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Bundeswehr

22. August 2019 

Wir retten gemeinsam – Tag der Landshuter Hilfsorganisationen 

Landshuts Hilfsorganisationen präsentieren sich am 7. September 

zwischen 10:00 und 15:00 in der gesamten Altstadt und am Ländtorplatz 

Am Samstag den 7. September 2019 präsentieren sich die Landshuter Hilfsorganisationen unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Alexander Putz zwischen 10:00 und 15:00 in der Landshuter Altstadt sowie am Ländtorplatz der interessierten Öffentlichkeit. Freiwillige Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk, Malteser Hilfsdienst, Johanniter-Unfall-Hilfe, der Katastrophenschutz der Stadt Landshut, die Bundeswehr und das Bayerische Rote Kreuz mit der Wasserwacht zeigen in diesen fünf Stunden an meh-reren Stationen Auszüge ihres Könnens und ihrer Arbeitsweise, präsentieren zahlreiche Einsatzfahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände sowie die umfassende Jugendarbeit der jeweiligen Organisationen. 

Allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern bietet sich an diesem Tag die einmalige Gelegenheit, diese Vielfalt an ehrenamtlichen und hauptberuflichen Hilfs- und Rettungsmöglichkeiten “live” zu erleben und mit den Einsatzkräften ins Gespräch zu kommen. Die Hilfsorganisationen werden dabei in der Altstadt zwischen Rathaus und Spiegelgasse sowie im Bereich des Ländtorplatzes präsent sein. 

Der offizielle Beginn wird um 10:00 vor dem Rathaus mit den Grußworten von Oberbür-germeister und Schirmherr Alexander Putz sein. Bereits ab 09:45 spielt dort der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Landshut, der nach den Grußworten alle Ehrengäste und führenden Vertreter der Hilfsorganisationen zur Martinskirche „spielen“ wird, wo um 10:30 gleich die erste große Schauübung (Verkehrsunfall zwischen zwei PKW mit mehreren Verletzten) mit fünf beteiligten Hilfsorganisationen stattfinden wird. 

Wo ist was geboten? 

Während der fünf Stunden Veranstaltungsdauer werden sich in der Innenstadt zahlreiche Einsatzkräfte mit Fahrzeugen und Spezialgerät aufhalten. Im Bereich des Ländtores wird das Tauchbecken des THW Landshut mit Tauchern stationiert sein. Weiter zeigt das THW die Abstützung einer Hauswand und präsentiert gemeinsam mit der Wasserwacht in der Altstadt die Ausrüstung für die Wasserrettung. Dazu kann man an der bayernweiten „Sandsack-Challenge“ teilnehmen.

Die Freiwillige Feuerwehr Landshut wird mit mehreren Fahrzeugen im Bereich der Altstadt und am Ländtor vor Ort sein, und dabei unter anderem Equipment für Gefahrgutunfälle präsentieren. Die Polizei wird am Vorplatz der Residenz sowie in der Residenz mit vielen Fachbereichen vor Ort sein, unter anderem auch mit einem Hubschraubersimulator. Im Innenhof der Residenz wird das Können der Polizeihunde vorgeführt. Der Kreisverband Landshut des Bayerischen Roten Kreuzes, der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter-Unfall-Hilfe werden an mehreren Standorten in der Altstadt das gesamte Spektrum der medizinischen Notfallversorgung darstellen und vorführen. Dazu sind unter anderem ein Defibrillator sowie Spezialfahrzeuge zur Dekontamination von Verletzten und zur Bewältigung von Großschadensereignissen mit mehreren Verletzten mit vor Ort. Mit dabei ist auch der Herzenswunschkrankenwagen. Der Katastrophenschutz der Stadt Landshut und die Bundeswehr präsentieren sich ebenfalls in der Residenz. 

Im Bereich des Wetterhäuschens am Ländtor gibt es einen großen Infostand aller Jugendgruppen, an dem sich interessierte Jungen und Mädchen sowie deren Eltern und Angehörige über die vielfältigen Möglichkeiten der Mitwirkung in den verschiedenen Hilfsorganisationen informieren können. 

Weitere Auszüge (chronologisch) aus dem Programm: 

Nach der großen Schauübung wird der Spielmannszug am Ländtor um 11:00 nochmals ein kurzes Konzert zum Besten geben, ehe dann um 11:30 ebenfalls am Ländtorplatz der Essensverkauf aus der Feldküche der „Schnelleinsatzgruppe Verpflegung des BRK-Landshut“ beginnt. Der Erlös kommt dabei der ehrenamtlichen Arbeit zu Gute. Um 12:00 findet im Innenhof der Residenz eine erste Schauübung der Polizeihunde statt. Um 12:30 folgt eine Wasserrettungsübung auf der Isar, um 13:30 eine Drehleiterrettung der Feuerwehr am Ländtorplatz. Um 14:30 sind wieder die Diensthunde der Polizei in der Residenz zu Gange. Um 15:00 wird die Veranstaltung schließlich enden und der Abbau beginnt. 

Die Freiwillige Feuerwehr, die Polizei, das Technisches Hilfswerk, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Katastrophenschutz, die Bundeswehr und das Bayerische Rote Kreuz mit der Wasserwacht würden sich über zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger sehr freuen. Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt.

Fotos und Grafiken: Feuerwehr Landshut

Kooperation weiter bekräftigt

Weitere Aktionsfelder zur Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit abgesteckt

 

Das Kreisverbindungskommando (KVK) der Bundeswehr im Landkreis Landshut hat erneut seine Zusammenarbeit mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises Landshut bekräftigt. Bei einem Treffen mit Landrat Peter Dreier steckten die militärischen Vertreter um Oberstleutnant der Reserve Stephan Wiesend weitere Felder der Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit (ZMZ) im Landkreis Landshut ab.

Dabei kam auch die mögliche Unterstützungsleistung der Bundeswehr im Fall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest zur Sprache – hier könnte die Bundeswehr vor allem im personellen Bereich eine große Stütze sein, da die zahlreichen notwendigen Untersuchungen beim Ausbruch der Seuche die bereits ohnehin eingeschränkten Kapazitäten im Veterinäramt überfordern könnten. Hier könnten durch das Kreisverbindungskommando Tierärzte der Bundeswehr angefordert werden, um die Arbeit vor Ort zu unterstützen. Landrat Dreier begrüßte den Vorschlag des Oberstleutnants, da in diesem Fall jegliche Unterstützung dringend gebraucht werde.

Weiterhin vereinbarten Landrat und Bundeswehr-Vertreter, regelmäßige Dienstbesprechungen aller „Blaulicht“-Organisationen im Landkreis, mit Feuerwehren, Rettungsdiensten, THW und der Bundeswehr, ins Auge zu fassen. Weiterhin ist im Herbst kommenden Jahres eine groß angelegte Übung im Bereich des Katastrophenschutzes geplant.

 

Bildunterschrift: Bekräftigten beim Besuch im Landratsamt die Kooperation: Vertreter des Kreisverbindungskommandos Landkreis Landshut mit Landrat Dreier

Bei der vergangenen Vorstandssitzung der Schüler Union (SU) Landshut am Samstag dem 16. September fand neben der Ernennung  Lea Gumplingers (15) zur Kreisgeschäftsführerin eine intensive Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht statt. Vielen jungen Erwachsenen ist nicht klar wo ihr Platz in der Welt ist, so bricht jeder dritte Student sein begonnenes Studium ab, dies war zu Zeiten der Wehrpflicht noch nicht der Fall. Konzepte wie ‚Work and Travel’ bieten nur selten eine Möglichkeit zur Selbstfindung nach dem Abitur. Als Folge des G8 beginnen die Jugendlichen teilweise mit 17 Jahren zu studieren, ohne jeglichen Bezug zur Arbeitswelt; ohne sich jemals hierarchischen Strukturen untergeordnet zu haben; und teilweise ohne der dazu benötigen sozialen Reife. Die Bundeswehr würde mit der Wehrpflicht eine Lebenserfahrung bieten, welche niemanden schaden würde. „Wenn ich mich bei den Abiturienten umhöre heißt es oft ‚nach dem Abi schau ich mal’ oder ‚ich weiß noch nicht was ich studieren soll aber ich probier’s mal mit Wirtschaft’, dass kann auf Dauer nicht gut sein“, so die stellv. SU Kreisvorsitzende Magdalena Roßmanith. Der Vorsitzende der Landshuter Schüler Union Johannes Alfery betont: „Wir brauchen in Deutschland einen verbesserten Bezug zu unserer Bundeswehr, es ist des weiteren wichtig das man aus dem behüteten Elternhaus hinaus kommt und Sitte und Ordnung gelehrt bekommt.“

Johannes Alfery
Kreisvorsitzender der Schüler Union Landshut
Stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler Union Bayern
Kreisvize der Jungen Union Landshut Stadt

PM der SU LA vom 17.09.2017

 P1080843  

 Rainer Eppelmann referiert über „25 Jahre Wiedervereinigung – 25 Jahre Armee der Einheit“

Dieses Jahr jährt sich die Wiedervereinigung Deutschlands zum 25. Mal. Dieses glückliche Ereignis sollte nicht im Alltag untergehen. Aus diesem Grunde veranstaltete der BDV (Bund der Vertriebenen) in Verbindung mit der Hanns Seidl Stiftung im Offiziersheim  der Gäubodenkaserne in Feldkirchen-Mitterharthausen  einen Vortragsabend über das Thema 25 Jahre Wiedervereinigung – 25 Jahre Armee der Einheit.

Als Referent konnte der ehemalige Bürgerrechtler und Regime-Kritiker der DDR, Rainer Eppelmann gewonnen werden. Eppelmann wurde am 12.02.1943 in Berlin-Ost als Sohn eines Zimmermanns und einer Schneiderin geboren. Er ist evangelisch, verheiratet und hat fünf Kinder. Nach dem Mauerbau musste er zwangsweise von der Oberschule und arbeitete als Dachdecker-Hilfsarbeiter. Er verweigerte den Wehrdienst und den Fahneneid als Bausoldat, wurde mit acht Monaten Gefängnis bestraft und war danach Bausoldat.

Von 1969 bis 1975 studierte Rainer Eppelmann Theologie an der Predigerschule Paulinum in Berlin , war Pfarrer in der Berliner Samaritergemeinde und zugleich Kreis-Jugendpfarrer in Berlin Friedrichshain. Mit Robert Havemann (ebenfalls Regime-Kritiker) beteiligte er sich an Aktivitäten kirchlicher Friedens- und Menschenrechtsgruppen,  und er war ständig den „Bearbeitungen“ des Staatssicherheitsdienstes der DDR ausgeliefert. Er war Mitbegründer der Partei des Demokratischen Aufbruchs (DA) und DA-Sprecher, war DA-Vertreter am „Zentralen Runden Tisch“,  ab  Februar 1990 Minister ohne Geschäftsbereich in der zweiten Regierung Hans Modrow und ab April 1990 Minister für Abrüstung und Verteidigung in der Regierung Lothar de Maiziére. Der Eintritt in die Christlich Demokratische Union (CDU) erfolgte ebenso in dieser Zeit. Von der Zeit 1990 bis 2005 war Eppelmann Abgeordneter des Deutschen Bundestages, war zwischenzeitlich auch Vorsitzender der Enquete-Kommission  „Aufarbeitung von Geschichte  und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“. Das Amt des Bundevorsitzenden der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft in der CDU, bekleidete er von 1994 bis 2001, war Mitglied des Bundesvorstandes und des Präsidiums der CDU. Seit 1998 bis heute ist Eppelmann Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Rainer Eppelmann erzählte chronologisch die Geschehnisse nach Kriegsende, über das Auseinanderdriften der beiden Deutschland. Auf der einen Seite etablierte sich eine freie soziale Marktwirtschaft, auf der anderen die sogenannte Planwirtschaft. Ein Wettbewerbs-Kampf welches System sich auf Dauer durchsetzen würde, begann. Schon 1953 waren die Arbeiter der DDR nicht mehr einverstanden mit dem System der Gleichschaltung der Menschen. Der erfolgte Aufstand in 800 Städten der DDR wurde mit Hilfe des „Großen  Bruders“ aus der Sowjet-Union niedergeschlagen  Eine große Fluchtwelle in den Westen begann. Jeden Monat waren aus DDR-Sicht 15 000 Menschen abgewandert und geflohen. Der Mauerbau im Jahre 1961 beendete diese Fluchtwelle. Die Aufstände in Ungarn und später in der Tschechoslowakei sowie in den 70er Jahren in Polen, ließen das kommunistische System weiter bröckeln und so kam es im November 1989, bedingt durch Glasnost im großen Sowjet-Reich und durch das ideologische Umdenken in den kommunistisch geführten Satelliten-Staaten zum Abbruch der Mauer in Berlin und zur sogenannten „Wende“. Die Staaten des Warschauer Paktes waren ökonomisch „am Boden“ und die Menschen in diesen Ländern waren der Bevormundung durch die Kommunistische Partei überdrüssig.

Viel politisches Einfühlungsvermögen bei den 2 + 4 Verhandlungen waren notwendig, um die sogenannte „Wende“ in die richtigen Gleise zu bringen. Die Armeen der ehemals beiden deutschen Staaten mussten strukturell verändert werden. Dieses war eine Mammutaufgabe für die verantwortlichen Armee-Führer und zuständigen Politiker. Ein Wunder, dass auch das ohne Verwerfungen innerhalb der Armee zustande kam!

Reiner Eppelmann äußerte zum Schluss seines Vortrages den Wunsch, 93 Jahre alt zu werden, um wenigstens ein Jahr länger in einem demokratisch geführten Staat gelebt zu haben.

In einer intensiven Diskussion wurden weitere Fragen von dem Referenten in seiner eigenen, ruhigen Art abgehandelt und ein letzter großer Applaus für Eppelmann beendete diesen informativen Abend!

 

Am 30. März 1988 stürzte ein Mirage der französischen Luftstreitkräfte weniger als eine Flugsekunde neben den beiden Atomkraftwerken Isar 1 und Isar 2 nahe Reichersdorf in ein Waldstück. Der damals erst 26-jährige Pilot Thierry Millet kam dabei ums Leben. Am 22. September 2013 wurde der Besuch französischer Soldaten bei befreundeten deutschen Reservisten zum Anlaß genommen, zunächst in der Kirche von Niederaichbach, dann am Marterl am Waldrand und später auch an der Absturzstelle selbst dem Geschehen würdig zu gedenken. Der Umstand, dass der Pilot nicht mit dem Schleudersitz ausgestiegen ist, lässt vermuten, dass er das Kampfflugzeug in der letzten Sekunde seines Lebens von den Atomreaktoren weggesteuert hat und damit eine Katastrophe nicht nur für Niederaichbach und Reichersdorf, sondern für unsere Heimat Niederbayern verhindert hat. Diese Version wurde von allen Rednern als die wahrscheinlichste dargestellt. Es lässt sich nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn der Absturz Isar 1 getroffen hätte.

Da die mittlerweile drei atomtechnischen Anlagen (Isar 1, Isar 2 und das Zwischenlager BELLA) im An- und Abbflugbereich des Großflughafens Franz-Josef-Strauß und nach wie vor unmittelbar neben einer NATO-Tiefflugzone liegen, ist die Gefahr immer noch alltäglich gegeben.

Das gute Verhältnis zwischen den französischen Soldaten und den deutschen Reservisten zeigt in erfreulicher Weise, dass sogar “Erbfeinde”, wie sich Frankreich und Deutschland noch vor weniger als 100 Jahren gegenseitig bezeichneten, eines Tages befreunden können, die Greuel der Weltkriege in guter Absicht wach halten und gemeinsam für eine friedliche Zukunft eintreten.

Mögen die Verantwortlichen aus dem Absturz endlich auch ihre Lehren ziehen!

Rudolf Schnur

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Berlin – Sie halten in Afghanistan für unsere Sicherheit den Kopf hin, sind mit schwerem Gerät bei Flutkatastrophen oft die letzte Rettung! Ist Terror jetzt der Dank dafür, dass Bundeswehrsoldaten ihrem Land dienen?

Traurige Wahrheit: Gewalttätige „Antikriegs“-Aktivisten verüben seit Jahren Anschläge auf Einrichtungen der Bundeswehr. Mitten in Deutschland!

DAS SAGEN UNSERE SOLDATEN

  • Major Holger HaseMajor Holger Hase (36), Offizierschule des Heeres, Dresden: „Ich bin erschrocken über die kriminelle Energie der Täter. Wir Soldaten geben im Auslandseinsatz unser Bestes, helfen im Inland, wenn Not am Mann ist. Da sind solche Anschläge besonders bitter. Aber ich weiß, dass sind Einzeltäter. Die Bevölkerung steht hinter uns.“

Mehr als 30 Anschläge sind seit 2010 auf Grundstücke oder Fahrzeuge der Truppe verübt worden, berichtet die „WELT am SONNTAG“.

Die schlimmsten:

► 27. Juli 2013 in Havelberg (Sachsen-Anhalt): Brandanschlag, 16 Panzerfahrzeuge zerstört, Millionenschaden.

► 6. Juni 2012 in Hannover: Brandanschlag, 13 Fahrzeuge zerstört.

► 20. Juli 2009 in Lüneburg: Anschlag auf 12 Fahrzeuge von Post und DHL, weil sie für die Bundeswehr unterwegs waren.

Brennendes Logistik-Zentrum der Bundeswehr
Hannover-Vahrenheide am 6. Juni 2012: Nach einem Anschlag brennt ein Logistik-Zentrum der Bundeswehr völlig aus 

Foto: NonstopNews

Sogar Zulieferer und Partner der Truppe werden immer öfter attackiert.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (59, CDU) in der „WELT am SONNTAG“: „Ich finde es unerhört und skandalös, dass es solche Anschläge gegen die Bundeswehr gibt.“

Soldat im Fluteinsatz
Helfer in Not: ein Soldat im Fluteinsatz an der Elbe im Juni 2013 

Foto: Getty Images

Der Minister vermutet „Linksautonome“ hinter der Gewaltserie. Eine klare Distanzierung gibt es aus der selbst ernannten „Friedensszene“ nicht.

Monty Schädel (44), politischer Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK), zu BILD:

„Ich kann es verstehen, dass Menschen zu solchen Mitteln greifen, weil die Bundeswehr für Krieg und Tote verantwortlich ist. Meine Art der Auseinandersetzung ist es nicht.“

BILD-Recherchen ergaben: Die Antikriegsszene wird immer radikaler, macht selbst vor Gewalt gegen Menschen nicht halt.

Hauptmann Manfred W. zu BILD: „Seit meine Tochter öffentlich gesagt hat, wo ich arbeite, werden wir massiv bedroht.“

Jetzt schlägt auch der Bundestag Alarm. Verteidigungsexperte Florian Hahn (39, CSU) zu BILD: „Ich erwarte die volle Strenge des Rechtsstaates. Hier zerstören gewaltbereite Linksradikale gezielt und mutwillig Bundeswehreigentum und nehmen dabei Personenschäden billigend in Kauf. Das dürfen wir nicht zulassen.“ (jr, jfe, rs)

Quelle: BILD

Logo des Bayerisches Staatsministeriums des Innern
Unions-Innenminister zur Sicherheitspolitik ( 09.07.2013 PM 152/13)
Innenminister des Bundes und der unionsgeführten Länder fordern klare rechtsstaatliche Vorgaben für die Auswertung von Verbindungsdaten – Herrmann: “Wir müssen hier Vorbild sein” – NPD-Verfahren konsequent fortsetzen.

+++ Aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen wie die Bekämpfung des internationalen Terrorismus standen im Mittelpunkt der Konferenz der Innenminister und –senatoren der Union am 8. und 9. Juli, zu der Innenminister Joachim Herrmann nach Nürnberg eingeladen hatte. Teilgenommen hat auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Die Innenpolitiker setzen sich in diesem Zusammenhang auch mit der Diskussion um die Aktivitäten der US-Geheimdienste auseinander. Herrmann: “Wir brauchen klare rechtstaatliche Vorgaben für eine Auswertung von Telekommunikationsdaten im Einzelfall. Für die Praxis der US-Geheimdienste gibt es keinerlei Rechtfertigung. Deren Vorgehen steht im krassen Gegensatz zum bei uns gebotenen Maß an Datenschutz im Sicherheitsbereich. Der Rechtsstaat Deutschland kann dazu international Vorbild und Alternative sein. Andererseits: Wenn Deutschland selbst überhaupt keine eigenen rechtstaatlich einwandfreien Regelungen für die Auswertung von Verbindungsdaten hat, macht es sich von den Informationen andere Nachrichtendienste nur noch abhängiger.” +++

Wie schon bei der Innenministerkonferenz im Mai unterstrichen die Minister die Notwendigkeit eines Verbots der NPD. Joachim Herrmann: “Wir wollen das Verfahren gegen die NPD konsequent fortsetzen. Wir wollen keine Extremisten in diesem Land. Und wir wollen keine mit Steuermitteln finanzierten Parteien, die sich zum Ziel gesetzt haben, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bekämpfen!” Ein weiteres zentrales Thema waren die Auswirkungen des Juni-Hochwassers in weiten Teilen Deutschlands. Die Minister lobten die gute Zusammenarbeit der örtlichen Katastrophenschutzbehörden mit den Kräften von Bundeswehr und THW. “Zivil-militärische Zusammenarbeit bleibt ein Garant für die innere Sicherheit Deutschlands. Katastrophenhilfe durch die Bundeswehr ist ein wesentlicher Baustein in einem effektiven Hilfeleistungssystem”, so der der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier. “Die Neuorganisation der Bundeswehr hat sich bei der Katastrophenhilfe bewährt.”

Mit großer Sorge beobachten die B-Minister den starken Anstieg der Asylbewerberzahlen. Die meisten Asylsuchenden kommen derzeit aus der Russischen Föderation und sind tschetschenische Volkszugehörige. Ihre Anträge werden ganz überwiegend abgelehnt, weil eine politische Verfolgung nicht festgestellt wurde. Die Vielzahl der Anträge führt jedoch zu langen Verfahrensdauern beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das, so betonten die Minister, sei tatsächlich verfolgten Asylsuchenden nicht zuzumuten. Zudem verfestige sich durch die langen Verfahren der Aufenthalt abgelehnter Asylbewerber und erschwere es den Ausländerbehörden, diese Personen auszuweisen.

Innenminister Joachim Herrmann: “Wir dürfen angesichts der weiter steigenden Asylbewerberzahlen keine weiteren Anreize für eine asylfremde Zuwanderung mehr setzen. Eine Abschaffung der Residenzpflicht oder die Abschaffung der Gemeinschaftsunterkünfte kommen aus unserer Sicht nicht in Frage.”

Vor diesem Hintergrund diskutierten die Minister den Gesetzentwurf des Bundesinnenministers zur Modernisierung des Ausweisungs- und Abschiebungsrechts.
Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Gesetzentwurfs für die Bekämpfung salafistischer Aktivisten: “Gewaltbereite Salafisten verbreiten Terror unter dem Deckmantel der Religion. Wer sein Gastrecht in Deutschland missbraucht, muss unser Land wieder verlassen.”

Die Innenminister beschäftigten sich außerdem mit dem Thema der Armutszuwanderung aus EU-Ländern. Sie forderten einhellig die Herkunftsländer dazu auf, die Lebensbedingungen von Minderheiten zu verbessern. Herrmann: “Das Problem der Armutszuwanderung muss an der Wurzel angepackt werden. Die Verantwortung für die Bekämpfung von Diskriminierung und die Integration von Minderheiten trifft die Herkunftsländer. Sie sind Mitglieder der Europäischen Union. Und Sie erhalten Geld von der EU für die Verbesserung der Lebensbedingungen vor allem der Sinti und Roma. Es kann nicht sein, dass die Probleme der Herkunftsländer auf dem Rücken der deutschen Kommunen ausgetragen werden.”


Pressesprecher: Oliver Platzer
Telefon: (089) 2192 -2108
Telefax: (089) 2192 -12721
E-Mail: presse@stmi.bayern.de

 

17. Jun. 2013, 7:27

Diesen Artikel finden Sie online unter

http://www.welt.de/117158006

Welt am Sonntag 16.06.13

An den Rand gedrängt und ausgedünnt. An den Schulen unerwünscht,

an den Unis verspottet. Schulterklopfen? Anerkennung? Nur bei

Hochwasser. Die Bundeswehr wird gern im Ausland und im

Katastrophenfall eingesetzt. An der Heimatfront aber hat sie zu kämpfen.

Von Ulrich Exner, Miriam Hollstein und Simone Meyer, Mitarbeit: Thorsten Jungholt und C.C. Malzahn

Jetzt werden sie wieder gebraucht. Als Sandsackträger, Menschenretter, Hab-und-Gut-

Verteidiger, Anpacker, Notreserve. 100 Liter Regen in 48 Stunden, alle Deiche wackeln.

Land unter zwischen Passau und Lauenburg. Katastrophenalarm, Drecksarbeit. Hoffen,

Bangen und noch ‘ne Schippe drauf.

Also: Her mit der Truppe, Kriseneinsatz Passau, Regensburg, Dresden

(Link: http://www.welt.de/themen/dresden-staedtereise/) , Pirna, Bitterfeld, Magdeburg, Hitzacker, wieder

Lauenburg, sogar die Kanzlerin ist äußerst dankbar. Soldaten waren in der vergangenen

Woche so ziemlich überall hochwillkommen. Aufräumarbeiten in Deggendorf, Dammbruch in

Hohenwarthe, Deicherhöhung in Mühlberg – die Armee ist immer da zur Stelle, wo die

anderen nicht mehr fertig werden mit ihrem Schicksal.

Wenn aber alles vorbei ist, wenn die braune Brühe abgelaufen und der letzte angespülte

Baumstamm von der Weide gezogen ist mit schwerem Gerät; wenn sie also wieder abtreten

können samt ihren verschwitzten Uniformen, dann tun viele so, als gebe es die Bundeswehr

gar nicht mehr. Ein “freundliches Desinteresse” hat der frühere Bundespräsident Horst

Köhler seinen Landsleuten im Umgang mit ihrer Armee unterstellt und mehr

“Aufmerksamkeit, Solidarität und Dankbarkeit für unsere Soldatinnen und Soldaten”

gefordert. Das war 2008.

Fünf Jahre später hat sich an dieser Zustandsbeschreibung wenig geändert. Jedenfalls

sehen das viele Soldaten so, Offiziere, die man anspricht und fragt, wie sie sich fühlen in

ihrer neuen Bundeswehrrepublik Deutschland (Link: http://www.welt.de/themen/deutschland-reisen/) . In

einem Land, in dem es keine Wehrpflicht mehr gibt und immer weniger Kasernen. In dem die

Wege weit werden zum nächsten Kriseneinsatz. Ein Land, in dem man keine übermüdeten

Häuflein junger “Rotärsche” mehr trifft am Sonntagabend im letzten Zug nach irgendwo.

Man werde insgesamt gesehen zwar schon ein wenig freundlicher behandelt als noch zu

Zeiten der alten Bundesrepublik, sagt ein Offizier der “Welt am Sonntag”. Damals, vor 1990,

sei er allein auf weiter Flur gewesen in seiner Klasse mit der Entscheidung für die

Bundeswehr, gegen den Zivildienst. Auf derart geballte Ablehnung treffe man heutzutage

nicht mehr. Aber wirkliches Interesse an der Arbeit der Armee? Respekt, Anerkennung,

vielleicht sogar echte Verbundenheit mit der Armee, wie er sie bei seinen Aufenthalten in

England oder den USA erlebt habe? Keine Spur. “Was man dort erlebt, können Sie mit

unseren Verhältnissen überhaupt nicht vergleichen.”

Unsere Verhältnisse. Aus der Wehrpflichtarmee, mit der fast jeder direkt oder indirekt, über

Freunde, Vereine, die Kaserne nebenan, sei es auch nur durch die Verweigerung oder den

schriftlichen Kontakt mit einem bürokratischen Ungetüm namens Kreiswehrersatzamt

irgendwie verbunden war, ist eine Freiwilligenarmee geworden, die sich mehr und mehr aus

der Fläche zurückzieht; die in vielen Gegenden nicht mehr präsent ist, schon gar nicht in den

großen Städten. In Hamburg (Link: http://www.welt.de/themen/hamburg-staedtereise/) , Berlin

(Link: http://www.welt.de/themen/berlin-staedtereise/) , Köln (Link: http://www.welt.de/themen/koeln-staedtereise/)

begegnet einem heutzutage kaum noch ein Mensch in Uniform, es sei denn, es ist November

und ein paar Versprengte mit Barett sammeln auf dem Markt mal wieder für die

KriegsgraÅNberfürsorge. Die Bundeswehr wollte und sollte eine Armee “in der Mitte der

Gesellschaft” sein. Stattdessen findet man sie immer häufiger an deren äußerstem Rand.

Eine ziemlich versteckte Truppe.

Munster, Heide, Niedersachsen, Niemandsland. Hier ist die olivgrüne Welt noch in Ordnung.

Bernd Schütt, 52 Jahre alter General der Panzertruppen und Kommandeur des hiesigen

Ausbildungszentrums, sitzt beim traditionellen Schützenessen der Gemeinde

selbstverständlich an der großen Ehrentafel, direkt neben dem ersten Gildeherrn. Schütt,

zugleich der Standortälteste, wird heute auch die Festrede halten. Grün-weiße Wimpel über

langer, rustikal gedeckter Tafel, die “Heidejäger” blasen gleich den “Suppenmarsch”.

Munster ist so etwas wie eine Insel der Glückseligen, eine fast perfekte Symbiose zwischen

Armee und Gesellschaft. Viertgrößter Bundeswehr-Standort in Deutschland, das

“Schaufenster des deutschen Heeres”, Garnisonsstadt seit 1983. Rund 16.000 Menschen

leben hier, mehr als 6000 Soldaten arbeiten in einer der fünf Kasernen. In jedem dritten

Haus, mindestens, wohnt einer, der irgendwie mit Militär zu tun hat. Der Bürgermeister hat 32

Die ungeliebte Armee

Die ungeliebte Armee – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – DIE WELT Page 1 of 6

http://www.welt.de/print/wams/article117158006/Die-ungeliebte-Armee.html?config=print 17.06.2013

Jahre als Ingenieur bei der Truppe gearbeitet. Die Vereine leben davon, dass Soldaten nach

dem aktiven Dienst in ihren Vorständen mitwirken.

Also nützt Schütt seine kleine Schützenfest-Rede, um Danke zu sagen, für die

Zusammenarbeit, für die “Gesten des Interesses”. “Diese Solidarität gibt uns den nötigen

Rückhalt und die Kraft, auch schwierige und zum Teil schwierige und gefährliche Zeiten und

Situationen zu überstehen.” Viel mehr erwarten Deutschlands Soldaten gar nicht von ihrem

Land, von ihrer Gesellschaft. Aber das erwarten sie tatsächlich.

Jenseits von Munster ist man von solch Geborgenheit weit entfernt. Zwar genoss die

Bundeswehr laut der jüngsten Studie ihres sozialwissenschaftlichen Instituts im Jahr 2012

bei 34 Prozent der Befragten ein “hohes” und bei 53 Prozent ein “durchschnittliches”

Ansehen. Wenn man die gleichen Personen anschließend danach fragte, wie sie das

Ansehen der Bundeswehr in der Gesellschaft insgesamt einschätzten, dann billigten nur

noch 14 Prozent der Armee ein “hohes” Ansehen zu. “Durchschnittlich” kam bei diesem

Frageansatz auf einen Wert von 66 Prozent, ein “geringes” Ansehen konstatierten 18

Prozent der Befragten. Manch einer wünscht die Truppe dann auch gleich ganz zum Teufel –

auch das hat ja eine gewisse Tradition hierzulande.

Das Robert-Blum-Gymnasium im Westberliner Stadtteil Schöneberg engagiert sich gegen

vieles: gegen Rassismus, gegen Cybermobbing – und gegen die Bundeswehr. Vor zwei

Jahren beschloss die Schulkonferenz, Vertretern der Bundeswehr den Zutritt zu verweigern.

Stolz wird auf der Homepage des Gymnasiums vermerkt, es sei damit “eine der ersten

Schulen Berlins, die sich klar gegen die Präsenz der Bundesarmee in der Schule ausspricht

und deren Werbeangebote deutlich ablehnt”. Darunter steht ein Link zum Jugendverband

des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

Wie es zu dem Schritt kam, will Schulleiter Bernd Fiehn heute nicht mehr erklären. Auf eine

Interviewanfrage reagiert er nicht. Zum Vergleich: In den USA werden öffentlichen Schulen,

die den Besuch der US-Army ablehnen, schon mal die staatlichen Mittel gekürzt. Die Berliner

Schüler, Lehrer, Eltern können dagegen mit einem ordentlichen Maß an Anerkennung

rechnen für ihren Schritt. Zusammen mit zwei weiteren Schulen wurde ihnen der diesjährige

“Aachener Friedenspreis (Link: http://www.welt.de/themen/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels/) ”

zugesprochen.

Der für die Verleihung zuständige Verein begründet die Auszeichnung mit seinem Wunsch,

“ein Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft” zu setzen.

Dem Verein gehören unter anderem die Stadt Aachen, Misereor, der evangelische

Kirchenkreis sowie Vertreter von SPD und Grünen an, Parteien also, die die Bundeswehr-

Soldaten regelmäßig in Kriegseinsätze schicken.

Immerhin, ein für die Bundeswehr ermutigendes Detail gibt es doch am Rande der für den

September geplanten Preisverleihung. Eine der drei ausgezeichneten Schulen hat die

Annahme des Preises abgelehnt: “Wir wollen den Preis ganz einfach nicht und lassen uns

nicht für politische Statements missbrauchen”, teilte Alexandra Haußmann, die Leiterin der

Düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule, dem Friedenspreisverein Anfang dieser Woche

schriftlich mit. Der 2010 gefasste Beschluss der Schulkonferenz gegen die Präsenz von

Bundeswehrvertretern sei “rechtswidrig und gegenstandslos”.

In Offenbach, an der Käthe-Kollwitz-Schule, steht man zum Truppen-Verbot im

Klassenzimmer. Dort heißt es zur Begründung: “Wir wollen nicht, dass unsere Schülerinnen

und Schüler für einen Krieg gegen andere Völker rekrutiert werden. Und wir wollen auch

nicht, dass sich die Bundeswehr als friedensschaffende Kraft anpreisen kann.”

Ein bemerkenswertes Statement einer öffentlichen, aus Steuermitteln finanzierten Institution,

die es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hat, eine andere öffentliche, ebenfalls aus

Steuermitteln finanzierte Institution daran zu hindern, ihrer – von einem demokratisch

gewählten Parlament – gestellten Aufgabe nachzukommen. Man muss das wohl nicht auf

Anhieb begreifen.

Geht es nach den Gegnern der Bundeswehr, werden solche Beispiele Schule machen. Das

bundesweit aufgestellte Bündnis “Schule ohne Militär” gibt auf seiner Website

Handlungsanweisungen. “Ihr sollt an einer Infoveranstaltung der Bundeswehr teilnehmen?

Werdet vielleicht sogar dazu gezwungen durch Androhung von Verweisen oder

Anwesenheitspflicht?”, wird dort gefragt. “Dann seid ihr hier richtig.” Widerstandswillige

Schüler können sich eine Power-Point-Präsentation sowie ein Antragsformular gegen die

Bundeswehrpräsenz an ihrer Schule herunterladen.

Wie wirksam diese Art von Anti-Werbung für die Bundeswehr sein kann, zeigt ein Vorfall am

Berliner John-Lennon-Gymnasium. Dort sollte ein Jugendoffizier auf Einladung eines Lehrers

vor einem Politik-Leistungskurs über das Thema “Terrorismus” referieren. Vereinbart war,

dass er keine explizite Werbung für die Bundeswehr machen würde.

Prompt gründeten Schüler ein “Streikkomitee”. Als der Jugendoffizier morgens die Schule

betreten wollte, musste er einen regelrechten Spießrutenlauf durch ein Spalier von Schülern

absolvieren, die auf Plakaten und Flugblättern eine “bundeswehrfreie Zone” forderten. Die

Begründung des Lehrers, er sei selbst Wehrdienstverweigerer, habe den Offizier aber als

Vertreter eines Verfassungsorgans eingeladen, ließen die Schüler nicht gelten.

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Die ungeliebte Armee – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – DIE WELT Page 2 of 6

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“Das war nur eine kleine Gruppe trotzkistisch gesinnter Schüler”, erklärt tapfer Jochen

Pfeifer, Leiter des John-Lennon-Gymnasiums, den Zwischenfall. Er selbst lade seit Jahren

Jugendoffiziere an seine Schule ein und werde dies auch weiterhin tun. Dass andere

Schulen jegliche Bundeswehrpräsenz verbieten, findet Pfeifer “völlig grotesk”: “Die

Bundeswehr ist kein Privatunternehmen, sondern eine staatliche Organisation unter

parlamentarischer Kontrolle.”

Von so viel Einsicht war man Anfang April an der Berliner Humboldt-Universität weit entfernt.

Dort scheiterte der Versuch Thomas de Maizières kläglich, einen Gastvortrag zum Thema

“Armee der Einheit – der Beitrag der Bundeswehr zum gesellschaftlichen Zusammenhalt” zu

halten. Der Verteidigungsminister, noch frei von den Belastungen des Drohnen-Desasters,

wurde von den Studenten niedergeklatscht und mit Sprüchen der plumperen Sorte (“Nie

wieder Krieg. Nie wieder Deutschland”) niedergebrüllt. Vergleichbares hatte es zuvor bereits

an der Uni Leipzig gegeben, wo de Maizière aber immerhin noch eine 20-minütige

Diskussion über die Aufgaben der Truppe durchsetzen konnte.

Ein anderes Beispiel für die Abneigung der institutionalisierten Bildungsrepublik Deutschland

gegen ihre eigenen Militär-Dienstleister liefert die Zivilklausel-Bewegung in der deutschen

Hochschul-Szene. Ihre Protagonisten wollen möglichst viele Universitäten davon

überzeugen, auf Lehre und Forschung für militärische Zwecke zu verzichten. In

Niedersachsen galt eine entsprechende Verpflichtung schon einmal flächendeckend. Damals

hieß der amtierende Ministerpräsident Gerhard Schröder.

Heutzutage gelten Zivilklauseln unter anderem in Tübingen, Köln, Göttingen und Frankfurt

am Main. In der dortigen Goethe-Universität hat im März nach dem Hochschulrat und dem

Senat auch das Präsidium der Universität die Zivilklausel verabschiedet. Max Rudel, beim

AStA der Universität zuständiger Referent, freut sich: “Militärforschung hat an den

öffentlichen Hochschulen keinen Platz.” Und die Vizepräsidentin der Universität, Professorin

Tanja Brühl, ergänzt: “Ich freue mich, dass das universitäre Bekenntnis zur Friedfertigkeit in

der Goethe-Universität einen so großen Widerhall findet.”

Es geht auch noch drastischer: So rief der Berliner Landesverband der linken “Deutschen

Friedensgesellschaft” im Jahr 2010 unter dem Motto “Feste feiern, wie sie fallen” dazu auf,

am Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin mit Champagner zu feiern, wenn ein

Bundeswehrsoldat in Afghanistan ums Leben komme. Nach massiver Kritik und

staatsanwaltlichen Ermittlungen distanzierte sich die Bundesführung der DFG von der Aktion.

Derart unappetitliche Hetze gegen Bundeswehr-Soldaten ist spätestens seit 1994 salonfähig.

Damals entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Autoaufkleber eines

Kriegsgegners mit dem Slogan “Soldaten sind Mörder” nicht das Recht der persönlichen

Ehre verletze, da “Mörder” hier nicht im Sinne der strafrechtlichen Definition von Mörder

gemeint sei. Das Gericht widersprach damit vorherigen Instanzen, nach deren Urteil der

Aufkleber Soldaten der Bundeswehr zu “Schwerstkriminellen und minderwertigen Gliedern

der Gesellschaft” degradiert.

Unter den politischen Parteien versucht vor allem die Linke, sich als “Anti-Bundeswehr-

Partei” zu profilieren. In ihrem Programm fordert sie ein Ende aller Militäreinsätze der

Bundeswehr, Teile der Partei wollen die Armee komplett abschaffen. Fraktionschef Gregor

Gysi bezeichnete den Afghanistan-Einsatz öffentlich als “Terrorismus”.

Im nächsten Jahr sind es wieder mehrere Hundert Soldaten aus Munster, die nach

Afghanistan geflogen werden. Familienväter, Muttersöhne, Geliebte, Fröhliche, nicht ganz so

Fröhliche. “Terroristen” werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht dabei

sein.

Stattdessen Männer, und ein paar Frauen, die Weihnachten, Ostern und am Geburtstag der

Kinder ganz schön fehlen werden in Munster. Auch beim Sommerfest des Sportvereins und

als Sandsackschlepper bei der nächsten Flut. Die Panzerlehrbrigade 9 muss wieder los zum

Isaf-Einsatz. Als Leitbrigade, wie schon im Jahr 2011, vier Soldaten wurden damals verletzt,

Tote gab es Gott sei Dank keine.

Dennoch weiß man in Munster schon heute, wie genau eine Trauerfeier organisiert werden

müsste, falls einer gar nicht mehr zurückkehren sollte. “So etwas legt sich wie ein Schatten

über die Stadt”, sagt Lars Klingbeil, der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete. Schon

deswegen wüssten die Leute hier ziemlich genau, was den Beruf des Soldaten ausmache.

“Man hat eben ein Gesicht vor Augen.”

Berlin, Mitte, pulsierendes Zentrum der Republik. Wenn einem hier eine grüne Uniform

begegnet, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit eine von der NVA. Oder von der Roten

Armee. Foto gefällig? Ein bisschen Mauergrusel dazu? Deutsche Geschichte,

menschenverachtende Geschichte als absurdes Kasperle-Theater.

Im sehr viel unwahrscheinlicheren Fall aber steht man Oberstleutnant André Wüstner

gegenüber. Er ist dann womöglich gerade in Tegel gelandet und ins

Verteidigungsministerium oder in die Geschäftsstelle des Deutschen Bundeswehrverbands in

Prenzlauer Berg gefahren. Der 39-Jährige ist einer von wenigen Bundeswehrangehörigen,

die in Berlin auch auf dem Weg zum Arbeitsplatz ihre Uniform tragen. Weil es einfach

praktischer sei, aber auch “weil ich zu meinem Beruf stehe, der sicher kein Beruf wie jeder

andere ist”.

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Den Preis dafür – Beleidigungen, in Berlin werden Uniformierte schon mal mit “Sieg Heil”

gegrüsst, dumme Sprüche auf offener Straße, erst recht im Internet, dazu das intellektuell

verbrämte Infragestellen seiner persönlichen moralischen Integrität – das nehmen Offiziere

wie Wüstner ziemlich gelassen in Kauf. Weitaus schwieriger wird es für sie, wenn zu dieser

in Nachkriegsdeutschland traditionellen Distanz zwischen ziviler Welt und militärischer Welt

auch noch eine spürbare Entfremdung zwischen politischer Führung und militärischem

Personal kommt.

Mitte Januar 2013, München (Link: http://www.welt.de/themen/muenchen-staedtereise/) , Universität der

Bundeswehr, Neujahrsempfang der Militärseelsorge: Verteidigungsminister Thomas de

Maizière spricht über den Unterschied zwischen der Binnen- und der Außenwahrnehmung

der Bundeswehr. In der Bevölkerung, sagt der Minister, genieße die Armee “ein unglaublich

hohes Ansehen”. Sämtliche Umfragen belegten, dass die Bundeswehr und der Soldatenberuf

“sehr angesehen” seien.

Nur in der Truppe selbst, sagt Thomas de Maizière dann, da sähen das viele ganz anders.

Da höre er viel zu oft Klagen über mangelnde Anerkennung und den Wunsch nach mehr

Wertschätzung. Und dann sagt der Verteidigungsminister jene beiden Sätze, deren Ton er

inzwischen zwar öffentlich bedauert, deren Kern er aber bis heute nicht zurücknehmen mag.

“Wir sind süchtig nach Anerkennung.” “Hören wir auf, nach Anerkennung zu gieren.” Gier,

Sucht, Jammerei – so despektierlich, so pauschal negativ hat sich selten ein

Verteidigungsminister öffentlich über seine Armee geäußert. Nicht nur Oberstleutnant

Wüstners Bundeswehrverband empfand de Maizières Rede als “Demütigung”. Als

heimtückischen Angriff aus den eigenen Reihen. De Maizières Münchner Rede hat viele

Soldaten vermutlich schwerer verletzt als alle tägliche Ignoranz, als alle üblichen

Respektlosigkeiten, als jede linke Anti-Bundeswehr-Propaganda. Wenn man sich in diesen

Tagen, in denen de Maizière so schwer unter Druck steht, fragt, warum die Unterstützung für

ihn aus der Truppe eher zurückhaltend ausfällt, warum man gelegentlich den Eindruck hat,

hier lasse ein Apparat seinen Minister im Stich, liefere ihn mit dem Durchstechen von

Schriftstücken womöglich ans Messer – in de Maizières Münchner Rede findet man

womöglich einen Teil der Antwort.

“Viele Soldaten”, sagt Oberstleutnant Wüstner rückblickend, “können die Aussagen des

Ministers bis heute nicht nachvollziehen”. Die Klagen der Truppe, ihr Wunsch nach mehr

Anerkennung, sei eben kein Ausdruck von Gier, sondern die Folge alltäglicher Erfahrungen,

gepaart mit der wachsenden Sorge vieler junger Leute, auch außerhalb der Armee ihren

Platz in der Mitte der Gesellschaft zu verlieren.

Vielleicht kommt ein weiterer Aspekt hinzu, der den Eindruck der Soldaten verstärkt, jenseits

von Hochwasser und anderen Noteinsätzen noch immer nur zähneknirschend geduldet zu

sein in einem Land, das auf den Trümmern einer verheerenden militärischen Katastrophe

gegründet wurde. Auslandseinsätze laden die Truppe ja geradezu ein zu einem Vergleich mit

den Kollegen, mit den Soldaten anderer Nationen, deren Verhältnis zum Militär

ungebrochener ist.

Tom M. (richtiger Name ist der Redaktion bekannt) hat schon ein paar solcher

Auslandseinsätze auf dem Buckel. Afghanistan, Balkan, das übliche Programm, eine ganze

Reihe brenzliger Kampfeinsätze inklusive. Doch dafür, sagt der Offizier, interessiere sich

“hier in Deutschland im Grunde niemand”. Gesellschaftliche Anerkennung für solche

Einsätze, wenigstens ein ehrliches Zuhören gebe es kaum – obwohl inzwischen mehrere

Zehntausend junger Männer in Deutschland diese Erfahrungen teilen.

“Für deutsche Soldaten interessieren sich die Medien doch bloß, wenn sie Fehler gemacht

haben”, findet Offizier M. und ist durchaus neidisch auf den “Grundrespekt”, der Soldaten in

anderen westlichen Ländern begleitet, auch wenn man dort längst nicht mehr jeden

Auslandseinsatz bejubelt.

“Die meisten Amerikaner sehen den Vietnam (Link: http://www.welt.de/themen/vietnam-reisen/) -Krieg

heute sehr kritisch”, sagt M., der sich intensiv mit der US-Militärhistorie beschäftigt hat.

Dennoch würde fast jeder US-Bürger einem Vietnam-Veteran in der Kneipe ein Bier

ausgeben – weil man Militäreinsätze als Dienst an der Gesellschaft versteht und die

Opferbereitschaft der Truppe hoch anerkenne.

Mehr als 100 Bundeswehrangehörige sind ums Leben gekommen, seit die deutsche Armee

wieder im Ausland eingesetzt wird, darunter sind auch Unfalltote und Soldaten, die sich das

Leben genommen haben. Sie alle, so sehen es außer der Linken alle im Bundestag

vertretenen Parteien, haben sich geopfert für die Freiheit der Deutschen. Wenn das Ernst

gemeint ist, wenn das keine hohlen Sonntagsreden sind, dann kann sich dieses Land eine

ungeliebte Armee nicht leisten, dann verlieren sich zwei, die sich eigentlich dringend

brauchen: Freie Gesellschaft und wehrhaftes Militär.

Eine Truppe, der sich Schulen und Universitäten dauerhaft verweigern, die von denen, deren

Freiheit sie verteidigen soll, lieber übersehen als wertgeschätzt wird, kann ihre Aufgaben auf

Dauer nicht erfolgreich erledigen. Sie verliert ihre Attraktivität, ihre Zugkraft, ihre guten Leute,

ihre Leistungskraft. Ignoranz und Ablehnung sind ja bei Weitem nicht die einzigen

Schwierigkeiten, mit denen die Bundeswehr zu kämpfen hat.

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Von den 250.000 Soldaten, die es zu Wehrpflichtzeiten gab, werden in ein paar Jahren

höchstens noch 170.000 übrig sein. Ob der Schrumpfungsprozess damit abgeschlossen ist,

steht in den Sternen. 150.000, diese Zahl geistert auch schon durch durch das

Offizierskorps. Seit Mitte der 80er, so formuliert es ein erfahrener Marineführer, sei die

Bundeswehr quasi permanent Gegenstand von Reformen gewesen.

Spätestens seit der deutschen Einheit, seit der Verschmelzung zweier zuvor eigenständiger

Armeen, ist dann kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Halbierung der Zahl der

Streitkräfte, Reduzierung der Wehrpflichtdauer, Öffnung der Armee auch für Frauen, Umbau

von einer reinen Verteidigungswehr zu einer Armee im Auslandseinsatz, noch eine

Reduzierung der Wehrpflichtzeiten, jeder fünfte Bundeswehrstandort wird dichtgemacht;

Abschaffung der Wehrpflicht, erneute Halbierung der Kopfzahlen, abermalige Reduzierung

der Zahl der Standorte. 400 sind es noch bundesweit, im Zuge der jüngsten

Bundeswehrreform werden 31 davon geschlossen und weitere 33 stark verkleinert. Neun

Verteidigungsminister hat die Truppe in dieser Zeit gesehen, die meisten sind weder freiwillig

gekommen noch aus freien Stücken abgetreten.

Hardthöhe und Bendlerblock sind auch nicht besonders beliebt, wenn es darum geht,

Ministerposten zu verteilen. Er sei ganz optimistisch, auch nach der Bundestagswahl im

Herbst sein Amt fortführen zu können, befand schon im Angesicht des Drohnen-Desaster

Thomas de Maizière. Seine ernüchternde Begründung: Es gebe ja nicht so viele Politiker, die

sich für dieses Ministerium interessieren.

Das sind also die Voraussetzungen, unter denen die Armee um ihr Ansehen, gegen ihre

innenpolitischen Gegner, gegen die Ignoranz und um den eigenen Nachwuchs kämpfen

muss.

“Je weniger Standorte wir haben”, sagt der Bundestagsabgeordnete Klingbeil, Mitglied im

Verteidigungsausschuss des Parlaments, “desto schwieriger wird es mit der Integration der

Bundeswehr in die Gesellschaft”. Und desto weniger die Armee in den Alltag integriert ist,

desto schwieriger wird es, die jungen Leute für die Bundeswehr zu gewinnen.

Die Bundeswehr hat sich deshalb zu einer neuen Art der Vorneverteidigung an der

Heimatfront entschlossen. 94 Jugendoffiziere werben mittlerweile bundesweit um

Nachwuchs. Imagekampagnen werden aufgelegt, die Sinn und Zweck vor allem der

Auslandseinsätze erklären; ein Offenbarungseid im Übrigen für die Kommunikationskraft der

Verteidigungspolitiker. 17 Karrierecenter helfen Schulabgängern und Hochschulabsolventen

bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, dazu gibt es rund 200 regionale Beratungsbüros.

Immer mehr Standorte laden zu Tagen der Offenen Tür oder gleich zu einer “Woche der

Schulen” wie unlängst in Wilhelmshaven, wo mehr als 1000 Jugendliche die dort stationierten

Fregatten inspizierten, samt viel zu enger Kojen und Rettungshubschrauber im Einsatz.

13.000Mitarbeiter muss die Armee jährlich einstellen, um die vorgegebenen Truppenstärken

halten zu können. Das ist nicht wenig angesichts der bekannten demografischen Probleme,

mit denen nahezu alle Branchen heutzutage zu kämpfen haben.

Also wurde ein Bundeswehr-Quiz zusammengeschraubt, das wie “Wer wird Millionär”

funktioniert und in einem Bundeswehr-Truck über die Marktplätze und Job-Messen der

Republik tingelt. Man tritt mit einer eigenen Internet-Community an, mit diversen Facebook-

Seiten und kämpft mit sogenannten “BW-Adventure-Camps” um die Aufmerksamkeit der

Jugendlichen. So etwas geht natürlich auch nicht ohne Proteste ab. Beim “Hessentag”, der

an diesem Wochenende in Kassel beginnt, will das örtliche Friedensforum mit

Demonstrationen und Flashmobs gegen die dort anwesenden Streitkräfte protestieren. Es sei

nicht richtig, dass eine Armee im Kriegseinsatz “auf Volksfesten Rekrutierungsarbeit

betreibt”, die Bundeswehr werbe in der Kasseler Karlsaue “fürs Sterben”.

Als die Heranwachsenden-Postille “Bravo” im vergangenen Herbst Anzeigen für ein “BWAdventure-

Camp” veröffentlichte und sich auch ein entsprechender Trailer auf ihrer

Homepage fand, intervenierte die Evangelische Kirche ebenso wie das Kinderhilfswerk terre

des hommes. Die Werbung für das Camp verharmlose die tödliche Gefahr, die ein

Engagement in der Bundeswehr mit sich bringen könne. Außerdem verstoße die Reklame in

der “Bravo” gegen die UN-Kinderrechtskonvention.

Die Adventure-Veranstaltungen sind dennoch ausgebucht, auch die Nachwuchsrekrutierung,

um die sich viele Sorgen gemacht haben nach dem Ende der Wehrpflicht, funktioniert bisher

reibungslos. Jenseits der in allen Branchen raren spezialisierten Fachleute hat die Armee

noch immer mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Der Ruf der Bundeswehr als Arbeitgeber,

das immerhin, ist noch immer tadellos. Jedenfalls so lange es nicht ernst wird.

Noch einmal Berlin, das Außenministerium am vergangenen Donnerstag. Gekommen sind

gleich drei Minister: Hausherr Guido Westerwelle, sein Kollege aus dem Innenressort Hans-

Peter Friedrich und Thomas de Maizière. Im “Weltsaal” des Ministeriums, in dem sonst

Staatsbankette stattfinden, sitzen fast 500 Menschen, viele von ihnen in Uniform. “Zum

ersten Mal”, eröffnet Westerwelle feierlich, wolle man heute gemeinsam “unsere Hüter des

Friedens” ehren. “Peacekeeper”, so nennen die Vereinten Nationen ihren Ehrentag für Helfer

in weltweiten Missionen. Sie feiern ihn seit 2002, am 29. Mai. In Deutschland dürfte das

Datum den wenigsten etwas sagen.

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Die Bundesregierung ist ja auch ein wenig spät dran mit ihrer kleinen Premiere. Seit Anfang

der 90er schickt Deutschland regelmäßig Soldaten zu kriegerischen Einsätzen ins Ausland,

ein paar Hunderttausend Soldaten haben dabei ihr Leben riskiert, ihre Liebe aufs Spiel

gesetzt, die Familien, Frauen, Söhne, Töchter monatelang zurückgelassen. Es wurde also

wirklich Zeit: “Sie sind ein Aushängeschild für unser Land”, sagt der Außenminister. “Wir

haben großen Grund für Stolz und Dankbarkeit”, sagt der Verteidigungsminister. Auch André

Wüstner sitzt an diesem Tag im Publikum. “Das tut der Seele gut”, sagt der Oberstleutnant

und wünscht sich, dass der “Geist dieser Veranstaltung” über die Grenzen Munsters und der

Ministerien hinaus wirken möge. Solidarität, Gesten des Interesses, Rückhalt der

Gesellschaft. Viel mehr erwartet die Truppe nicht. Aber das erwartet sie.

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