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Block B

16.8.13  http://www.fr-online.de/politik/zwischenfall-in-akw-gundremmingen-radioaktive-tropfen,1472596,24032822.html

Politik – 16 | 8 | 2013

Zwischenfall in AKW Gundremmingen

Radioaktive Tropfen

Das Kernkraftwerk Gundremmingen (Archivfoto von 2001).  Foto: dpa

Von Joachim Wille

Weil radioaktiv belastete Wassertropfen austraten, wurde Block B des AKW Gundremmingen vom Netz genommen. Der Zwischenfall stützt die Forderung der AKW-Gegner nach Stilllegung.

In Gundremmingen an der Donau steht Deutschlands leistungsstärkstes Atomkraftwerk. Zwei Reaktorblöcke mit jeweils 1344 Megawatt arbeiten an dem Standort im bayerischen Landkreis Günzburg. Erneut hat es hier einen Zwischenfall gegeben, der für die AKW-Gegner in der Region ein Beleg dafür ist, dass die „veralteten“ Siedewasser-Reaktoren schnellstens stillgelegt werden müssten. Die Stromkonzerne RWE und Eon, denen das AKW gehört, hoffen dagegen sogar auf eine Leistungssteigerung in den beiden Reaktoren.

Derzeit läuft nur Block C, Block B wurde am Mittwoch vom Netz genommen – wegen einer „Tropfleckage“, die bei einer Routinekontrolle festgestellt worden sei, so die Kraftwerksleitung. Pro Minute traten einige Tropfen radioaktiv belastetes Wasser aus einer undichten Einführungsöffnung für eine „Messlanze“ am Reaktordruckbehälter aus. Diese Sonden sind durch die Wand des Behälters gesteckt, um den Neutronenfluss im Reaktor zu erfassen.

Undichtigkeit an Sonden

Um den Defekt zu beheben, muss der Druck in dem 22 Meter hohen, mit 784 Brennelementen und Wasser gefüllten Reaktorbehälter abgebaut werden. Ob der Defekt der bayerischen Atomaufsicht gemeldet werden muss, stand am Freitag noch nicht fest, wie ein RWE-Sprecher auf FR-Anfrage sagte.

Im baugleichen Block C, der nach einer Revision erst in der vorigen Woche wieder ans Netz ging, war im Dezember letzten Jahres ein ähnlicher Defekt festgestellt worden. Auch damals befand sich das Leck an einer Messlanze. Der Reaktor wurde abgeschaltet, das defekte Bauteil ausgetauscht. Nach dem internationalen Meldesystem wurde das Ereignis als Störung der „Stufe 0“ eingestuft: „keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung.“ Auch bei dem jetzigen Ereignis betont die Kraftwerksleitung, es bestehe keine Gefahr für Menschen und Umwelt.

Die AKW-Gegner halten das Vorkommnis trotzdem für bedenklich. Sie weisen darauf hin, dass in dem von der Leckage betroffenen Hauptkreislauf des Reaktors, in dem radioaktives Wasser und radioaktiver Dampf kreisen, ein Druck von 70 Bar und eine Temperatur von fast 300 Grad herrschen. „Die Dichtungen dieser Behälterdurchdringungen werden durch den Druck, die Hitze und die Neutronenstrahlung abgenutzt. Reaktordruckbehälter und Hauptkreislauf müssen jedoch unbedingt dicht bleiben“, argumentiert das „Forum – Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“.
RWE will ausbauen

Entstünde aus der Undichtigkeit ein großes Leck, drohe ein Kühlmittelverlust, warnt die Bürgerinitiative. „Die Spaltelemente würden nicht mehr gekühlt und katastrophal überhitzt.“ Folge könnte bei ausfallender Notkühlung eine Kernschmelze sein.

Offiziell noch bis 2021 in Betrieb

Siedewasserreaktoren haben – anders als die später gebauten Druckwasserreaktoren – nur einen Hauptkreislauf, weswegen das Wasser darin radioaktiv ist. In Gundremmingen stehen die letzten beiden Reaktoren dieses Typs, die anderen acht, die es in Deutschland gab, sind inzwischen abgeschaltet. Block B wird nach den Atomausstiegs-Plänen der Bundesregierung Ende 2017 vom Netz genommen, Block C 2021.

RWE hofft aber immer noch auf eine Genehmigung für eine 1999 beantragte Ausweitung der Atomstrom-Produktion. Den Entwurf hat das bayerische Umweltministerium bereits fertiggestellt, das Bundesumweltministerium hat aber noch nicht zugestimmt. Forum-Vorstand Raimund Kamm sagte der FR, er befürchte, dass dies nach der Bundestagswahl geschehen werde, falls Schwarz-Gelb bestätigt würde.

Die AKW-Gegner fordern den Bund und Bayern auf, „den Antrag nach 14 Jahren Bearbeitung endlich abzulehnen und die beiden Gundremminger Siedewasserreaktoren stillzulegen“. Sie verweisen darauf, dass RWE am selben Tag, als die Störung bekannt wurde, mitteilte, sie wolle wegen zu großer Kraftwerkskapazitäten Anlagen mit 4265 Megawatt stilllegen. Das zeige: „Gundremmingen ist für die Stromversorgung überflüssig.“

Die Pläne von RWE

Der Stromkonzern RWE möchte aus dem AKW Gundremmingen mehr Leistung herausholen, als zu Betriebsbeginn der Blöcke B und C im Jahr 1984 genehmigt wurde. Block A ist seit einem Störfall 1977 abgeschaltet.

Ein erster Antrag zur Leistungserhöhung wurde bereits 1999 gestellt und 2001 durch eine Neufassung ersetzt. Dadurch könnte die elektrische Leistung pro Block von 1244 auf maximal 1300 Megawatt steigen. Wegen zu schwacher konventioneller Teile, etwa der Turbine, würde RWE die Erhöhung vorläufig aber nur zum Teil ausschöpfen.

Eine Leistungserhöhung wird in Siedewasserreaktoren vor allem durch ein schnelleres Umwälzen von Dampf und Kühlwasser bewirkt.

AKW-Gegner warnen, dass dann Brennelemente mit höherer Anreicherung mit Uran 235 oder Plutonium 239 nötig seien. Diese seien in den letzten Jahren auffällig häufig undicht gewesen. (jw)


 

Medienerklärung v. 15.8.13

Block B im alten AKW Gundremmingen undicht

Das AKW ist gefährlich und ist überflüssig

Das AKW Gundremmingen meldet eine Tropfleckage. Diesmal am Reaktordruckbehälter von Block B. Also im Hauptkreislauf, in dem mit einem Druck von 70 Bar und einer Temperatur von fast 300° Celsius das radioaktive Wasser beziehungsweise der radioaktive Dampf kreisen.

Durch die Wand des Reaktordruckbehälters sind Messlanzen gesteckt. Mit den an diesen Messlanzen befindlichen Detektoren wird der Neutronenfluss im Reaktor erfasst. Die Dichtungen dieser Behälterdurchdringungen werden durch den Druck, die Hitze und die Neutronenstrahlung abgenutzt. Reaktordruckbehälter und Hauptkreislauf müssen jedoch unbedingt dicht bleiben! Denn das in ihnen kreisende mal flüssige und mal dampfförmige Wasser hat zwei Aufgaben: Es transportiert die Energie zur Turbine und es kühlt die Spaltelemente. Wenn eine Undichtheit zu einem großen Leck aufriss, das Wasser aus dem Hauptkreislauf strömte und zischte, würden die Spaltelemente nicht mehr gekühlt und katastrophal überhitzt.

Da die veralteten Siedewasserreaktoren im Unterschied zu den später üblichen Druckwasserreaktoren zwar billiger waren aber nur einen Hauptkreislauf haben, ist das Wasser im Hauptkreislauf radioaktiv. Man muss daran erinnern, dass das AKW Gundremmingen als gefährlichstes AKW Deutschlands gilt. Denn es wird mit den letzten zwei von früher einmal zehn deutschen Siedewasserreaktoren betrieben. Sie gehören zur Baulinie (19)72, sind kaufmännisch abgeschrieben und seit 29 Jahren in Betrieb. Baulinie 72 bedeutet, dass sie zu einer Zeit konstruiert wurden, als beispielsweise Deutschlands meist gefahrenes Auto der VW-Käfer war. Bezeichnenderweise haben auch diese Gundremminger Reaktoren wegen ihrer übergroßen Risiken keine ausreichende Haftpflichtversicherung.

Zudem hat das AKW Gundremmingen bis heute nicht erklärt, was im Dezember 2012 die Ursache einer ähnlichen Tropfleckage im Block C war. Und das AKW hat bis heute nicht die Ursachen für die Häufungen von Undichtheiten an den Spaltelementen herausgefunden.

AKW Gundremmingen ist überflüssig

Am selben Tag, an dem RWE die Störung im AKW Gundremmingen melden musste, hat der Konzern verkündet, wegen des Überfluss an Kraftwerken, der zu einem dramatischen Preisverfall an der Strombörse führt, netto 4.265 MW (Megawatt) Kraftwerkskapazität still legen zu wollen. Deutschlands größtes Kernkraftwerk, das AKW Gundremmingen, hat eine Nettokapazität von 2.568 MW. Es ist nicht nur gefährlich sondern für die Stromversorgung überflüssig.

Leistungserhöhung endgültig ablehnen und das AKW stilllegen

Jetzt wollen die Bayerische Staatsregierung und das Bundesumweltministerium aber sogar eine ursprünglich im September 1999 beantragte Ausweitung der Atomstromproduktion im AKW Gundremmingen genehmigen. Ohne besondere Umbauten soll durch schärferes Fahren der Reaktoren die Leistung erhöht werden. Unsere Bürgerinitiative fordert, nach 14 Jahren Bearbeitung dieses Antrags ihn endlich abzulehnen und die beiden Gundremminger Siedewasserreaktoren stillzulegen.

Raimund Kamm (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

www.atommuell-lager.de

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