsünder finanziell bestrafte.

Die Autoren der Studie ermittelten neben der Ozonbelastung auch die entstandenen Kosten für “Abwehrmaßnahmen” durch medizinische Behandlung sowie indirekte Folgekosten in Form einer höheren Sterblichkeit. Durch einen Vergleich zwischen den 20 beteiligten Bundesstaaten und dem Rest der USA sowie vor und nach Inkrafttreten des Programms konnten die Wissenschaftler sicherstellen, dass sich die ermittelten Effekte unmittelbar auf das NOx-Programm zurückführen lassen. Jahreszeitliche Unterschiede flossen ebenfalls in die Studie ein.

Das Ergebnis: Durch einen drastischen Rückgang der Emissionen verringerte sich die durchschnittliche Ozonbelastung um mehr als sechs Prozent. Die Zahl der Sommertage mit gefährlich hohen Ozonwerten ging sogar um rund ein Viertel zurück. Da viele der betroffenen Unternehmen im ersten Programmjahr in Umwelttechnologien investiert hatten, sank der NOx-Ausstoß zu Beginn des zweiten Sommers praktisch über Nacht um 35 Prozent. In Folge der geringeren Gesundheitsbelastung reduzierten sich die Gesamtausgaben für Arzneimittel um 1,9 Prozent – das entspricht rund 900 Millionen Dollar jährlich. Eine ebenso hohe Summe kommt noch hinzu, wenn man den “ökonomischen Wert” des menschlichen Lebens mit einrechnet. Denn in den am NOx-Programm beteiligten Regionen gab es pro Sommer im Schnitt 2.200 weniger Todesfälle als sonst, insbesondere in der Altersgruppe über 75 Jahren.

Laut Studie übersteigt der gesellschaftliche Nutzen des Luftreinhaltungsprogramms die Kosten der Emissionsverringerung um mehr als das Doppelte. “In der aktuellen Diskussion um die Förderung grüner Technologien stehen meist die Kosten für Unternehmen und Verbraucher im Vordergrund. Unsere Untersuchung zeigt, dass der Preis unterlassener Umweltschutzmaßnahmen dabei häufig unterschätzt wird”, sagt Mitautor Olivier Deschenes. Der Ökonom von der University of California koordiniert als Programmdirektor den IZA-Forschungsschwerpunkt “Umwelt und Beschäftigung”.

Die englischsprachige Studie ist über die IZA-Homepage abrufbar:

Olivier Deschenes, Michael Greenstone, Joseph S. Shapiro:
Defensive Investments and the Demand for Air Quality: Evidence from the NOx Budget Program and Ozone Reductions
IZA Discussion Paper No. 7557
http://ftp.iza.org/dp7557.pdf

Pressekontakt:
Mark Fallak, IZA
Tel.: (0228) 3894-223
E-Mail: fallak@iza.org


 

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Welche Gesellschaft auf dieser Erde würde sich wohl darüber wundern, dass es eine Partei gibt, die politische Zustimmung dafür erhält, dass sie Verdienst und Einkommen an den Pranger stellt? Wer würde denn eine Partei ablehnen, die Infrastrukturprojekte blockiert und das Fahrrad zur höchsten Mobilitätsstufe erklärt? Wer würde denn schon dagegen sein, dass die aus der Sicht einiger Menschen falsche Meinung weder ausgesprochen noch geschrieben werden darf. Welche Gesellschaft würde sich dagegen wehren, von Ideologen umerzogen zu werden? Wer würde sich denn aufregen, wenn der Erfolg der eigenen Gemeinschaft verneint und schlecht geredet wird? Das müsste eine Bevölkerung sein, die hart für das tägliche Überleben arbeiten muss und die zur Überwindung einer Distanz von 50 Kilometer einen ganzen Tag braucht. Es müsste eine Bevölkerung sein, für welche eine freie Meinungsäußerung nicht selbstverständlich ist und die über Generationen hinweg erleiden musste, was kulturelle Umerziehung bedeutet. Es müsste eine Bevölkerung sein, die für kleinste Verbesserungen ihres Lebensstandards hart kämpfen muss. Gott sei Dank kennen wir solche Sorgen in Deutschland nicht. Wir können uns um die wahren Probleme einer hoch zivilisierten, freiheitlichen Demokratie kümmern und dabei das ökologische Bessermenschenwertesystem erfinden. Im Zeichen der Sonnenblume scheint alles wählbar.

Hinweis:

Alle Grafiken sind vom Bürgerbriefschreiben selbst erstellt und die Weiterverbreitung ist ausdrücklich erwünscht.

Wenn jemand Plakate drucken will soll er sich an post@klartext.LA wenden, dann erstellt der Verfasser passende Druckvorlagen.