Home Tags Posts tagged with "Atommüll"

Atommüll

Obwohl die Gemeinde Niederaichbach und der Landkreis Landshut zuvor
https://www.landkreis-landshut.de/Landkreis-Einrichtungen/Aktuelles.aspx?rssid=5fdc74c4-5979-4b6f-8b4c-e4c7db3757d6
40.000 Unterschriften gegen die Einlagerung von weiterem Atommüll in Niederaichbach sammelten, wird die Errichtung einer Halle für die Behandlung von schwach- und mittelradioaktiven Mülls in der Nähe des sogenannten Zwischenlagers BELLA im April genehmigt ohne die Nachbarschaft, hier die Stadt Landshut, in Kenntnis zu setzen.

Ulli Kulke wurde 1952 geboren. Er wuchs in Benthe bei Hannover auf, besuchte das Gymnasium in Gehrden und anschließend in Braunschweig, wo er als Schulsprecher und Bezirksschulsprecher erste – und letzte – Wahlkampferfahrung sammeln durfte. Anschließend ging ein langjähriger Traum in Erfüllung: Volkswirtschaft studieren im Brennpunkt zweier Welten, dem Faszinosum Berlin: Reisen konnte man dort über 100 Meter aus der einen in eine komplett andere Welt und anschließend wieder zurück, mitmischen im Kampf der Systeme durch kleine Botengänge für Fluchthilfe und dann auch noch allnächtlich die Metropole mit dem Netz der Reifenspuren seiner Taxe für den Lebensunterhalt zu überziehen – was wollte man mehr? Kulke war bei der Tageszeitung „taz“ von Anfang an als Wirtschaftsredakteur dabei, schnupperte in der wilden ersten Legislaturperiode der Grünen im Bundestag zwei Jahre lang Bonner Luft als entwicklungspolitischer Referent, kehrte aber aus Heimweh zum Journalismus – und nach Berlin – wieder zurück, war später Wirtschaftsredakteur bei der Zeitschrift „natur“ in München, leitete das Wissenschaftsressort der „Wochenpost“ (wieder in Berlin) und baute anschließend in Hamburg die Meereskulturzeitschrift „mare“ als Stellvertretender Chefredakteur und Textchef mit auf. Während all der Jahre schrieb er Reportagen, Essays und Reports unter anderem für „Transatlantik“, „Zeit-Magazin“, „SZ-Magazin“, auch Titelgeschichten für „National Geographic“ und produzierte Radio-Features über mehrere Reisen in den Pazifik und Südostasien, veröffentlichte inzwischen sechs, auch preisgekrönte Bücher zu historischen Themen (vor allem Entdeckungsgeschichte). Seit 1999 hilft er dabei, alljährlich die besten Reportagen und andere journalistische Glanzstücke zunächst für den Egon-Erwin-Kisch-Preis und anschließend für den Henry-Nannen-Preis auszuwählen. Von 2001 bis 2016 war Kulke als Reporter und Autor bei der Zeitung „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“ angestellt. Seither ist er freier Journalist und Buchautor. Der verheiratete Vater von zwei Töchtern lebt in Berlin.

Die bizarre Idee eines Endlagers für 1 Million Jahre

1.10.2020

Es ist mal wieder die Rede vom Endlager für den Atommüll. Gerade hat die zuständige Kommission ein Papier vorgelegt, mit dem die Suche nach einem geeigneten Standort wieder von vorne beginnen soll. Alles ist offen. Nur eines ist klar: Der Müll soll, wo immer er hinkommt, daselbst eine Million Jahre verbleiben, gesichert, abgeschirmt. Eine Million Jahre. Auch dies ein Beispiel dafür: Wir erleben dieser Tage nur noch ganz großen Sachen, darunter geht’s nicht.

Die derzeitige Generation steht, so hören und lesen wir es tagein, tagaus, sowieso kurz davor, jene Welt zu vernichten, in der Homo sapiens in den vergangenen etwa 300.000 Jahren sein Auskommen gefunden hatte. Weil wir, die heutige Generation, gerade so ungefähr alles, was sich zwischen hundert Kilometer über oder unter der Erde abspielt, derart stark erschüttern, wie man es nicht mehr erlebt hat, seit die Dinosaurier von einem Meteoriten ausgelöscht wurden. Alle Eiszeiten waren jedenfalls nichts dagegen, die biblische Sintflut schon gar nicht.

Die einen, die heute – im Herbst 2020 – leben, werden die nächsten paar hunderttausend Jahre auf der Anklagebank sitzen für ihren Frevel. Die anderen Zeitgenossen – wenn es doch noch gut ausgeht – werden für den Rest des Menschheitslebens als die großen Retter dastehen. Und wir alle waren dabei, welch eine große Zeit. Viereinhalb Milliarden Jahre alt ist die Erde, viereinhalb Milliarden hat sie noch vor sich, nach allem, was uns die Astrophysiker sagen, und jetzt, zur Halbzeit nun der Showdown: Greta Thunberg und Rezo gegen Donald Trump und die Ölmafia. Von ihnen wird im Jahr 2.020.202 die Rede sein, nicht von Jesus oder Adolf Hitler, Adam und Eva, Kaiser Nero, Noah oder Käpt’n Kirk. Die Welt am Scheideweg.

Neues muss nicht mehr gelehrt werden

Ohne Hoffnung ist der Zeitgeist allerdings auch nicht. Eine Zukunft von einer Million Jahren gibt man der Menschheit dann doch wieder. So lange nämlich soll nun der Atommüll, für den man heute, im September 2020, einen Platz zum Endlagern sucht, abgeschirmt sein – die Mindestanforderung an die federführende Bundesgesellschaft für Endlagerung. Jetzt, da man in Zeiten der Generation Fridays for Future schon mal in großen zeitlichen Dimensionen zu denken gelernt hat, ist das ja auch nur logisch. Die Lebensspanne der Erde von insgesamt neun Milliarden Jahren wird sich später, wenn dann alles vorbei ist, und wir – so oder so, hilft alles nichts – mitsamt der Erde im „Roten Riesen“ der Sonne verschwinden werden, von der dann letzten Generation genau eingeteilt werden: in die Hälfte vor Greta und der Atommafia und die Hälfte hinterher.

Spaß beiseite: Die bizarre oder auch völlig schwachsinnige Perspektive von einer Million Jahren für ein Atom-Endlager bedeutet, bei Licht betrachtet, zweierlei. Das Gute: Zum einen gibt man dem heute nicht einmal 300.000 Jahre alten Homo sapiens noch einmal mehr als Dreifache seiner bisherigen Lebenszeit, wie erfreulich. Das Schlechte: Man geht offenbar davon aus, dass fortan alle Forschung eingestellt wird, für eine Million Jahre eben. Wie weltfremd: Die Kernphysiker hören sofort auf mit ihren Forschungen darüber, wie der Atommüll entschärft werden könnte. Die Universitäten machen dicht, die heutigen Schulbücher reichen für Neugierige schließlich aus, Neues muss nicht mehr gelehrt werden. Und das alles für eine Million Jahre. Anders wäre diese zeitliche Anforderung an ein Endlager nicht zu rechtfertigen.

Die eine Million Jahre sind eine bürokratische Anforderung, der die Bürokraten jener Endlagerkommission vielleicht meinen, sich unterwerfen zu müssen, nach Stand der Wissenschaft über die Halbwertzeiten. Jeder ihrer Auftraggeber aber, die Bundesregierung zum Beispiel, sollte den Weitblick besitzen, von dieser absurden zeitlichen Dimension die Finger zu lassen. Man komme mir jetzt nicht mit der Allerwelts-Floskel, ich wolle hier mit einem Flugzeug starten, bevor die Landebahn gebaut ist (oder so ähnlich). Ich bleibe mit meiner Argumentation brav auf der Erde, und es geht hier um eine Jahreszahl mit sechs Nullen.

Von einer Million Jahren redet in der Fachwelt niemand

Jeder, der sich – egal ob oberflächlich oder tiefschürfend – über die Begriffe „Transmutation“, Rubbiatron Reaktor“ oder „Dual Fluid Reaktor“ informiert, erkennt, wie sehr die Dinge hierbei bereits fortgeschritten sind. Hier eine kurze, knackige Zusammenfassung des aktuellen Stands aus aktuellem Anlass, aus dem Berliner Tagesspiegel. Die Transmutation, also die Nutzung fast des gesamten Atommülls als Brennstoff, bei dessen gleichzeitiger „Entgiftung“, läuft im Labormaßstab bereits erfolgreich. Es wäre uferlos, hier in die technischen Details zu gehen, aber es überzeuge sich bei Bedarf im Netz jeder selbst, dass unter seriösen Wissenschaftlern unumstritten ist: A) Die Transmutation im industriellen Großmaßstab funktioniert heute noch nicht, auch kann noch nicht jeder Stoff (zum Beispiel Plutonium, was allerdings nur einen geringen Anteil ausmacht) entschärft werden. B) Die Entwicklung bis zum Erfolg (auch für Plutonium und so weiter) ist aber eine Frage der Zeit. Nicht von Jahren, aber auch nicht von Jahrhunderttausenden. Sehr realistisch ist eine Perspektive von zwei oder drei Jahrzehnten. Von einer Million Jahren redet in der Fachwelt niemand.

In Belgien läuft bereits ein Versuchsreaktor, in den nächsten Jahren soll dort die Forschung mit einer neuen Anlage der EU erweitert werden. Und: Die Wissenschaft hätte in Deutschland schon erheblich weiter sein können. Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT, das einstige Kernforschungszentrum) war man dabei an vorderster Position, doch der rotgrünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder war die Transmutationsforschung ein Dorn im Auge, weil sie nicht nur den Müll, sondern damit auch eines der Hauptargumente gegen die Kernkraft („eine Million Jahre!“), entschärft hätte. Sie stoppte die Forschung per Gesetz, weil die neuen Reaktorlinien, die den Atommüll rückverwandeln sollten, dem damaligen (ersten) Atomausstieg zuwidergelaufen wären, indem sie gleichzeitig Energie erzeugten: Verboten. Fertig. Geht nach Hause.

Es steht zu befürchten, dass auf Dauer die sinnvollste Bearbeitung des Atommülls – jedenfalls bei uns – daran scheitert, dass man daraus Strom gewinnen kann. Und das darf man sich dann ruhig einmal auf der Zunge zergehen lassen: Es war die rotgrüne Regierung, die die Forschung daran, den Atommüll zu entschärfen, gestoppt hat. Die Regierungen Merkel haben daran leider nichts geändert. Mit anderen Worten: Sollte jemand doch noch einmal das unsinnige Argument mit dem gestarteten Flugzeug und der fehlenden Landebahn ins Feld führen, dann wären es genau die Grünen gewesen, die die Planierraupen für die Piste vom Platz gejagt haben.

Mach mir nicht mein Argument gegen die Atomkraft kaputt, das ist die Devise. Ihretwegen wird jene unsinnige Zeitspanne so hochgeschraubt, und deshalb wird auch heute unter den Akteuren des zweiten Atomausstiegs – immerhin eine sehr breite Front im Parteienspektrum – offenbar niemand stutzig bei der „Millionen“-Forderung. Sie soll vor allem prohibitiv klingen gegen die Atomkraft, und dabei hört jeder, der sie nur laut für sich selbst ausspricht, ihren lächerlichen Charakter: „Eine MiIlion Jahre.“ Der Leser möge es probieren.

https://www.tagesspiegel.de/wissen/was-tun-mit-dem-muell-aus-kernkraftwerken-alten-brennstoff-entschaerfen/26225752.html

Was tun mit dem Müll aus Kernkraftwerken? Alten Brennstoff entschärfen

28.9.2020

Ein Endlager für stark Wärme entwickelnden Atommüll ist eine Generationenaufgabe. Gibt es andere Optionen, um die Menge des strahlenden Mülls zu verringern?

Ein Endlager für Atommüll soll stark strahlende Substanzen für eine Million Jahre sicher einschließen. Naheliegend ist daher die Frage, ob es Verfahren gibt, die den Abfall entschärfen oder gar unschädlich machen. Tatsächlich gibt es solche Überlegungen: Transmutation sowie Reaktoren, die den alten Brennstoff mit verwerten.

Bei der Transmutation werden diejenigen Elemente, die lange Halbwertszeiten und damit langfristiges Gefährdungspotenzial haben in andere Elemente verwandelt, die kürzere Halbwertszeiten haben.

Konkret geht es um sogenannte Actinide: Sie entstehen, wenn der Kern eines Uran-238-Atoms vorbeifliegende Neutronen einfängt und dadurch an Masse gewinnt. Diese Reaktion findet in den Reaktoren der Kernkraftwerke relativ häufig statt, rund ein Prozent des Atommülls sind Actinide, vor allem Plutonium, Neptunium, Americium und Curium.

Die Idee der Transmutation: Actinide werden mit Neutronen beschossen. Stößt nämlich ein schnell fliegendes Neutron mit einem Atomkern zusammen, kann dieser zerfallen, so dass zwei leichte Kerne entstehen. Auf diese Weise kann man Actinide in leichtere Elemente umwandeln, die entweder nicht mehr strahlen oder deren Radioaktivität in wenigen Jahrhunderten auf ein weitgehend unschädliches Maß abklingt.

Forschung zur Transmutation in Deutschland nicht erwünscht

Ob die Transmutation im großen Stil möglich ist, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Noch fehlt es an einer Demonstrationsanlage. Belgien plant einen Forschungsreaktor namens Myrrha, der ab 2030 laufen soll und die Umwandlung in leichte Elemente zeigen könnte. Auch Deutschland war zunächst an Forschungen zur Transmutation maßgeblich beteiligt, unter anderem im Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Doch die Aktivitäten wurden heruntergefahren, Fachleute gehen in den Ruhestand oder ins Ausland, berichtet Andrei Rineiski vom KIT. Für die Transmutation benötigt man einen Reaktor, um schnelle Neutronen zu erzeugen. Ein heikles Thema, wie Rineiski deutlich macht: „Die Meinung über den Bau und Betrieb von Reaktoren ist in Deutschland nicht günstig, dies hilft nicht bei Transmutationsprojekten.“

Ein weiteres Problem besteht darin, die Actiniden aus dem Atommüll zu lösen. Dies ist aufwändig und aufgrund der Strahlung sind umfassende Sicherheitsvorkehrungen nötig. Hierbei ist weitere Forschung erforderlich.

Eine andere Option wären Kernkraftwerke, die alte Brennelemente gleich mit verwerten. Hierbei handelt es sich um „Schnelle Brüter“, benannt nach den schnellen Neutronen. Vorteil: Sie nutzen die im Abfall enthaltene Energie, um daraus zusätzlich Strom zu erzeugen, und transmutieren die gefährlichen Actiniden zu leichteren Elementen. Nachteil: Als Kühlmittel wird flüssiges Natrium verwendet. Dies zu beherrschen ist viel komplexer als die Wasser-Kühlung in herkömmlichen Reaktoren. Mehrfach hat es Unfälle gegeben, bei denen das Natrium in Brand geriet. Aktuell gibt es in der EU keinen schnellen Brüter, aber beispielsweise in Russland.

Ein Reaktor, der Atommüll verwertet

Ein neuerer Ansatz ist der „Dual Fluid Reaktor“, den Forscher am Institut für Festkörper-Kernphysik in Berlin entworfen haben. Der Brennstoff liegt als flüssiges Salz oder Metall vor, dieses strömt in Rohrleitungen im Kühlmittel aus flüssigem Blei – daher der Name Dual Fluid. Nach Angaben der Entwickler ist der Reaktor inhärent sicher, ein Super-Gau ausgeschlossen.

Er könne auch Atommüll verwerten: Dazu müssen die alten Brennstäbe gemahlen und chemisch aufbereitet werden, um die Elemente dann in den Brennstoffkreislauf zu geben. Actinide werden transmutiert.

Frühere Forschungen an Flüssigsalzreaktoren in den USA hatten jedoch gezeigt, dass die Lösung erhebliche Korrosionsprobleme nach sich zog. Durch andere Materialien soll der Dual Fluid Reaktor diese Schwäche überwinden.

Pressemitteilung 28.09.2020

Die FREIEN WÄHLER Bayern machen in der Bayerischen Staatsregierung klar, dass die Debatte um ein Atommüll-Endlager in Bayern nicht ideologisch motiviert sein darf. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber sagt: “Der Schutz der Menschen steht an erster Stelle. Bayern ist kein geeigneter Standort für ein Endlager. Hier entscheidet Geologie, nicht Ideologie.”

Thorsten Glauber, Mitglied im Landesvorstand der FREIEN WÄHLER Bayern: “Wir blicken sehr kritisch auf die Inhalte des Berichts. Die Herausnahme von Gorleben ist nicht nachvollziehbar. Das weitere Verfahren hat ohne Gorleben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir werden in unserem Einsatz nicht nachlassen. Wir werden den weiteren Prozess mit wissenschaftlicher Expertise begleiten. Denn: Oberste Prämisse für ein Endlager ist der Schutz der Bevölkerung. Dazu braucht es eine absolut sichere geologische Barriere, keine technischen Nachbesserungen. Der Bericht muss jetzt genau geprüft werden.”

Die FREIEN WÄHLER betonen, dass die Geologie in Bayern stark zerklüftet ist, der Bayerische Wald ist Deutschlands größter Nationalpark, die Tektonik der Alpen übt großen Druck auf die Böden in Bayern aus. Die Entwicklung der Erdschichten ist daher nicht sicher.

Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender FREIE WÄHLER Bayern, betont, dass Bayern nicht als Lagerort geeignet sei. „Das zerklüftete Granit im Bayerischen Wald und an anderen Standorten, da wurde uns bisher gesagt, sei dem nicht gewachsen, und jetzt ist plötzlich Gorleben nicht geeignet und unser Granit sei geeignet.” Zum Aus von Gorleben zeigen sich Aiwanger und Glauber mehr als überrascht.

Aiwanger weiter: „Ich halte es ohnehin für fragwürdig, ob man einen Standort findet, der für eine Million Jahre sicher ist. Zielführender ist es, auf Standorte zu setzen, wo wir die nächsten Jahrzehnte oder Jahrhunderte sicher einlagern können und der Atommüll überwacht und rückgeholt werden kann, um diesen mit dann neuen Methoden zu entsorgen. Diesen Standort haben wir schon in Gorleben, wo bereits zwei Milliarden Euro investiert wurden. Das ist allemal besser als die derzeitige Lagerung der Castoren in oberirdischen Lagerhallen bis zum St. Nimmerleinstag, da der Standort für die nächsten Millionen Jahre auch 2050 noch nicht fertig sein wird.“

https://www.bge.de/de/endlagersuche/zwischenbericht-teilgebiete

Foto: Freie Wähler

Pressemitteilung

Straubing, 28. September 2020

Pressestatement Zwischenbericht Suche Atommüll-Endlager

Zum heute bekanntgegebenen Zwischenbericht zur Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland erklärt der CSU-Bezirksvorsitzende von Niederbayern, Bundesminister Andreas Scheuer, MdB:

„Der Prozess für die Endlager-Suche ist realitätsfern und utopisch – kurz: für Niederbayern inakzeptabel. Die Tatsache, dass unsere Städte Landshut, Passau und Straubing als mögliche Endlagerstandorte aufgeführt werden, beweist das. Gleichzeitig wird das jahrzehntelang erforschte Endlager Gorleben nicht einmal mehr in Erwägung gezogen.

Das Verfahren zur Standortsuche setzt das falsche Signal an die Bürger in den vielen Gebieten in Deutschland, die jetzt aufgelistet sind. Für die CSU Niederbayern steht außer Frage, dass eine Endlagerstätte in der Region aus geologischen Gründen nicht möglich sein wird. Der jetzige Suchprozess hat an der geologischen Zusammensetzung des Gesteins nichts geändert.“

Pressemitteilung vom 28.09.2020

Zur heute bekanntgegebenen Vorauswahl für ein Atommüll-Lager:

ÖDP Bayern hält Granit, Salz und Ton gleichermaßen für ungeeignet – keine Garantie für 1 Million Jahre möglich

„Kein Wissenschaftler kann garantieren, dass geologische Formationen wie Salzstöcke, Ton und Granitgestein für 100.000 bis 1 Million Jahre stabil und dicht bleiben“, erklärte der bayerische ÖDP-Landesvorsitzende Klaus Mrasek zur heute bekannt gegebenen Vorauswahl für ein Atommüll-Endlager. Die ÖDP Bayern hält Granit, Salz und Ton gleichermaßen für ungeeignet.

Die heute veröffentlichte Standortvorauswahl für ein Atommüll-Endlager komme „um 60 Jahre zu spät“. „Sechs Jahrzehnte nach der Inbetriebnahme des ersten deutschen Versuchsreaktors Kahl mit der Atommülllagersuche zu beginnen, ist unverantwortbar gegenüber künftigen Generationen. Der vor allem von der CSU befürwortete Irrweg der Atomwirtschaft hätte nie begonnen werden dürfen“, so Mrasek.

Der ÖDP-Politiker glaubt nicht daran, “dass ausschließlich fachliche Aspekte für den Standort ausschlaggebend sind, an dem die lebensbedrohenden Hinterlassenschaften des Atomzeitalters aufbewahrt werden”. „Ich befürchte, dass letztendlich doch politische Aspekte entscheiden. Man wird den Atommüll dort vergraben wollen, wo man den geringsten Widerstand erwartet”. Deshalb will sich die ÖDP vor die betroffenen Regionen stellen und den öffentlichen Widerspruch mobilisieren. „Das erhöht auch den wissenschaftlichen Begründungsaufwand“.

Jedes Gutachten, das auf einen der heute genannten Standorte hinausläuft, müsse durch Gegengutachten überprüft werden, verlangt die ÖDP. Der Atommüll dürfe nur rückholbar gelagert werden – in der Hoffnung, dass künftige Generationen über technische Möglichkeiten verfügen, die den heute bekannten überlegen seien. „Bis dahin kommt es darauf an, den Atommüll in einem Hochsicherheitszwischenlager geschützt vor möglichen Terrorangriffen und absichtlich herbeigeführten Flugzeugabstürzen zu lagern. Wo dieses vorübergehende Hochsicherheitslager entstehen könnte, müsste in einem separaten Verfahren ermittelt werden. Die bestehenden ungesicherten Zwischenlager an den Atomkraftstandorten sind jedenfalls vollkommen ungeeignet und dürfen nicht noch weitere Jahrzehnte bleiben“.

Logo: ÖDP

ÖDP Bayern, Landesgeschäftsstelle, Heuwinkel 6, 94032 Passau

bayern@oedp.de; www.oedp-bayern.de

Für den vergangenen Donnerstag lud die BGZ (Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH mit Sitz in Essen) zu einer “Informations- und Dialogveranstaltung” in die Aichbachhalle in Niederaichbach.

 

Auf dem Podium durfte der 1. Bürgermeister der Gemeinde Niederaichbach Josef Klaus Platz nehmen. Die drei anderen Sitzplätze waren für die Vertreter der Firmen, die mit der Durchsetzung des Regierungsauftrages beauftragt sind vorgesehen. Als Moderatorin wurde seitens der Veranstalter Eva Grünbauer von Sat 1 Bayern engagiert. Frau Grünbauer ihre Aufgabe charmant und mit der nötigen Distanz zum Thema erfüllt. Sie sorgte dafür, dass die Diskussion ruhig und annähernd sachlich stattfand.

Hauptthema war die Rückführung von hochradioaktivem Abfall aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in das sogenannte Zwischenlager Niederaichbach.
Die BGZ-Geschäftsführer Dr. Ewold Seeba und Wilhelm Graf erläuterten das Konzept für die Rückführung und sichere Zwischenlagerung der hochradioaktiven Abfälle.
Die Zuhörer waren gut informiert und hinterfragten die beruhigend vorgetragenen Ausführungen kritisch.
Die Aussage, dass der Einschlag eines Verkehrsflugzeuges vom Typ A 380 oder Boing 747 (Jumbo-Jet) auf das Zwischenlager Niederaichbach nachweislich zu keinem Schaden an Leben und Gesundheit der Bevölkerung führen würde stellte bei vielen Besuchern die Glaubwürdigkeit der Veranstalter in Frage. Auf Nachfrage wie der Nachweis aussehe wurde auf die Geheimhaltungspflicht verwiesen. Sonst könnte ja jemand erst auf die Idee gebracht werden und eine Anleitung für ein Verbrechen erhalten. Andererseits stellt sich die Frage wieso jemand ein Verbrechen begehen sollte, wenn bereits nachvollziehbar feststehen würde, dass die Tat keine negativen Auswirkungen nach sich ziehen würde.

Vor Beginn der Veranstaltung hatten bereits zahlreiche Bürger durch Transparente und Trommeln ihren Unmut über die Einlagerung von “Fremd”-Castoren geäußert.

Zur Enttäuschung aller Teilnehmer fehlten Vertreter der Landes- und Bundespolitik. Erfreulicherweise war Landrat Peter Dreier, der sich auch mehrmals zu Wort meldete und andere Vertreter der Kommunen vor Ort. Der Niederaichbacher Gemeinderat Herbert Wenk kündigte an, gemeinsam mit dem Landshuter Stadtrat Rudolf Schnur gegen die Einlagerung und für mehr Sicherheit des Zwischenlagers den Rechtsweg beschreiten zu wollen. Das sogenannte “Brunsbüttel-Urteil” gebe ihnen dazu den nötigen Rückenwind. Voraussetzung für den Rechtsweg sei allerdings die nötige Unterstützung durch zahlreiche Spender. Würden alle, die die Petition der Gemeinde unterzeichnet haben nur einen Euro geben, dann wären zwei Instanzen bereits finanziert.


Eva Grünbauer moderierte

Bürgermeister Josef Klaus brachte die Bedenken der Gemeinde Niederaichbach vor

 

Dr. Ewold Seeba sprach für die BGZ

 

Wilhelm Graf von der BGZ versuchte Vertrauen in das Konzept der BGZ zu gewinnen

 

Die Standortsuche für ein tiefengeologisches Lager für hochradioaktiven Atommüll läuft seit 2017 und soll 2031 beendet sein. Es gibt große Zweifel daran, ob es mit dem im Standortauswahlgesetz (StandAG) festgelegten Verfahren gelingt, die strahlenden Abfälle aus der Atomstrom-Produktion dauerhaft so zu lagern, dass kommende Generationen vor gesundheitsgefährdenden Auswirkungen bestmöglich geschützt werden. Deswegen gilt es den Lauf des Suchverfahrens zu beobachten und die für die Standortauswahl zuständigen Institutionen konstruktiv-kritisch zu begleiten und die Öffentlichkeit zu informieren.

Der Stand der Suche
Die „Bundesgesellschaft für Endlagerung“ (BGE) muss von den geologischen Landesämtern und anderen Behörden Geodaten beschaffen, also alle für die Suche relevanten Erkenntnisse über die geologische Situation in Deutschland. Allerdings gibt es nicht von allen Regionen entsprechende Erkenntnisse. Und viele der vorhandenen Daten liegen nicht in digitalisierter Form vor, sondern lagern in Aktenordnern in den Kellern der Ämter. Gesammelt und berücksichtigt werden deshalb derzeit nur digitalisierte Daten.
Aufgrund der von der BGE gesammelten Geodaten werden die im StandAG festgelegten Ausschluss-, Mindest- und Abwägungskriterien angewendet, mit denen Gebiete mit bestimmten Eigenschaften aus der Suche ausscheiden. Mitte 2020 will die BGE den „Zwischenbericht Teilgebiete“ vorlegen, der dann zum ersten Mal Regionen benennt, die im weiteren Suchverfahren eine Rolle spielen werden. Ob dieser Termin zu halten ist, steht noch nicht fest.
Gebiete, über die keine oder unvollständige geologische Erkenntnisse vorliegen, scheiden zwar nicht sofort aus dem Suchverfahren aus, müssen aber auch nicht zwangsläufig erkundet werden, um sie mit anderen Gebieten vergleichen zu können. Der Bundestag kann beschließen, solche Regionen nicht weiter zu beachten.
Die zuständige Behörde, das „Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE)“ hatte großspurig angekündigt: „Ausschluss und Auswahl der Regionen können Bürgerinnen und Bürger von Anfang an im Internet mitverfolgen.“ Doch nun findet dieser Auswahlprozess bis mindestens Mitte 2020 intransparent statt.  (Quelle: ausgestrahlt.de)