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Familie

“Wir brauchen eine starke bayerische Stimme in Berlin”

CSU-Wahlkampfabschluss: MdB Oßner setzt auf Sicherheit, Familie und Infrastruktur

 

Beim offiziellen Abschluss des Bundestagswahlkampfs der CSU in der Region Landshut hat der Bundestagsabgeordnete Florian Oßner am Mittwoch im Gasthaus Oberloher in Geisenhausen seine Anhänger auf die Kernthemen innere Sicherheit, Familienförderung und Infrastrukturausbau eingeschworen. Außerdem ging er auf die Landwirtschaft und die Asylpolitik ein. „In diesen Punkten haben wir von der CSU die Zielmarken gesetzt“, so der 37-Jährige, der den Wahlkreis Landshut-Kelheim seit 2013 im Bundestag vertritt. „Bei diesen Themen geben wir in Berlin die Richtung vor.“

Nach vier guten Jahren für Deutschland, Bayern und die Region Landshut unter der unionsgeführten Bundesregierung wolle die CSU das Land auch in Zukunft mit entscheidenden Impulsen aus dem Freistaat gestalten, erklärte Oßner. Gerade in Sachen innerer Sicherheit sei die Politik gefordert, wie islamistische Terroranschläge und die linksextreme Krawallorgie beim G 20-Gipfel in Hamburg gezeigt hätten. „Gemeinsam mit unserem Spitzenkandidaten Joachim Herrmann stehen wir für bundesweit 15 000 neue Stellen und bessere Ausstattung für die Polizei. Und wir stehen klar hinter den Einsätzen unserer Sicherheitskräfte zu unserem Schutz – im Gegensatz zu politischen Mitbewerbern, die vor allem linke oder auch rechte Täter zu Opfern stilisieren.“

Um größtmögliche Sicherheit zu schaffen, sind laut Oßner auch weiterhin Kontrollen an der deutschen Grenze notwendig. „Solange die EU-Außengrenzen nicht vollständig gesichert werden, müssen wir wissen, wer in unser Land kommt. Das ist unser gutes Recht.“ Denn einen Zustand wie bei der Flüchtlingswelle vor zwei Jahren dürfe es nie mehr geben. Darum sei es nun auch wichtig, den Familiennachzug für Menschen, die nur vorübergehenden Schutz in Deutschland genießen, weiterhin auszusetzen. „Integration kann nur gelingen, wenn es auch für den Rechtsstaat bewältigbar ist. Darauf müssen wir im Sinn unserer Bevölkerung und unserer Kommunen achten.“

 

Kindergelderhöhung, Baukindergeld und Mütterrente II

Für die heimische Bevölkerung wolle sich die Union nach der Bundestagswahl vor allem auch mit einer deutlich stärkeren Familienförderung einsetzen. „Die CSU plant das umfangreichste Unterstützungspaket seit Jahrzehnten“, stellte Oßner heraus. Familien, der Mittelstand und alle Steuerzahler sollen durch einen später greifenden Spitzensteuersatz, der Abschaffung des Solidaritätszuschlags und eine Kindergelderhöhung um 300 Euro pro Kind im Jahr sowie ein Baukindergeld von 12 000 Euro pro Kind entlastet werden. Die kalte Progression wurde bereits in dieser Legislatur abgemildert. Auch die Mütterrente II wolle die CSU erreichen, also die volle rentenrechtliche Anerkennung von Kindererziehungszeiten für Mütter von Kindern, die vor 1992 geboren sind. „Das ist eine Frage der Generationengerechtigkeit und ein Dank für den Dienst, den die fleißigen Frauen unserer Gesellschaft erwiesen haben.“

 

Einsatz für Ohu-Einhausung und Bahnstrecke 

 

In seinem politischen Spezialgebiet habe er als Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages in den vergangenen vier Jahren bereits viel für die Region bewegen dürfen, bilanzierte Oßner. Größter Erfolg sei neben der B 299-Ortsumfahrung bei Weihmichl/Arth sowie Ober- und Unterneuhausen der Weiterbau der B 15 neu über die A 92 hinaus als Ost-Süd-Umfahrung Landshuts, dessen Planung und Finanzierung nun von Seiten des Bundes gesichert ist. „Als Lärmschutz muss nun auch die Einhausung bei Ohu realisiert werden“, so Oßner und ergänzte: „Ich habe Verständnis, dass nun viele – teilweise mit ungemein medialem Getöse – dieses vernünftige Projekt für sich verkaufen. Letztendlich arbeiten aber die Verantwortlichen vor Ort und das Bundesverkehrsministerium seit Jahren an einer pragmatischen Lösung.“ Darüber hinaus sei auch der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Landshut und Plattling auf der Agenda. Zudem sprach sich Oßner klar gegen einseitige Dieselfahrverbote aus, ohne Lösungswege aufzuweisen.

 

Ein zusätzlicher Schwerpunkt zur Verbesserung der Infrastruktur ist laut Oßner, den Glasfaserausbau weiter zu forcieren und die flächendeckende Mobilfunkversorgung in der Region voranzutreiben. In Zeiten der Digitalisierung seien schnelles Internet und lückenloser Handyempfang neben Forschungs- und Bildungsinvestitionen unverzichtbare Standortfaktoren, damit sich der ländliche Raum gegenüber den Großstädten als attraktiver Wirtschaftsraum für Unternehmen und Lebensmittelpunkt für Familien behaupten könne. „Ohne die entsprechende Versorgung sind auch keine modernen landwirtschaftlichen Familienbetriebe möglich, die mit ihren digitalen Lösungen unter anderem einen noch effizienteren und schonenderen Umgang mit den natürlichen Ressourcen gewährleisten.“

 

Abschließend hielt Oßner fest: Die CSU sei die einzig vernehmbare Kraft aus Bayern mit der Chance, wieder stark in den Bundestag einzuziehen. „Wir haben unsere Zentrale in München – alle anderen Parteien haben diese in Berlin.“ Im Gegensatz zu den kleinen Parteien werde man sich nicht dem Überbietungswettbewerb an Wahlversprechen hingeben – und auch nicht daran beteiligen, die Bürger laufend gegeneinander auszuspielen. „Wir lassen uns unsere Heimat nicht ständig schlecht reden – deshalb brauchen wir wieder eine starke bayerische Stimme in Berlin“, bilanzierte Oßner.

 

Bildtext:

Gegen Klientelpolitik: Bundestagsabgeordneter Florian Oßner (Dritter von rechts) mit dem Bundestagslistenkandidaten Dr. Stefan Kluge (Dritter von links) und (von links) Kreisvorstandsmitglied Anna Holzner, JU-Kreisvorsitzendem Hans-Peter Deifel, stellvertretendem Kreisvorsitzenden Josef Klaus und Anna Wolfsecker, Kreisvorsitzende der Frauen-Union im Landkreis Landshut.

 

Am Donnerstag, 2.7.2015, findet um 17 Uhr im Klinikum Landshut ein Infoabend zum Umgang mit Kindern, nachdem ein Eltern- oder Großelternteil an Krebs erkrankt ist, statt. Veranstaltungsort ist die onkologische Tagesklinik auf Ebene 9 im Klinikum.

Die Diagnose Krebs verändert schlagartig das Leben aller, nicht nur der direkt Betroffenen, sondern auch der Angehörigen. Wie spreche ich mit Kindern über dieses Thema? Schließlich nehmen diese mit ihren feinen Antennen die veränderte Situation in der Familie sofort intuitiv wahr und sorgen sich.

Die Klinik für Onkologie von Chefärztin Barbara Kempf im Klinikum Landshut und das Sozialpädiatrische Zentrum von Dr. Christian Blank im Kinderkrankenhaus St. Marien veranstalten einen gemeinsamen Elternabend zu diesem sensiblen Thema.

Mit Diplompsychologen, Sozialpädagogen und Verhaltenstherapeuten können Eltern über die seelische Belastung der Kinder sprechen. Wie erleben und verarbeiten Kinder in verschiedenen Altersstufen die Tatsache, dass Mama oder Papa an Krebs erkrankt sind? Wie kann man mit Ihnen altersgerecht über Themen wie Leben, Sterben und Tod sprechen?

Aus organisatorischen Gründen wird eine Anmeldung bis zum 30. Juni unter der Telefonnummer 0871/698-12292 oder per Email onkologie@klinikum-landshut.de erbeten.

 

Landshut, 11. Dezember 2013

“Ich kämpfe schon sehr lange gegen den Krebs und ich weiß das ich den Kampf irgendwann verlieren werde. Vor dem Tod habe ich keine Angst weil es gibt ein Leben danach, nur wie das aussieht weiß ich leider nicht. Da es mir wahnsinnig schwer fällt meine Kinder zurück zu lassen stehe ich immer wieder auf wenn es mir schlecht geht und ich denke das es zu Ende geht. Ich hänge sehr an meinem Leben und an meinen Kindern, das gibt mir die Kraft weiter zu machen. Ich finde sowieso das jeder sein Leben intensiv Leben sollte weil man nie weiß wann es zu Ende ist. Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu ob wir das wollen oder nicht. Ich würde so gern bei der Einschulung meiner kleinen Tochter 2015 dabei sein, ob ich das schaffe steht noch in den Sternen. Vielleicht darf ich als Engel bei meiner Familie bleiben, so wie man es oft in Filmen sieht 🙂 Der Mittelpunkt meiner Gedanken sind meine Kinder, denn ich will sie nicht alleine lassen. Ich treffe schon viele vorkehrungen damit ich beruhigter bin und weiß was danach passiert bzw wie es weiter geht für meine Kinder und meinem Mann.”

Marion Glashauser               mglashauser@googlemail.com

Wer Marion Glashauser und ihrer Familie einen Gefallen tun möchte kann spenden. Die Spende kommt garantiert – dafür übernehmen ich die persönliche Verantwortung dafür – in voller Höhe bei Frau Glashauser an!

Frau Glashauser wünscht sich beispielsweise Aromatherapien gegen die Schmerzen und einen Wäschetrockner für die Familie, damit mehr Zeit füreinander bleibt.

Konto-Nummer: 822 469 bei der Sparkasse Landshut, BLZ 743 500 00.

Stichwort “Marion Glashauser”

Rudolf Schnur

 

 

 

sueddeutsche.de Bayern

9. August 2013 17:59 Brustkrebs

Lächeln im Angesicht des Totes

Von Dietrich Mittler

Der Brustkrebs ist zurückgekommen. Bereits zum zweitem Mal ist Marion Glashauser erkrankt, ihr bleibt womöglich nicht mehr viel Zeit. Doch unterkriegen lässt sich die Mutter zweier Töchter nicht – noch während der Chemotherapie plant sie ihren Urlaub.

Marion Glashauser schlüpft aus ihren roten Schuhen, gleitet behände in einen Liegestuhl aus grauem Kunstleder und lässt den Blick kurz zur Fensterfront des Behandlungszimmers im Klinikum Landshut streifen, durch die die Mittagssonne hereinscheint. Doch mit den Gedanken ist die 35-Jährige ganz woanders.

Mit einer Luxuslimousine ist sie abgeholt worden – sie, ihr Mann, ihre Töchter. Die Limousine fuhr los, Marion Glashauser wusste nicht wohin, und als sich die Wagentür öffnete, standen da alle ihre Schwestern, die Freunde, die ehemaligen Kollegen vor ihr. Kurz darauf deutete eine ihrer sechs Schwestern auf Fotos aus dem spanischen Urlaubsort Alicante. Dort wird die zweifache Mutter mit ihrer Familie nun Urlaub machen.

Alle haben für sie Geld gesammelt. “Ich könnte immer noch weinen, wenn ich daran denke”, sagt sie. Eine Krankenschwester nickt. Dann prüft sie die Ampullen, die Marion Glashauser auf die Chemotherapie vorbereiten sollen.

Der Krebs ist zurückgekommen, wieder in die rechte Brust. Die Ärzte im Klinikum Landshut haben ihrer Patientin eröffnet, sie könnten außer der Chemotherapie nichts mehr für sie tun. Die Krankheit lasse sich nur noch aufhalten. “Wie lange ich damit leben kann, weiß niemand”, sagt sie. Aber sie sei schon immer eine Kämpferin gewesen.

Nicht unterkriegen lassen

Als Sechsjährige sei sie von einem Auto angefahren worden, und damals hätten die Ärzte ihrer Mutter bedeutet: “Sie müssen jetzt drei Tage warten – entweder sie schafft es, oder sie schafft es nicht.” Die Konfrontation mit dem Tod ist für Marion Glashauser etwas Vertrautes. “Und heute stehe ich immer noch da”, sagt sie, “ich lasse mich vom Krebs nicht unterkriegen. Ich bin viel zu jung für das Ganze.”

Brustkrebs ist mit fast 32 Prozent aller Neuerkrankungen die mit Abstand häufigste Tumorerkrankung. Aus dem erst vor wenigen Monaten präsentierten Bayerischen Krebsbericht geht hervor, dass im Jahr 2010 im Freistaat 10 067 Fälle bekannt wurden – in der weit überwiegenden Mehrzahl bei Frauen. Die Überlebenschancen sind im Vergleich zu früher relativ hoch, 2011 starben in Bayern 2672 der an Brustkrebs erkrankten Patientinnen – das sind 17,9 Prozent. Dass die Zahl nicht höher ist, ist größtenteils ein Verdienst der Früherkennung und der weiterentwickelten Behandlungsmethoden.

Bis zum Jahresende läuft noch die Kampagne der Staatsregierung gegen den Krebstod. Gesundheitsminister Marcel Huber ist der festen Überzeugung, dass mehr Leben gerettet werden könnten. “Bislang nimmt nur knapp jede zweite Frau dieses Angebot wahr”, sagt er. Alle Frauen im Alter von 50 Jahren an, so appelliert er, sollten das “maßgeschneiderte Screening-Angebot nutzen”.

Aber auch jüngere Frauen will Huber in den nächsten Monaten noch für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen gewinnen. Marion Glashauser war 25 Jahre alt, als sie unter der Dusche bemerkte, dass sich bei ihr die rechte Brustwarze nach innen wölbte. Ihre erstgeborene Tochter Celina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal acht Monate alt. Die junge Mutter ging sofort zum Arzt, kurz darauf wurde der Tumor operativ entfernt.

Alle drei Wochen musste Marion Glashauser danach zur Chemotherapie ins Krankenhaus fahren, es folgten Bestrahlungen und eine Hormonbehandlung. Die nachfolgenden Kontrollen im Krankenhaus gaben ihr Zuversicht: keine Metastasen gesichtet, auch die Lymphknoten waren frei. “Ich habe meine Therapie bis zum Schluss durchgezogen und war dann acht Jahre lang krebsfrei”, sagt sie.

Dann, zwei Jahre nachdem ihre zweite Tochter Eva auf die Welt gekommen war, kehrte der Krebs zurück. Diesmal war es ein quälender Husten, der die junge Frau aufmerksam werden ließ. Sie ging zum Arzt, und der sagte: “Das sind die Bronchien.” Da dachte sie sich im ersten Augenblick: “Gott sei Dank.” Dann im nächsten Moment: “Das sind nicht die Bronchien, ich habe Lungenkrebs.” Kurz darauf entdeckte sie an der rechten Brust eine kugelförmige Ausbuchtung. Bei der Mammografie stellte sich heraus: Der Krebs war zurückgekehrt. Und mehr noch: Es hatten sich Metastasen gebildet, zwischen den Lungenflügeln, in der Lunge, in der Leber, im Bauchfell und an der Wirbelsäule.

Die Frage “Warum ich?” hat sich Marion Glashauser nie gestellt. Groll auf das Leben? “Nein, gar nicht”, sagt sie. Nachdem die Krankenschwester den Raum verlassen hat, winkelt sie die Beine an und macht es sich auf dem Behandlungsstuhl bequem. Es wird Stunden dauern, bis die Chemo vorbei ist. Kurz verharrt sie in der Stille. Tropfen um Tropfen gleitet aus der Glasampulle über das Infusionsbesteck hinab zu ihren Venen. Die 35-Jährige schaut ihnen aufmerksam zu. “Es gibt kein Warum”, sagt sie. Solange sie noch auf der Welt sei, wolle sie alle negativen Gedanken von sich und der Familie fernhalten. Schon deshalb, damit sich ihr Mann und die Kinder an gute Zeiten erinnern können.

Die Mädchen wissen um die Krankheit ihrer Mutter. Die Kleine versteht noch nicht wirklich, um was es geht. “Die Große schon”, sagt Marion Glashauser, “sie hat vor drei Jahren ihre Oma väterlicherseits durch Krebs verloren.” Sie weine oft – “auch in der Schule”. So weit es nur geht, hat die junge Mutter vorgesorgt, damit ihre Familie nicht ins Leere fällt – “wenn ich nicht mehr bin”. Am liebsten hätte sie gemeinsam mit ihrem Mann auch gleich noch bei einem Bestattungsunternehmer alles in die Wege geleitet. “Aber das ist einfach zu viel für ihn”, sagt sie.

Ihre Stimme klingt selbst bei diesen Worten ungebrochen. “Man kann da eh nichts ändern”, sagt sie. Manchmal überfallen sie extreme Schmerzen. Einmal waren diese durch die Metastasen im Rücken so heftig, dass sie dachte: Bitte Herr, lass mich sofort tot umfallen! “Aber das macht er ja ned”, sagt sie im niederbayerischen Tonfall.

Keine Krebsgene wie bei Angelina Jolie

Als sie 25 Jahre alt war, hatte Marion Glashauser die Operateure angefleht: “Bitte, nicht die Brust entfernen.” Nach der zweiten Krebsdiagnose entschied sie sich anders, mehr dem inneren Bedürfnis als Erfahrungswerten folgend: Bei bis zu zehn von 100 Brustkrebs-Patientinnen kommt es nach brusterhaltenden Operationen – also Eingriffen, bei denen allein der Tumor entfernt wird – nach zehn Jahren zu neuerlichem Krebsbefall. Wird die Brust ganz entfernt, kehrt der Tumor im Schnitt bei etwa fünf von 100 Frauen zurück.

Marion Glashauser ist bis heute davon überzeugt, dass sie richtig gehandelt habe. “Hätte ich die Brust gleich abnehmen lassen, wäre der Krebs vielleicht anderswo aufgetreten”, sagt sie. An der Brust könne man ihn wenigstens schnell entdecken. Die bei Angelina Jolie gefundenen Krebsgene, welche die US-amerikanische Schauspielerin dazu bewegt hatten, prophylaktisch ihre gesunden Brüste entfernen zu lassen, wurden bei Marion Glashauser nicht entdeckt. “Dafür bin ich dankbar, schon meiner beiden Töchter und der sechs Schwestern wegen”, sagt sie.

Die noch bleibende Zeit will sie bis zum Schluss ausschöpfen – dem Krebs zum Trotz. Zu ihren krankheitsbedingten Einsichten gehört auch, sich selbst mehr Zeit zu schenken und nicht immer nur an die Pflichten zu denken. “Das Leben genießen, das ist das A und O”, sagt sie. Große Sprünge lässt das Familieneinkommen allerdings nicht mehr zu, seitdem sie als Mitverdienerin ausgefallen ist. Es sind kleine Freuden, die sie sich noch leisten kann: mal eine Tasse Kaffee in der Sonne, mal ein Familienausflug in den Biergarten.

Als 25-Jährige hatte Marion Glashauser den Krebs als Zeichen gewertet: Sie beendete umgehend eine unglückliche Beziehung. “Jetzt aber habe ich eine phantastische Familie, ich habe super Kinder, habe einen tollen Mann geheiratet – was soll ich da ändern?”, fragt sie und lacht auf: “Da gibt es nichts zu ändern!”, sagt sie. Jedoch noch vieles zu entdecken – nun erst einmal Alicante. Die Koffer sind gepackt.

URL: http://www.sueddeutsche.de/bayern/brustkrebs-laecheln-im-angesicht-des-todes-1.1742616

Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH

Quelle: SZ vom 09.08.2013/dayk

 

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von Katja Ammon

 

Flexibilität und Mobilität gehören heutzutage mit zu den wichtigsten Eigenschaften, über die der berufstätige moderne Mensch verfügen soll. In so ziemlich jeder Stellenanzeige, vielleicht mal abgesehen von Berufen wie Biolandwirt (m/w) oder Bestatter (m/w), tauchen diese beiden Begriffe auf, und bereits in der Schule und an der Uni wird uns gebetsmühlenhaft eingehämmert, wenn wir nur flexibel und mobil genug sind, wird alles gut und es kann uns nix passieren. Doch was bedeuten diese beiden scheinbaren Garanten für beruflichen Erfolg für unser Leben?

 

Früher spielte sich das Leben der Menschen in engen, starren, vorgegebenen Bahnen ab. Junge Männer ergriffen den Beruf des Vaters. Junge Frauen heirateten ja sowieso und es erwartete sie ein Leben zwischen Kindern, Küche und Kirche. Einzige echte Alternative für Frauen war das Kloster. Für die meisten Menschen klingen diese Lebensperspektiven nicht sehr verlockend und so erkämpften sich die Menschen der Industrienationen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Freiheiten wie die freie Berufswahl und mit steigendem Wohlstand und zunehmender Motorisierung wurden die Menschen auch mobiler. Was früher eine Tagesreise war, konnte nun in etwa einer Stunde bewältigt werden. Früher dauerte eine Reise beispielsweise nach Australien Monate, heute braucht man dafür gerade mal einen Tag.

Doch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und nach dem Untergang des Kommunismus bekam die schöne neue freie Welt erste Kratzer. Nachdem sich die erste Euphorie gelegt hatte, wurde klar, dass skrupellose Glücksritter und mafiöse Organisationen im alten Ostblock das Machtvakuum in atemberaubender Geschwindigkeit gefüllt hatten. In China verpasste sich der alte kommunistische Machtapparat eine kapitalistische Verjüngungskur. Waren und zum Teil auch Dienstleistungen wurden in Osteuropa und Asien nun zu Dumpingpreisen angeboten. Den Menschen in den Industrieländern, die sich bis dahin gute Arbeitsbedingungen und Löhne erkämpft hatten, wurde eingehämmert, sie müssten nun mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern weltweit konkurrieren und leider, leider Verzicht üben, länger bzw. zu allen möglichen und unmöglichen Tageszeiten arbeiten und dabei auch noch weniger verdienen. Hatte man sich bis zu diesem Zeitpunkt für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten und –bedingungen eingesetzt, um den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mehr Selbstbestimmung und Freiheit zu ermöglichen, so verkehrte sich die Flexibilisierung nun um in ihr Gegenteil. Berufstätige hatten jetzt rund um die Uhr auf Abruf bereit zu stehen und gefälligst dann zu arbeiten, wann man es von ihnen verlangte. Schließlich musste der Standort Deutschland erhalten bleiben. Die Erhaltung des Standorts Deutschland erforderte auch eine Flexibilisierung bezüglich der Löhne. Ein Niedriglohnsektor musste her. Außerdem nahm die Anzahl befristeter Arbeitsverträge immer weiter zu. Dies bedeutete ein zusätzliches Drohpotential, denn wer nicht spurt, der bekommt keine Verlängerung des Arbeitsvertrags.

All diese Faktoren haben natürlich gravierende Folgen für das Zusammenleben der Menschen. Wenn in einer Familie oder einem Freundeskreis alle Mitglieder zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten, wird man kaum Zeit für gemeinsame Unternehmungen finden. Durch zunehmende Wochenendarbeit bleibt häufig keine Zeit, um am Samstagabend gemeinsam wegzugehen oder am Sonntag einen kleinen Ausflug zu unternehmen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ständig damit rechnen müssen, kurzfristig einspringen und damit auf Abruf bereit stehen zu müssen, werden es wahrscheinlich nicht wagen, sich weiter von ihrem Wohnort zu entfernen, um stets innerhalb von ein bis zwei Stunden am Arbeitsplatz antanzen zu können. Wer keine oder nur wenige Alternativen hat und es aufgrund schlechter Bezahlung nicht schafft, Rücklagen zu bilden, kann es sich nicht leisten, zu oft nein zu sagen, schon gar nicht, wenn der Arbeitsvertrag befristet ist. So fällt es zunehmend schwer, stabile Beziehungen in der Familie und im Freundeskreis aufrecht zu erhalten, außerdem wird der persönliche Aktionsradius immer kleiner. Befristete Verträge machen es jungen Menschen obendrein schwer bis nahezu unmöglich, eine Familie zu gründen. Junge, gut ausgebildete Frauen fassen beruflich oft erst mit Mitte oder Ende dreißig so richtig Fuß. Die Zeit, die dann noch zum Kinder kriegen bleibt, wird knapp. Außerdem wollen nicht wenige Frauen die gerade erst mühsam gewonnene Festanstellung nicht für Nachwuchs gleich wieder aufs Spiel setzen. Da braucht sich niemand zu wundern, dass immer weniger Kinder zur Welt kommen. Statt über die angebliche demografische Katastrophe zu schwadronieren, sollte die Politik besser dafür sorgen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse zurück zu drängen und jungen Menschen langfristige Perspektiven, sowie eine echte Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf zu ermöglichen.

 

Genau wie die Flexibilität bietet auch die ständig geforderte Mobilität nur auf den ersten Blick gewisse Vorteile. Kamen viele Menschen früher oft höchstens bis zu den Nachbardörfern oder gerade mal in die nächste Stadt, so ist heute jedes Ziel auf der ganzen Welt innerhalb kurzer Zeit und relativ preiswert erreichbar. Die Menschen können reisen, ihren Horizont erweitern, andere Kulturen kennenlernen. Das klingt positiv und ist es auch, so lange die Menschen selbst entscheiden können, ob sie ihren Herkunftsort verlassen möchten und wenn ja, für wie lange Zeit sie wohin gehen wollen. Ein Auslandssemester kann durchaus bereichernd sein, aber nur dann, wenn Studierende dies aus freien Stücken wollen und ein Land wählen, welches sie auch persönlich interessiert. Wer einen Auslandsaufenthalt nur deshalb macht, um seinen Lebenslauf aufzuhübschen, ein Land nur deshalb wählt, weil es prestigeträchtig erscheint oder die Zeit im Ausland so mit Arbeit oder Lernen vollstopft, dass er vom Leben in dem betreffenden Land nichts mitkriegt, der wird nicht viel davon haben. Ähnliches gilt für Auslandspraktika. Business- und Bankenviertel in den großen Metropolen sehen sich doch erschreckend ähnlich und junge Menschen, die ein Praktikum nach dem anderen in den Businesstowern dieser Wirtschafts- und Finanzzentren absolvieren, werden von der landschaftlichen und kulturellen Vielfalt dieser Welt nicht allzu viel sehen. Nach dem Abschluss von Ausbildung und Studium geht es dann weiter mit der Mobilität. Man müsse eben der Arbeit hinterher ziehen und dürfe auch keine Angst vor dem Umzug haben, wird einem ständig eingetrichtert. Für persönliche Vorlieben und Abneigungen bleibt da kein Platz. Bedenklich, wenn man dann alle zwei, drei Jahre den Wohnort wechseln muss, immer dann, wenn man gerade neue Freunde gefunden hat. Stabile Freundschaften aufrecht zu erhalten wird schwierig, E-Mails und virtuelle soziale Netzwerke sind nur ein sehr oberflächlicher Ersatz für den persönlichen Kontakt. Noch schwieriger wird es, wenn man in einer Partnerschaft oder gar einer Familie leben will. Entweder einer der Partner gibt alle eigenen beruflichen Ambitionen auf oder man hetzt quer durch die Weltgeschichte, um sich schlimmstenfalls alle paar Wochen oder gar Monate für wenige Tage zu sehen. Ganz schlimm wird so ein Nomadenleben für Kinder. Sie werden nicht gefragt, wenn sie immer, sobald sie einmal Wurzeln geschlagen und Freunde gefunden haben, aus ihrem Umfeld gerissen werden oder sie ein Elternteil nur alle paar Wochen einmal für kurze Zeit sehen können. Ein stabiles Umfeld und stabile Bindungen sehen anders aus.

 

Menschen, die kein stabiles Umfeld besitzen und keine verlässlichen Bindungen zu Freunden und Familie aufrechterhalten können vereinzeln zunehmend und drohen zu vereinsamen. Außerdem findet eine schleichende Entsolidarisierung der Gesellschaft statt. Entwurzelte Jobnomaden, die sich alle zwei, drei Jahre –oder gar in noch kürzeren Abständen in ein völlig neues Arbeitsumfeld eingewöhnen müssen, neigen häufiger zu Einzelkämpfertum und weniger dazu, mit Kolleginnen und Kollegen ein starke Gemeinschaft zu bilden. Auf den ersten Blick mag dies für die Arbeitgeberseite einen bedeutenden Vorteil darstellen, haben vereinzelte und entwurzelte Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer doch eine deutlich schwächere Verhandlungsposition, von einigen Elitenomaden mal abgesehen. Doch auf den zweiten Blick entstehen auch für die Unternehmen entscheidende Nachteile. Entwurzelte, zum Teil unglückliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unsichere Zukunftsperspektiven haben, werden auf Dauer weniger Leistung bringen als zufriedene Menschen, die sich sicher und geborgen fühlen. Auch die Kosten für zunehmende psychische und psychosomatische Erkrankungen sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Neben dem Anstieg von Burnout- Erkrankungen kann man auch beobachten, dass Menschen verstärkt nach einer Heimat suchen. Dies kann sich ganz harmlos auswirken in der Hinwendung zu regionalen Traditionen und Produkten, wie die neu entdeckte Liebe zur bayerischen Tracht oder zum fränkischen Bier. Aber die Suche nach Heimat kann auch fatale Folgen haben. Menschen, auf der Suche nach Heimat, Sicherheit, Orientierung und Anerkennung zeigen oft eine vermehrte Empfänglichkeit für esoterischen Hokuspokus, die Lehren zweifelhafter bis gefährlicher Religionsgemeinschaften oder politisch extremistische Gemeinschaften. Esoterikmessen, Scientologen, Salafisten, Evangelikale, sowie rechts- und linksextreme Gruppierungen finden regen Zulauf. In manchen Gegenden sind Salafisten, Evangelikale oder Rechtsradikale die einzigen, welche sich um entwurzelte, hauptsächlich männliche Jugendliche kümmern. Diese Gruppierungen geben zunächst Orientierung, Zuwendung und Anerkennung. Abstiegsbedrohte Angehörige der Mittelschicht –etwas mehr Frauen als Männer- mittleren Alters suchen ihr Heil eher bei Heilpraktikerinnen, Gurus, Quacksalbern und obskuren Quellen ominöser Energien und Schwingungen. Mit esoterischer Hilfe, so hoffen sie, sind sie den Herausforderungen eines schrankenlosen Kapitalismus gewachsen, der von ihnen grenzenlose Flexibilität und Mobilität abverlangt. Im Gegensatz dazu wollen Rechtsradikale und Islamisten, die auch sonst relativ viele Gemeinsamkeiten aufweisen, das Individuum nicht fit für den Kapitalismus machen, sondern Wut und Frust der Menschen auf Minderheiten lenken, die anständigen Deutschen bzw. ehrenhaften Muslimen Arbeitsplätze, Frauen etc. wegnehmen.

 

Im Schnitt machen erzwungene Mobilität und Flexibilität die Menschen nicht frei, weltoffen und glücklich, sondern eher ängstlich, engstirnig und unglücklich. Darum bleibt nur, sich vehement dafür einzusetzen dass Flexibilität und Mobilität wieder im Sinne von Selbstbestimmung und echter Freiheit verstanden werden. Die Wahl zwischen Pest, Cholera und vielleicht noch Typhus wird jedenfalls von den meisten Menschen völlig zu recht nicht als Freiheit verstanden. Die Menschen sind nicht dumm und wenn sie sich extremen politischen oder religiösen Gruppierungen verstärkt zuwenden, ist dies hauptsächlich ein Zeichen dafür, dass der Mainstream deutliche Zeichen von Verantwortungslosigkeit und Verwahrlosung aufweist. Ansonsten wären bärtige Zausel, welche predigen, dass Lebensfreude erst im Paradies möglich sei und man auf dem Weg dorthin womöglich auch über Leichen gehen müsse, oder rechtsradikale Spinner mit obskuren und völlig unsinnigen Rassetheorien wohl ziemlich unattraktiv.